Naturoase nahe der Bundesstadt
Eine Wanderung um Bern entlang der Aare - von Worblaufen nach Bremgarten
Smaragdgrünes Aarewasser, Stille und spannende Tierbeobachtungen locken am Fussweg um die Engehalbinsel. Eine Welt für sich im Flusseinschnitt mit geheimnisvollen Fischen, Fleisch fressenden Pflanzen und funkelndem Eisvogel.
Eine Oase der Ruhe nahe der Bundesstadt Bern? Diese findet sich entlang der Aareschlaufe um die Engehalbinsel. Der Abstieg in die Mäander ist der Schritt in eine andere Welt. Tiefgrünes Flusswasser, Kiesbänke, Vogelgesang, üppiges Buchenlaub, Moos und über Kalktuff rieselndes Wasser. Wie Ferien, und zwar von Bern aus in Kürze erreichbar.
Der erste Wegabschnitt ist nichts Spezielles, denn er führt auf Asphalt über einen geraden Fussweg entlang der Ara Worblaufen. Der Blick nach links zur grünen Aare entschädigt. Da sitzt ein Trauerschnäpper in der Weide, auf der Kiesbank am gegenüberliegenden Ufer bewegen sich kleine, braune Punkte. Krickenten, die sich das Gefieder putzen! Plötzlich fliegt ein Gänsesägerpaar flussaufwärts.
Bald knirscht es unter den Schuhen, der Fussweg wird natürlich, zu beiden Seiten wuchert Laub, dazwischen schimmert das Grün der Aare. Einige Schritte durch die Vegetation, schon zieht das Wasser direkt an einem vorbei, reissend hoch, oder träge an Sandbänken leckend, je nach Wetterlage. Auf der gegenüber liegenden Flussseite bildet das Laub von Buchen einen dichten Vorhang. Zwei Rabenkrähen fliegen aus dem Grün, ein Buntspecht warnt, der Graureiher aber harrt stoisch am Ufer auf seinen Fang.
Ähnliches haben vielleicht vor 2000 Jahren Römer gesehen. Sie standen aber nicht am Ufer, wie wirheute, sondern auf einer Brücke. Das Holzkonstrukt führte beim Einfluss des Steinibachs vor rund 2000 Jahren über die Aare auf die Engehalbinsel zur römischen Kleinstadt Brenodurum. Archäologenfanden Zufahrtswege, Pfähle und Überbleibsel von Brückenköpfen sowie Keramikscherben. Ruinen eines römischen Bades und von Tempeln zeugen bis heute von der antiken Kultur. Die Römer waren nicht die ersten, die hier siedelten. Vom 3. bis 1. Jahrhundert vor Christus wohnten auf der Engehalbinsel die Helvetier in einer Stadt namens Brenodor.
Während beim Weiterschlendern flussabwärtsGedanken über all die Menschen, die hier schon lange vor uns wirkten, durch den Kopf schwirren, fällt die Aufmerksamkeit nun auf einheimische Gewächse. Zum Beispiel auf die Elsbeere oder die echte Mehlbeere, beides besondere Bäume, die entlang des Weges ausgeschildert sind.
In die Falle getappt
Als die Aare nach längerem geradem Fliessen nach links strömt, rieselt plötzlich rechterhand des Weges an einer Böschung klares Wasser über Kalktuffgestein und Moos. Eine Szenerie wie in einem Märchen. Das über Moos tröpfelnde, kalkhaltige Wasser lässt Ablagerungen auf dem Grün zurück. Schliesslich werden sie zu Gestein und wachsen immer weiter vor. So entstehen diese dekorativen Kalkwucherungen, ähnlich wie im Plitvicer-Nationalpark in Kroatien. Im Dauernass leuchten hellgrüne, sternartige Pflänzchen mit fülligen Blättern – und es spielen sich Dramen ab. Das Gemeine Fettblatt (Pinguicula vulgaris) bevorzugt kalkreiche Quellfluren. Es sieht harmlos aus, doch es fängt Lebewesen! An den Blättern bleiben Insekten kleben. Die Pflanze scheidet ein Verdauungssekret aus, die Blätter rollen sich ein. Kein Entrinnen für Mücken und Co.
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Wenige Meter flussabwärts bildet rechterhandweiterer Kalktuff eine grosse, pilzartige Wucherung. Darunter liegt ein Teich mit kristallklarem Wasser, welches über den moosbesetzten Tuff herniederrieselt. Im Wasser gleiten längliche Alet in ruhigen Bahnen über Unterwasservegetation. Beim Restaurant Reichenbach liegt bei warmem Wetter vielleicht ein Zvieri auf der Terrasse drin, während die Reichenbach-Fähre Passagiere auf die Engehalbinsel übersetzt. Gut möglich, dass auch der Eisvogel auf einer Warte sitzt und wie ein Pfeil ins Wasser schiesst. Vom einmündenden Reichenbach her hallen die Rufe der Wasseramsel.
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Bald taucht rechts das Schloss Reichenbach auf. Der Springbrunnen mit rundem Bassin ganz unten, dann die sich zum Gebäude aufreihenden Terrassen mitRosen und mediterranen Pflanzen, versprühen einen Hauch Frankreich an der Aare. Das Schloss Reichenbach stammt von 1685. Lange vorher stand an diesem Ort bereits eine Burg. Beim daneben liegenden Restaurant handelt es sich übrigens um die ehemalige Orangerie des Schlosses. Hier überwinterten also die Zitruspflanzen in früheren Jahrhunderten.
Wer den Spaziergang im Frühling macht, stösstspätestens jetzt auf Bärlauch, der im feuchten Wald spriesst. Im Sommer kann es sein, dass eine Ringel-natter im langsam fliessenden Wasser der Aare schlängelt. Und weiter unten schwimmt vielleicht ein Biber durch den Flusslauf, wenn der Bummel früh am Morgen oder spät abends unternommen wird. Auf Höhe der Kirche Bremgarten, einem Kraftort, führt ein Tunnel unter dem Felssporn durch. Auf der anderen Seite ist es nicht mehr weit bis zur Felsenaubrücke und zur auf der linken Flussseite liegenden Bushaltestelle Fähr-strasse. Ein Weg mit pittoresken Aussichten, Blick in die Vergangenheit und immer neuen Naturerlebnissen.
WanderbeschreibungBern RBS-Bahnhof, S7 Richtung Worb bis Worblaufen (5 Minuten). Ab dem Perron dem Wanderwegweiser Richtung Bremgarten folgen (Umleitung wegen einer Baustelle bis Mitte 2026 bei der Ara Worblaufen).
Spaziergang von etwa eineinhalb Stunden der Aare entlang bis zur Busstation «Fährstrasse» oder «Bremgarten Kirche».
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