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Das unbeachtete Fischsterben in der Schweiz

In den Turbinen der Kraftwerke am Hochrhein sterben immer wieder unzählige Aale. Das stille Massensterben steht exemplarisch für den dramatischen Zustand der Schweizer Fischwelt. Einer Welt, die allzu oft unter dem Radar bleibt – obwohl sie Aufmerksamkeit bitter nötig hätte.

Ein Bild des Grauens bot sich Ende Februar allen, die am Ufer des Hochrheins im Norden der Schweiz unterwegs waren: Unzählige verletzte, verstümmelte und tote Aale trieben im Wasser, manche wurden von der Strömung ans Ufer gespült.

Eigentlich hätten die schlangenartigen Fische – vorwiegend Weibchen – eine rund 6000 Kilometer lange, faszinierende Wanderung vor sich gehabt. Im Bodensee gross geworden, machen sich Aale jeweils in den Wintermonaten auf den Weg zur Sargassosee, einem Meeresgebiet im Atlantik mit einzigartigem Ökosystem, um zu laichen. Doch im Hochrhein stehen ihnen 21 grosse Wasserkraftwerke ohne Fischabstieg im Weg. Die Turbinen der Anlagen sind für die Fische der einzige Ausweg flussabwärts – und damit ihr Ende.

Das erste Kraftwerk befindet sich in Schaffhausen. Forschende vermuten, dass bereits dort 90 Prozent aller wandernden Aale sterben. Jedes der folgenden zwanzig Rheinkraftwerke bis Basel rafft von den überlebenden Tieren weitere 90 Prozent dahin. «Rechnet man das auf alle 21 Rheinkraftwerke hoch, bleiben – wenn überhaupt – nur wenige Einzeltiere übrig, die es bis zur Sargassosee schaffen», schildert David Bittner betrübt.

Das unbeachtete Fischsterben in der Schweiz
SFV-Geschäftsführer David Bittner machte sich im Februar am Hochrhein vor Ort ein Bild.

Schon als Kind brachte ihm sein Grossvater die Fischerei – und damit die Faszination für Fische – näher. Heute ist Bittner Geschäftsführer des Schweizerischen Fischerei-Verbands (SFV), einer Organisation, die nicht nur die Interessen von Fischerinnen und Fischern vertritt, sondern sich auch für den Schutz der Gewässer und ihrer Artenvielfalt einsetzt.

Das Aalgemetzel am Hochrhein ist dem Verband schon lange ein Dorn im Auge – denn es wiederholt sich Jahr für Jahr. «Es findet statt, seit die Kraftwerke gebaut wurden – also seit Jahrzehnten», betont Bittner. Auch 2026 wandte sich der SFV mit schrecklichen Bildern an die Öffentlichkeit.

Der Geschäftsführer besuchte den Hochrhein in verschiedenen Jahren – so auch in diesem Februar. Die Eindrücke, die sich ihm dort boten, beschäftigen ihn stark, erzählt er. «Sogar so sehr, dass ich nachts, wenn ich erwache, darüber nachdenke.» Vor Ort sei das Ausmass noch deutlich grösser. «2023 war es am schlimmsten. Damals habe ich erlebt, wie halb tote Aale noch geatmet haben. Sie lagen zu Hunderten herum. Das war krass. Denn wir wissen heute, dass der Aal ein Tier ist, das Schmerzen empfinden kann.»

Ein jahrzehntelanges Massaker

Das wiederkehrende Gemetzel am Hochrhein trifft mit dem Europäischen Aal eine Art, deren Bestandeslage ohnehin schon als sehr kritisch gilt. Einst war er in fast allen Küsten- und Binnengewässern Europas, Nordafrikas und Kleinasiens weit verbreitet. In der Schweiz zählte der schlangenartige Fisch vor der Industrialisierung gar zu den häufigsten Arten überhaupt.

Doch gerade der industrielle Wandel brachte grundlegende Veränderungen für die Fischwelt mit sich. Seit den Siebzigerjahren ist der Aalbestand in ganz Europa um 98 Prozent zurückgegangen. Die zunehmende Verbauung und die Nutzung der Wasserkraft von Flüssen wie dem Rhein, der Rhone oder dem Ticino verunmöglichten dem Aal und vielen weiteren Fischarten die Wanderung flussaufwärts. Weitere gravierende Probleme wie Überfischung, die Zunahme von Fressfeinden, Gewässerverschmutzung und der Klimawandel brachten die Art an den Rand des Verschwindens.

Seit 2014 stuft die Weltnaturschutzorganisation (IUCN) den Aal als «vom Aussterben bedroht» ein. Denselben Status erhielt er in der Schweiz vor fünf Jahren. Seit 2021 gilt der Aal landesweit als geschützt und darf nicht mehr befischt werden. Die Exemplare, die hierzulande noch vorkommen, stammen aus Besatzungsprogrammen auf deutscher Seite im Bodensee.

Hindernis Wasserkraft

«Mit dem jahrzehntelangen Aalgemetzel haben wir ein eindrückliches Beispiel, das die Probleme der Fische sinnbildlich veranschaulicht», sagt David Bittner. Denn der Aal ist längst nicht die einzige Art, die unter den Hindernissen leidet – aber eine, die das Problem sichtbar macht.

Einst galt der Rhein auch als wichtigster Lachsfluss Europas. Die nicht fischgängig ausgestatteten Wasserkraftwerke liessen den einst sehr häufigen und eindrücklichen Fisch jedoch verschwinden. Seit 1958 gilt der Rheinlachs als ausgestorben.

Durch die Wasserkraftwerke verschwand auch der Lachs aus dem Rhein.
Durch die Wasserkraftwerke verschwand auch der Lachs aus dem Rhein.

Auch Äschen seien im grössten Schweizer Fluss einst zahlreich vorgekommen, erzählt Bittner. «Bevor die Kraftwerke gebaut wurden, galt der Hochrhein als bestes Äschengewässer Europas!» Die Äsche ist auf kühle, sauerstoffreiche und strukturierte Fliessgewässer angewiesen. Essenziell ist eine lockere Kiessohle, in die sie ihren Laich ablegt. Durch die Kraftwerke wird jedoch der natürliche Geschiebehaushalt gestört. Je nach Stromproduktion steigt oder sinkt der Wasserpegel. Diese täglichen Abflussschwankungen – auch Schwall und Sunk genannt – können Laichplätze oder Jungfische plötzlich trockenlegen. Entsprechend gilt die Äsche hierzulande als stark gefährdet.

Äschen kamen in Flüssen wie dem Rhein einst zahlreich vor, sind heute aber stark gefährdet.
Äschen kamen in Flüssen wie dem Rhein einst zahlreich vor, sind heute aber stark gefährdet.

Eigentlich wäre seit 15 Jahren ein Gesetz in Kraft, welches die Situation verbessern sollte. Das revidierte Gewässerschutzgesetz von 2011 verpflichtet die Inhaber bestehender Wasserkraftwerke, wesentliche negative Auswirkungen der Wasserkraftnutzung bis 2030 zu beheben. Dazu gehören insbesondere die Wiederherstellung der Fischwanderung, die Verbesserung der Geschiebedynamik sowie die Reduktion von Schwall und Sunk.

Die Umsetzung verläuft jedoch schleppend. Eine Auswertung der Kantone von 2022 zeigt: Von rund 1000 gemeldeten Sanierungsprojekten wurden erst etwa zehn Prozent umgesetzt oder befinden sich in Umsetzung, weitere 45 Prozent sind in Planung. «Es ist unverständlich, wieso sich trotz des wiederkehrenden Aalgemetzels und der dramatischen Situation unserer Fische allgemein so wenig tut», sagt Bittner.

Der Schweizerische Fischerei-Verband fordert deshalb erneut konkrete Massnahmen. Kurzfristig schlägt der SFV etwa die Elektrifizierung der Rechen am Kraftwerk Schaffhausen oder eine Art «Aal-Taxi» vor, bei dem die Tiere oberhalb des ersten Kraftwerks gefangen und unterhalb des letzten Kraftwerks wieder ausgesetzt werden. Geschehen ist bisher wenig. «Wir fordern, dass man endlich vom Bummelzug auf den Schnellzug umsteigt», betont Bittner. «Damit es für die Schweizer Fische vorangeht – bevor es zu spät ist.» Für viele einheimische Arten ist der Zug jedoch schon längstens abgefahren.

«Die Situation ist katastrophal»

Drei von vier einheimischen Fischarten stehen auf der Rote Liste und sind damit bereits ausgestorben, vom Aussterben bedroht oder gefährdet. «Die Situation unter Wasser ist schlichtweg katastrophal», sagt David Bittner mit Nachdruck. Da man Fische seltener sieht als andere Tiere, würden sie gesellschaftlich, rechtlich und politisch oft vernachlässigt, erklärt er. «Fische haben weder hübsche Federn noch ein flauschiges Fell. Manche machen Bekanntschaft mit ihnen, wenn sie auf dem Teller liegen. Ansonsten bleiben sie zu oft unter dem Radar.»

Die bedrohten Fische der Schweiz

Gemäss der Roten Liste sind drei von vier Fischarten bereits ausgestorben, vom Aussterben bedroht oder gefährdet. Stark gefährdet: Dorngrundel, Bachneunauge, Ghiozzo, Bitterling, Flussforelle, Seeforelle, Äsche Vom Aussterben bedroht: Alborella, Aal, Nase, Savetta, Piccola lampreda, Sofie, Triotto, Pigo, Cobite mascherato, Adriatische Forelle, Donauforelle, Marmorataforelle, Tiefseesaibling, Adriatische Äsche, Apron Bereits ausgestorben: Stör, Maifisch, Huchen, Fluss-neunauge, Moorgrundel, Meerneunauge, Atlantischer Lachs, Meerforelle, Jaunet

Der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) will dies ändern: Er kämpft für mehr Sichtbarkeit der Fische und damit für ihr Überleben. Doch widerspricht dieses Engagement nicht der fischereilichen Nutzung der Gewässer, bei welcher Fische gezielt gefangen und getötet werden? Bittner verneint: «Natürlich stehen wir Fischer zu unserem Hobby und fangen auch gerne einen Fisch. Aber Umwelt- und Gewässerschutz haben gegenüber der Nutzung klar Vorrang.»

Primär seien es Fischerinnen und Fischer, die regelmässig an den Gewässern unterwegs seien und deren Zustand aus erster Hand kennen, so der Geschäftsführer. Zudem gelten für die Befischung strenge Regeln, Schonzeiten und Schonmasse, die je nach Kanton, Gewässer und Art variieren. Vom Aussterben bedrohte Arten wie der Aal dürfen gar nicht befischt werden.

Dass mit dem revidierten Gewässerschutzgesetz von 2011 überhaupt die ökologische Sanierung der Wasserkraftwerke bis 2030 im Gesetz verankert wurde, geht auf die Volksinitiative «Lebendiges Wasser» aus dem Jahr 2005 zurück, die vom SFV lanciert wurde. Unterstützt wurden die Fischer später vom WWF und Pro Natura. Die Initiative habe sowohl in der Bevölkerung als auch in der Politik Gehör gefunden, erzählt Bittner. Zugunsten eines indirekten Gegenvorschlags zog der SFV sein Begehren schliesslich zurück.

«Man darf sagen, dass es der Anstoss der Fischer war, der zum grössten Naturschutzprogramm der Schweizer Geschichte geführt hat», betont Bittner nicht ohne Stolz. So gehören auch die zahlreichen Revitalisierungen zum ‹neuen› Gewässerschutzgesetz. Dieses Gewässerschutzgesetz sei nicht nur europaweit ein Vorbild, sondern komme auch anderen Artengruppen zugute – etwa den Vögeln und Amphibien.

Doch gerade im Vergleich zu Vogelarten fänden Fische kaum Beachtung. «Die Schweiz beherbergt Wasser- und Zugvogelreservate von internationaler, nationaler und kantonaler Bedeutung», sagt Bittner. Fischfressende Vögel wie Kormorane, Gänsesäger und Graureiher hätten stark zugenommen. «Wir haben ein grosses Verständnis für den Vogelschutz. Doch für Fische gibt es keine vergleichbaren Schutzgebiete. Das ist eine grosse Lücke in der Gesetzgebung – und zeigt, wie wenig Beachtung sie finden.»

Alle zwei Tage ein Fischsterben

Die Unterwasserlebewesen sehen sich zudem einer ganzen Reihe weiterer Belastungen ausgesetzt. Schuld daran ist in den meisten Fällen der Mensch. Laut einer Studie der Universität Bern aus dem Jahr 2024 beeinflusst er 90 Prozent aller potenziellen Schweizer Lebensräume von Süsswasserfischen negativ. Was sich oft in Massensterben zeigt: «Durchschnittlich alle zwei Tage kommt es in der Schweiz zu einem akuten Fischsterben», schreibt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) im 2025 erschienenen Bericht «Nachhaltiges Fischereimanagement».

Häusliche und industrielle Abwässer, Jauche, Gülle sowie verschiedene Pestizide sind nur einige der Substanzen, die immer wieder im Wasser landen. Pestizide sind chemische oder biologische Wirkstoffe, die vor allem in der Landwirtschaft zur Bekämpfung von Krankheiten, Schädlingen oder Unkraut eingesetzt werden. Einige davon gelten als hochgiftig.

Für hitzige Diskussionen sorgte zuletzt das Insektizid Deltamethrin, das unter anderem im Rapsanbau eingesetzt wird. Bereits ein Tropfen kann ausreichen, um einen ganzen Bach zu vergiften, warnen Umweltverbände. Im Januar wurde bekannt, dass der empfohlene Grenzwert im Flüsschen Wyna bei Beromünster (LU) im vergangenen Herbst um das 4200-Fache überschritten wurde. Für Deltamethrin und andere hochtoxische Pestizide hätten im Zuge der Revision der Gewässerschutzverordnung eigentlich strengere Grenzwerte eingeführt werden sollen. Der Bundesrat verzichtete jedoch darauf. Wie die SRF-Sendung «Rundschau» im Februar 2026 berichtete, gewichtete das Bundesamt für Umwelt unter Bundesrat Albert Rösti offenbar landwirtschaftspolitische Argumente höher als wissenschaftliche. Das Bundesamt für Justiz sah darin einen Verstoss gegen das Gewässerschutzgesetz. Dieser Vorwurf wurde jedoch vom Umweltdepartement (UVEK) zurückgewiesen.

Unverkäufliche PFAS-Fische

Einige Pestizide enthalten Wirkstoffe, die zu den sogenannten per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) gehören – auch als «Ewigkeitschemikalien» bekannt. Diese Bezeichnung verweist auf ihre Lang-lebigkeit: In der Umwelt bauen sie sich kaum ab und gelangen so in Böden, Gewässer sowie in die Körper von Mensch und Tier. Aufgrund ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften sind PFAS in vielen Alltagsprodukten enthalten – etwa in beschichteten Pfannen, wasserfester Kleidung oder Kosmetika.

Inzwischen werden sie auch in Fischen nachgewiesen: Hechte und Eglis aus dem Zugersee sind so stark belastet, dass im November 2025 ein Verkaufsverbot für diese Speisefische erlassen wurde. Verzehrt werden dürfen sie weiterhin, doch die Behörden raten aufgrund möglicher gesundheitlicher Risiken zur Zurückhaltung. Daniel Jositsch, Zürcher Nationalrat und Zentralpräsident des Schweizerischen Fischerei-Verbands, kommentierte den Vorfall wie folgt: «Wenn der Fisch als eines der natürlichsten Lebensmittel nur noch mit Vorbehalt genossen werden darf, ist unsere Gesellschaft an einem Tiefpunkt angelangt.»

Als weitere Ursachen für Fischsterben nennt das BAFU auch natürliche Faktoren wie Trockenheit oder Krankheiten. Beide dürften im Zuge des Klimawandels häufiger auftreten. Steigende Wassertemperaturen führen zu sinkenden Sauerstoffgehalten und tieferen Wasserständen. Besonders betroffen sind kältebedürftige Arten wie Forellen oder Äschen. Temperaturen über 25 Grad können für sie lebensbedrohlich sein. Gleichzeitig führen trockene Sommer zu tiefem Wasserstand, wodurch Fische auf dem Trockenen liegen – buchstäblich.

Das unbeachtete Fischsterben in der Schweiz
Der Alet gehört zu den Fischarten, die vom Klimawandel profitieren.

Hohe Temperaturen, Stress und eine verschlechterte Wasserqualität begünstigen zudem Krankheiten. Es gibt jedoch auch Arten, die mit den «neuen» Gegebenheiten besser zurechtkommen. «Arten wie Alet oder Wels profitieren vom Klimawandel», schildert Bittner. Beide gelten als wärmeliebend. Der Alet ist zudem anpassungsfähig und kommt mit geringeren Sauerstoffgehalten besser zurecht. Der Wels, der grösste Raubfisch der Schweiz, profitiert unter anderem von der zunehmenden Schwäche seiner Artgenossen und breitet sich in vielen Gewässern immer weiter aus.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Lebensraumverlust, Wasserkraft, Gewässerverschmutzung und Klimawandel: Trotz der vielen Faktoren, welche die Schweizer Fische bedrohen, bleibt der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) entschlossen. «Wir sind Kämpfer», sagt David Bittner. «Wir setzen uns weiterhin für alle Fischarten ein – auch für die unscheinbaren.»

Ein Beispiel dafür ist ein Kleinfisch, den der SFV zum «Fisch des Jahres 2026» gekürt hat: die Elritze, im Volksmund auch «Butzli» oder «Bameli» genannt. «Fischer schätzen sie, weil sie eine wichtige Nahrungsquelle für Raubfische wie Forellen oder Hechte ist», schrieb der Verband im Januar. Bemerkenswert ist, dass die Elritze in manchen Gewässern zahlreich vorkommt, in anderen jedoch verschwunden ist. Erst genetische Untersuchungen zeigten, dass es in der Schweiz nicht nur eine, sondern gleich vier Arten gibt: die italienische, die französische, die Donau- und die See-Elritze. Jede von ihnen ist an spezifische Lebensräume angepasst – vom Quellbach bis zum grossen Voralpensee.

Das Beispiel zeigt, dass die Artenvielfalt in Schweizer Gewässern grösser ist als lange angenommen. Gleichzeitig macht es deutlich, wie verletzlich dieses System ist. «Arten, die wir noch kaum kennen, könnten verschwinden, bevor wir ihre Bedürfnisse verstehen», warnt der SFV.

Auch eine möglicherweise bereits verschwundene Art hat der Verband nicht aufgegeben: den Roi du Doubs, einen weltweit einzigartigen Fisch, der nur im Doubs vorkommt – oder vorkam. Im Rahmen des Projekts «Doubs vivant» suchen der SFV, der WWF und Pro Natura regelmässig nach verbliebenen Exemplaren. Vor einigen Jahren wurde nur noch ein einzelnes Weibchen gefunden. «Océane» schwimmt heute in der Citadelle de Besançon, wo versucht wird, die Art zu erhalten.

Vom Roi du Doubs wurde vor einigen Jahren nur noch ein einziges Weibchen gefunden.
Vom Roi du Doubs wurde vor einigen Jahren nur noch ein einziges Weibchen gefunden.

Zudem engagieren sich Fischer direkt für die Renaturierung in und rund um die Gewässerlebensräume. «Oft braucht es wenig Aufwand», weiss Bittner. «Wenn man Totholz einbringt, Verstecke oder Strukturen schafft und die Gewässersohle auflockert, kann das viel bewirken – auch im Kleinen.» Erste Erfolgskontrollen würden dies bestätigen. Ausserdem organsiert der SFV Clean-up-Days an Gewässern sowie Bildungs- und Förderprogramme zur Biodiversität. Mit dem geplanten Fischzentrum Schweiz am Moossee (BE) beschäftigt den Verband ein Jahrhundertprojekt. «Es soll ein nationales Besucherzentrum für Fische werden – eine Art Pendant zur Vogelwarte Sempach», erklärt Bittner. Ziel ist es, die Wahrnehmung für Fische zu stärken.

Fischzentrum Schweiz

Seit Januar 2023 ist die Stiftung Fischzentrum Schweiz Besitzerin eines 5500 Quadratmeter grossen Terrains am Moossee bei Bern. Auf dem Areal einer ehemaligen Fischzucht soll in den kommenden Jahren das Fischzentrum Schweiz entstehen – ein nationales Besucherzentrum, welches Fischen und ihren Lebensräumen zu mehr Schutz und Sichtbarkeit verhelfen soll. Weitere Informationen: fischzentrum.ch

Klar ist: Die Situation unter Wasser hat sich über die Jahre krass verändert – und mit ihr auch die Fischerei. «Obwohl es weniger Fische gibt, ist das Interesse an der Fischerei ungebrochen», sagt Bittner. 2025 hätten so viele Menschen wie noch nie den Sachkundenachweis Fischerei absolviert. «Heute steht für viele das Naturerlebnis im Vordergrund – nicht mehr die Anzahl der gefangenen Fische», so Bittner. «Das stimmt mich zuversichtlich. Ich hoffe, dass wir die bestehenden gesetzlichen Grundlagen konsequent umsetzen und den Negativtrend zumindest bremsen können.»

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