Stand heute gibt es etwa 140 landwirtschaftliche Biogasanlagen in der Schweiz – und es werden immer mehr. Gemeinsam verhindern sie die Emission von jährlich 100 000 Tonnen CO2-Äquivalenten, was in etwa der Menge entspricht, die täglich in der gesamten Schweiz entsteht. «In den nächsten zwei bis drei Jahren gehen wir von rund 10 bis15 Neuanlagen pro Jahr aus», sagt Martin Hiefner vom Fachverband Ökostrom Schweiz. Ein Grund für diese Dynamik ist die neue Förderregelung, die es seit rund einem Jahr gibt: «Die sogenannte gleitende Marktprämie wird über 20 Jahre ausgerichtet, sodass für Initianten langfristige Planungssicherheit besteht», erklärt Hiefner. Ein entscheidender Faktor, wenn es um die Realisierung einer Biogasanlage geht. Denn dafür ist schnell eine Investitionssumme in sechsstelliger Höhe vonnöten. Da landwirtschaftliche Biogasanlagen als Klimaschutzprojekte anerkannt sind, werden Anlagebetreiber bei der Finanzierung mit zusätzlichen Klimaschutzgeldern unterstützt.

Häufig schliessen sich für die Realisierung eines solchen Projekts mehrere Landwirtschaftsbetriebe zusammen. Manchmal gründen sie gleich eine AG oder GmbH. So zum Beispiel bei der Anlage im Kanton Jura, die über 900 Haushalte mit Wärme versorgt. «Je grösser eine Biogasanlage, desto verbindlicher ist die Zusammenarbeit geregelt», weiss Hiefner aus Erfahrung.

Umgenutztes Methan 

Damit sich eine landwirtschaftliche Biogasanlage lohnt, empfiehlt der Fachverband eine Mindestmenge an Gülle und Mist. Diese entspricht etwa der Menge, welche 100 Kühe jährlich produzieren. Die Methanemissionen, die ansonsten unkontrolliert in die Atmosphäre entweichen, werden im gasdichten System zu Energie in Form von Strom und Wärme oder Biogas umgewandelt. Bei gasproduzierenden Anlagen entsteht als Endprodukt Biomethan.

Dünger als Nebenprodukt

Häufiger werden jedoch Strom und Wärme produziert, so Martin Hiefner. In beiden Anlagentypen entsteht eine Gärgülle, die als hochwertiger Naturdünger wiederverwendet werden kann. «Die Nährstoffe werden über die Vergärungsprodukte wieder in den Kreislauf zurückgebracht», fasst Hiefner zusammen. So wird aus Methan, dem einstigen Klimasünder, ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige und zukunftssichere Landwirtschaft.