Vögel als Haustier
Wie Gänse artgerecht gehalten werden
Für naturverbundene Menschen mit Platz sind Gänse tolle Haustiere. Die Vögel lernen schnell und sind anhänglich, aber auch wachsam wie Hunde. Damit sich Gänse richtig wohlfühlen, gibt es einiges zu beachten.
Gänse wurden erstmal im 3. Jahrtausend vor Christus im alten Ägypten domestiziert. Alle europäischen Hausgänse gehen auf die Wildform der Graugans zurück. Die asiatische Haus-Höckergans stammt dagegen von der Schwanengans ab. In freier Wildbahn leben Gänse in grossen Schwärmen zusammen. Auch Hausgänse brauchen mindestens einen Artgenossen, um glücklich zu sein. «Da Ganter untereinander sehr aggressiv sein können, empfiehlt sich entweder die Haltung eines Gänsepaares oder einer Gruppe von ausschliesslich weiblichen Gänsen», erklärt der erfahrene Gänsehalter Andreas Naumann.
Bei einer artgerechten Haltung können die Vögel durchaus 15 Jahre alt werden. Absolut unverzichtbar ist für die Herdentiere eine ausreichend grosse Weide. Hier halten sie sich tagsüber auf, während sie die Nacht in einem Stall verbringen. «Als Weiden sind besonders gut geeignet Böden in sonniger Lage, die sich leicht erwärmen, schnell abtrocknen und wenig verschlammen.
Gegen Hitze im Sommer darf ein schattiger Unterstand nicht fehlen, der so gross sein muss, dass alle Tiere darunter Platz haben», so Naumann. Ist das Gras höher als zirka 15 Zentimeter sollte man es den Tieren besser abgemäht verfüttern. Auf der Wiese fressen sie primär das junge Gras. Zudem können auch Getreide und Getreideprodukte, Hülsenfrüchte und Gemüse verfüttert werden.
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Natürlich gibt es auch spezielle Fertigfuttermischungen im Handel. Die genaue Zusammensetzung des Futters richtet sich stets nach der jeweiligen Lebensphase der Gänse. Der Zaun um die Weide muss stabil sein und so eine kleine Maschenweite aufweisen, dass sich darin weder Kopf noch andere Körperteile der Gans verfangen können. Ein zusätzlicher Elektrozaun schützt vor Raubwild wie Füchsen oder Mardern.
Zur Weidepflege und somit auch Gesunderhaltung der Gänse empfiehlt sich von Zeit zu Zeit eine Neuansaat. Daher trennt man am besten von vornherein gleich mehrere Parzellen ab, zumal auch immer viel Kot anfällt. Regelmässiges Nachmähen und Walzen der Wiese sowie eine entsprechende Düngung sind ebenfalls wichtig.
Mit dem ganzen Kopf untertauchen
«Die Tiere werden nur auf die Weide gelassen, wenn sie auch qualitätsvolles Futter liefert. Ansonsten stellt man besser einen geeigneten, genügend grossen Auslauf zur Verfügung», informiert Andreas Neumann. Zum Schutz vor Sturm, Nässe, Hitze und Raubwild benötigen die Vögel zudem einen zugfreien, hellen Stall. Als Einstreu eignen sich Stroh sowie Sägemehl. Beides muss dick eingestreut werden, dass die Entenvögel weich, warm und trocken darin liegen können.
Möchte man, dass die Gänse Eier legen, muss man ihnen Nester in Stallnischen oder kleinen Extrahäuschen anbieten. Tränken werden so angebracht, dass die Einstreu auch noch nach dem Trinken trocken ist. Sie müssen so gross sein, dass die Tiere ihren ganzen Kopf darin eintauchen können. Auffangbecken für Spritzwasser sind empfehlenswert. Im Freien sind Tränken ebenfalls wichtig.
Als Futtertröge eignen sich beispielsweise Steingutschalen. «Das Futter wird gerne angefeuchtet. Daher ist es wichtig, stets auf Sauberkeit zu achten und beide Behälter regelmässig zu reinigen», so Naumann. Da Gänse Wasservögel sind, dürfe eine Badestelle nicht fehlen, zu der die Tiere jederzeit Zugang haben. Eine stets einwandfreie Wasserqualität versteht sich von selbst.
Wird ein künstlicher Teich angelegt, ist zu beachten, dass er einen Mantel aus Beton, Kies oder Hartplastik hat, damit er nicht verschlammt. Ebenfalls wichtig ist ein breiter, rutschfester, abflachender Rand, damit die Wasserstelle für die Tiere leicht zugänglich ist. «Ausserdem sollte der Teich vollständig zu entleeren und gut zu reinigen sein», ergänzt der Gänsehalter. Und auch die Wasserstelle müsse mindestens so tief sein, dass die Gänse mit ihrem Kopf unter Wasser tauchen können.
Schon gewusst?Als Wassergeflügel gehören Gänse zum Hausgeflügel, für dessen Haltung in der Schweiz besondere Bestimmungen gelten. Diese sind festgehalten im Tierschutzgesetz, in der Tierschutzverordnung und in der Tierseuchenverordnung. Zudem sind die Ausführungen zur Haltung von Geflügel und die ergänzenden Fachinformationen «Schwimmgelegenheit und weitere Anforderungen für Gänse und Enten» auf der Website des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) massgebend (blv.admin.ch). Auch eine Meldung beim Kanton ist nötig, wenn man Gänse halten möchte. Für Ersthalter empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit einem Verein, in dem man sich mit erfahrenen Gänsehaltern austauschen kann. Über die Homepage von «Kleintiere Schweiz» (kleintiere-schweiz.ch) findet man entsprechende Adressen.
Die Gans als Wachhund
Grundsätzlich gelten Gänse als robust und wenig krankheitsanfällig. Vorausgesetzt natürlich, sie werden artgerecht und hygienisch gehalten. Dabei ist auch unbedingt auf eine regelmässige Parasitenkontrolle zu achten. Bemerkt man Verhaltensänderungen oder körperliche Abweichungen vom Normalzustand, ist umgehend ein Tierarzt aufzusuchen, denn dann ist der gefiederte Freund möglicherweise krank. Sauberkeit ist generell sehr wichtig, damit keine Krankheiten entstehen und übertragen werden.
Bei einer intensiven Beschäftigung mit Gänsen werden diese schnell zahm. Sie haben ein hervorragendes Gedächtnis, kommen auf Zuruf und bewachen das Grundstück wie Hunde. Schlecht gelaunt können sie nach warnendem Fauchen auch mal beissen – es sind eben echte Charaktertiere. Wer über genügend Platz verfügt und tolerante Nachbarn hat, die gelegentliches Geschnatter nicht stört, wird in Gänsen interessante, hochintelligente Haustiere finden.
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Gans genau …
• Im Umgang mit Gänsen ist Ruhe wichtig. Stress und Hektik sind unbedingt zu vermeiden, ein geregelter Tagesablauf ist einzuhalten.
• Werden Gänse nicht artgerecht gehalten oder leben sie in einer reizarmen Umgebung, zeigen sie schnell Verhaltensstörungen wie Federpicken oder -rupfen.
• Während der Paarungszeit gehen Gänse monogame Verbindungen ein. Die Paarung selbst erfolgt im Wasser und beginnt mit einem regelrechten Tanz als Vorspiel. Während das Ausbrüten der Eier (28 bis 32 Tage lang) ausschliesslich durch das Weibchen erfolgt, werden die Küken nach dem Schlüpfen von beiden Elterntieren betreut.
• Gänse betreiben intensive Gefiederpflege: Immer wieder taucht die Gans ins Wasser ein, schüttelt sich und putzt und ordnet mit dem Schnabel ihr Gefieder. Nach dem Bad wird in den Federn ein öliges, imprägnierendes Sekret aus der Bürzeldrüse verteilt.
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