Versiegelte Flächen, künstliches Licht und dazu ständiger Lärm: Was für Menschen in Städten zum Alltag gehört, stellt Tiere vor enorme Herausforderungen. Eine neue internationale Übersichtsarbeit von Wissenschaftlerinnen der Universität Bielefeld zeigt nun, wie das urbane Leben das Sozialverhalten von Tieren verändern.

«Städte greifen massiv in die sozialen Beziehungen von Tieren ein, und das viel stärker, als bisher angenommen», berichtet Avery L. Maune. «Soziales Verhalten beeinflusst, ob Tiere sich fortpflanzen, Nahrung finden oder Fressfeinden entkommen. Veränderungen dieser Verhaltensweisen können so weitreichende Folgen haben.»

Die Forscherinnen werteten 227 wissenschaftliche Studien aus. Das Ergebnis ist eindeutig: 92 Prozent der untersuchten Arbeiten zeigen einen signifikanten Einfluss der Urbanisierung auf das Sozialverhalten von Tieren. In Städten wirken sogenannte urbane Stressoren auf Tiere ein. Damit sind menschengemachte Belastungen wie Verkehrslärm, künstliches Licht in der Nacht, wenige Rückzugsmöglichkeiten oder chemische Verschmutzung gemeint.

Die Studie zeigt: Diese Stressfaktoren können verändern, wie Tiere miteinander kommunizieren, wie aggressiv sie sich verhalten oder wie stabil ihre sozialen Gruppen sind. Besonders gut untersucht ist der Einfluss von Lärm, der etwa Gesang, Warnrufe oder Balzsignale überdeckt.

«Unsere Ergebnisse sind nicht nur für die Biologie relevant», betont Co-Autorin Isabel Damas-Moreira. «Sie liefern auch wichtige Folgerungen für Naturschutz und nachhaltig geplante Stadtentwicklung. Städte der Zukunft müssen Lebensräume sein, nicht nur für Menschen.»