Goldfische
Schlauer als gedacht
Ein Gedächtnis wie ein Goldfisch – wenig schmeichelhaft, wer mit diesem Kommentar bedacht wird. Studien zeigen: Dass dieser schillernde Süsswasserfisch angeblich nichts memorisieren kann, ist blanker Unsinn.
Die Annahme, dass sich das Erinnerungsvermögen von Goldfischen auf mickrige drei Sekunden erstreckt, hält sich hartnäckig. Der älteste bekannte Zierfisch muss die Umgebung stets neu erkunden, weil das Erlebte subito hinter dem Schleier des Vergessens versickert, so der weitverbreitete Glaube. Was wir heute wissen: Goldfische besitzen zwar keinen Hippocampus – jene Hirnstruktur, die beim Menschen massgeblich dafür verantwortlich ist, Informationen vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis zu überführen. Doch sie verfügen über gute Alternativen, um Erinnerungen zu speichern. Auch die Forschung hat längst aufgezeigt: Goldfische haben ein erstaunlich gutes Langzeitgedächtnis: Sie können sich bis zu elf Monate lang Wege durch ein Aquarium oder ein Labyrinth merken. Zudem sind sie in der Lage, Werkzeuge zu benutzen, auf akustische oder visuelle Signale zu reagieren und sogar komplexe Aufgaben zu lösen.
Wenn Goldfische im Aquarium immer wieder dieselbe Bahn schwimmen oder dieselben Ecken aufsuchen, hat das denn auch nichts mit mangelnder Gedächtnisleistung zu tun. Vielmehr deutet dieses stereotype Verhalten auf unzureichende Haltungsbedingungen hin: Goldfische benötigen mindestens ein bis zwei Artgenossen sowie ein Becken mit einem Fassungsvermögen von mindestens120 Litern. Alles andere ist Tierquälerei und begünstigt Verhaltensstörungen aufgrund von Unterforderung.
Höchste Zeit also, den Goldfisch nicht länger als Sinnbild menschlicher Schusseligkeit zu betrachten. Wer stattdessen vom «Gedächtnis wie ein Sieb» spricht, ist verhaltensbiologisch auf der sicheren Seite.
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