Ein alarmierendes Beispiel liefert die Sissle im Kanton Aargau: Der Rheinzufluss ist auf weiten Abschnitten bereits vollständig ausgetrocknet. Für die dort lebenden Fische bedeutet das einen Kampf ums Überleben, den viele bereits verloren haben. Auch im Gütschweiher in Luzern kam es wegen Hitze und Wassermangel jüngst zu einem Fischsterben.

Der ungewöhnlich frühe Zeitpunkt dieser kritischen Lage unterscheidet sich laut dem Schweizerischen Fischerei-Verband SFV deutlich von früheren Trockenjahren. Bereits seit März liegen die Grundwasserstände in vielen Regionen des Mittellandes deutlich unter dem langjährigen Schnitt. Zahlreiche Quellen führen weniger Wasser, Bäche werden zu Rinnsalen und auch grössere Flüsse kühlen kaum noch ab. Besonders betroffen sind kältebedürftige Arten wie Forellen und Äschen. 

[IMG 2]

Wassertemperaturen ab etwa 20 Grad bedeuten für viele Fischarten bereits erheblichen Stress. Ab rund 23 Grad wird die Situation kritisch. Bleiben Temperaturen von 25 Grad oder mehr über längere Zeit bestehen, drohen Fischsterben. 

«Noch nie standen wir bereits Ende Juni vor einer derart angespannten Situation.»

Adrian Aeschlimann, Geschäftsführer des Schweizerischen Kompetenzzentrums Fischerei (SKF), beschreibt die Situation als aussergewöhnlich angespannt: «Noch nie standen wir bereits Ende Juni vor einer derart angespannten Situation. Viele Gewässer haben ihre Reserven schon vor Beginn des Hochsommers aufgebraucht.» Auch Regen nach der aktuellen Hitzewelle werde die Lage nicht sofort entspannen können. Die Trockenheit habe sich tief im Gewässersystem festgesetzt.

Für die Zukunft seien deshalb robuste und naturnahe Gewässer entscheidend. Strukturreiche Lebensräume mit ausreichender Beschattung, Vernetzung und Rückzugsmöglichkeiten könnten Fischbestände besser vor Extrembedingungen schützen.

Notfalleinsätze zum Schutz der Fischbestände

In mehreren Kantonen beobachten Fischereifachstellen, Gewässerfachleute und Fischereivereine die Entwicklung täglich. Wo nötig, werden Fische aus austrocknenden Gewässerabschnitten gerettet, Kaltwasserbereiche geschützt oder besonders empfindliche Stellen abgesperrt.

Im Kanton Bern mussten seit Jahresbeginn bereits auf 26 Kilometern Gewässern Notabfischungen durchgeführt werden. Rund 15'000 Fische wurden dabei in geeignetere Gewässer umgesiedelt.

Gewässer müssen fit für die Zukunft werden

Trockenperioden und Hitzewellen werden zunehmend zu einer dauerhaften Herausforderung. Viele Gewässer sind darauf heute noch nicht ausreichend vorbereitet.

Der Schweizerische Fischerei-Verband SFV fordert deshalb, Revitalisierungen zu beschleunigen und Flüssen und Bächen wieder mehr Raum zu geben. Ufer sollen stärker mit standortgerechten Bäumen und Sträuchern beschattet werden. Zudem brauche es tiefe Kolke, Seitenarme und Rückzugsräume, die vom Grundwasser gespeist werden.

Auch die freie Fischwanderung müsse konsequent umgesetzt werden, damit Fische bei Hitze kühlere und wasserreichere Lebensräume erreichen können. Wasserentnahmen aus sensiblen Gewässern sollten bei kritischen Situationen frühzeitig eingeschränkt werden.