Hundeohren brauchen Pflege

Tierärztin untersucht Hundeohr
Richtiges Putzen
Viele Hunde haben Probleme mit den Ohren. Eine Expertin erklärt, wie es dazu kommt und was Halter dagegen tun können.

Viele Hunde kämpfen mit wiederkehrenden Ohrenproblemen. Claudia Dubacher ist Diplomierte Hundecoiffeuse VHT und hat seit über 30 Jahren mit solchen Problemen zu tun. «Hunde werden leider oft zu wenig gepflegt», bedauert sie das Leid, das sie in ihrem Tierpflegesalon Panda in Muhen AG manchmal zu sehen bekommt. 

Mangelndes Wissen über die nötige Pflege sowie unzureichende Gewöhnung des Hundes führen laut der Expertin letztlich dazu, dass der Hund und auch der Halter die Freude an der Pflege verlieren. Dabei bräuchte so mancher Hund sein Leben lang regelmässige Ohrenreinigungen. 

Oftmals haben Hunde stinkenden, teils blutigen Dreck in den Ohren. Dabei handle es sich aber selten um ins Ohr geratenen Dreck, wie fälschlicherweise oft von Hundehaltern angenommen wird, sagt Dubacher. «In der Regel ist eine entsprechende Veranlagung der Grund für Ohrenprobleme.» Im Gegensatz zu Artgenossen kann bei diesen Hunden beispielsweise eine übermäs­sige Talgproduktion zu Problemen führen. «Ein Hundeohr mit grösserer Talgproduktion ist bräunlich fettig und riecht entsprechend. Macht man es nicht sauber, verschlimmert sich das Ohr und es kann zu heftigen Schmerzen kommen», so Dubacher. Ist das Ohr bereits entzündet, ist es schmierig gelb bis bräunlich nass oder schwarz verkrustet. In solchen Fällen empfiehlt die Expertin den Gang zum Tierarzt. «Je fortgeschrittener die Entzündung ist, umso langwieriger wird die Behandlung.» Meist sind die Ohren bereits rot und geschwollen, der Hund kratzt und schüttelt die Ohren oder hält den Kopf schief.

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Steh-, Schlapp- oder Knopfohren
Die Talgproduktion ist laut Dubacher jedoch nur auf den ersten Blick das grundlegende Problem. Sicherlich gebe es auch Zusammenhänge zwischen Ohrenproblemen und dem Futter, insbesondere bei Allergien auf bestimmte Futterzusätze. «Vor allem aber ist die Anatomie der Ohren bei vielen Rassen ausschlaggebend für Ohrenprobleme.» Jahrelange Züchtungen verwandelten den ursprünglichen Prototypen des gut durch­lüfteten Stehohres in verschiedene Ohrenformen. Während Jagdhunderassen heute häufig Schlappohren aufweisen, haben Collies Kippohren, Shar Peis Knopfohren, Whippets Rosenohren und Chihuahuas und Papillons Fledermaus- respektive Schmetterlingsohren. «Gerade Rassen mit engen Gehörgängen, vielen Haaren in den Ohren oder schweren Hängeohren sind prädestiniert für Ohrenprobleme oder Pilze und benötigen dementsprechend mehr Pflege», sagt die Expertin. 

 Pudel, Barbet, Russischer Terrier und Lagotto gehören zu den Rassen mit engen, teils tief und stark behaarten Gehörgängen. «Je mehr Haare im Gehörgang sitzen, desto geringer ist die Luftzirkulation. Ist das Ohr zudem noch aufgrund eines kleinen Gehörganges sehr eng, begünstigt das eine Ohrenentzündung.» Spaniel wiederum haben zwar keine Haare im Gehörgang, dafür sehr schwere Hängeohren mit vielen äusseren Haaren, die eine Luftzirkulation erschweren.

Um Problemen vorzubeugen, erachtet die Hundecoiffeuse eine regelmässige Kontrolle der Ohren als unerlässlich. «Die Halter sollten immer wieder in die Ohrmuscheln schauen und auch mal daran riechen.» Bei schweren Hängeohren mit vielen Haaren ist es zudem sinnvoll, Hand an die Haarpracht zu legen. «Damit das Ohr mehr Luft und weniger Gewicht hat, kann man das Haar entsprechend der Frisur so kurz wie möglich schneiden.» Nur die Haare abzuschneiden oder zu scheren reicht laut Dubacher allerdings nicht immer aus. Gerade bei Pudel, Lagotto und Barbet stellt die Hundecoiffeuse oft fest, dass sich in den stark behaarten Ohren der Ohrschmalz zu richtigen Pfropfen entwickelt. 

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Beim Putzen gilt: Weniger ist mehr
Dubacher rät daher, bei anfälligen Rassen mit starker Gehörgangbehaarung die Haare dort auszuzupfen. Hierbei dürfe man jedoch nichts überstürzten, warnt Dubacher. «Das Zupfen ist eine kleine Gratwanderung und bei vielen Haaren zumindest am Anfang eine Sache, die Erfahrung braucht. Zupft man nämlich alle Haare auf einmal aus dem Gehörgang, kann eine Entzündung entstehen.» Sie empfiehlt die Haare in Etappen und stets nur wenige auszuzupfen. «Wenn es dann fast keine Haare mehr im Gehörgang gibt, sollte dieser Zustand erhalten bleiben, indem man etwa alle zwei Wochen wieder die nachgewachsenen Haare entfernt.» So wird das Ohr nicht unnötig gereizt.

Zum Glück gibt es auch Hunde, die solche Probleme nicht kennen. Ihre Ohren sind stets blitzblank und riechen nicht. Bei zahlreichen Vierbeinern müffeln die Ohrmuscheln allerdings mal oder sehen dreckig aus. In solchen Fällen empfiehlt Dubacher den Schmalz mit einem handelsüblichen Ohrenputzmittel zu entfernen. «Nach dem Reintropfen der Flüssigkeit massiert man das Ohr einen Moment lang und lässt danach den Hund seinen Kopf schütteln.» So wird das Ohr gespült. Ist ein Ohr enorm dreckig oder bereits verkrustet, rät Dubacher zu einem veterinärmedizinischen Ohrenputzmittel vom Tierarzt. 

Auch bei Ohrenentzündung, Milben- oder Pilzbefall kann eine solche Spüllösung zusammen mit den vom Tierarzt verschriebenen Medikamenten verwendet werden. Sitzen die Ablagerungen bereits tief, sollten sie mit ausreichend Flüssigkeit erst gelöst und danach gespült werden. «Je nach bestehendem Schmerz sollte man das Ohr etwas kneten, damit die Lösung bis ins Innenohr wirken kann. Nach dem Spülen reinigt man die Ohrmuschel mit Watte oder einem weichen Tuch.» Für die Rillen empfiehlt die Hundecoiffeuse, ein Wattestäbchen zu benutzen. Dabei sollte darauf geachtet werden, den Dreck nicht nach unten zu stossen. Angst, den Hund dabei zu verletzten, brauchen Halter laut Dubacher nicht zu haben. «Der Gehörgang des Hundes ist fast im rechten Winkel abgeknickt. Deshalb kann man ihn mit dem Wattestäbchen nicht verletzen.» 

Beim Putzen sollten Halter nicht in Übereifer verfallen und minutenlang das Ohr blitzblank polieren. «Zu viel Reibung ist wie Kratzen und kann die Entzündung verschlimmern.» Wiederholt werden sollte die Prozedur erst, sobald das Ohr wieder riecht. «Weniger ist bei der Ohrenpflege mehr», sagt Dubacher. Solange der Hund nicht kratzt oder sich überall reibt, hält die Hundecoiffeuse eine Reinigung selbst bei etwas miefigeren Ohren aus Sicht der Gesundheit für unnötig. Allzu lange sollten Halter bei Ohrenproblemen dennoch nicht warten. «Hat ein Hund erst mal Probleme mit den Ohren, muss man dranbleiben, und zwar immer.»

Das Ohr stressfrei putzen

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