Ameisen pflanzen Regenwald

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Der fetthaltige rote Samenmantel der Clusia-Samen ist für Ameisen eine attraktive Nahrungsquelle.
S. Gallegos
Biodiversität
Samen, die im tropischen Bergregenwald von Ameisen abtransporiert werden, keimen besser und werden seltener von Nagern gefressen. Damit können die Insekten eine Reanturierung in Gang setzen, wie Forscher herausfanden.

Tropische Bergregenwälder sind stark bedroht und oft auf kleine Inseln in ansonsten entwaldeten Landschaften zurückgedrängt. Ameisen helfen kräftig mit, dass sich die Bäume wieder ausbreiten können, wie eine Studie des Biodiversität- und Klima-Forschungszentrums der Universität Halle-Wittenberg gezeigt hat.

Die Biologen untersuchten in den bolivianischen Yungas, einer von langgezogenen Tälern geprägten Landschaft nahe La Paz, wie Ameisen zur Ausbreitung einer häufigen Waldbaumart (Clusia trochiformis) beitragen. Primäre Ausbreiter von Clusia-Samen sind Vögel, die die nahrhaften Früchte auf dem Baum verzehren und die Samen ausscheiden. Der rote, fettreiche Samenmantel ist eine willkommene Nahrungsquelle für zahlreiche Tierarten – auch für Ameisen, die zu Boden gefallene Samen in ihre Nester oder Verstecke schleppen, ohne sie dabei zu zerstören.

Ameisen entfernen den Samenmantel
Die Wissenschaftler verteilten 1440 Clusia-Samen auf 72 Depots an sechs Orten. Um neben dem Einfluss der Ameisen auch den Einfluss von Nagetieren zu messen, schirmten die Biologen einen Teil der Depots mit Drahtkäfigen ab. «Die Ameisen kamen innerhalb weniger Stunden und transportierten etwa 60 Prozent aller angebotenen Samen ab», berichtet Silvia Gallegos, Leitautorin der Studie.

48 Stunden sowie einen Monat nach Anlegen der Depots suchten die Biologen in  einem Radius von 2,5 Metern nach den Samen. Mehr als 80 Prozent der abtransportierten Samen fanden sie wieder. Bei den meisten Samen hatten die Ameisen den Samenmantel entfernt. Dadurch reduzierten sie die Gefahr eines Pilzbefalls – und erhöhten die Wahrscheinlichkeit, dass die Samen keimten.

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Viele Bergregenwälder in den Anden wurden auf kleine Restinseln
zurückgedrängt.

Foto: S. Gallegos

Versteckt vor Samenräubern
Aber dies ist nicht der einzige positive Einfluss der Ameisen. Die Ameisen entfernten den Samenmantel oft erst in ihren Nestern oder auf dem Weg dorthin – unter der schützenden Streuschicht. Die dort abgelegten Samen wurden deshalb seltener durch Nagetiere oder andere Samenräuber entdeckt und fanden zudem feuchtere und somit besonders günstige Bedingungen für die Keimung vor.

Einen Monat nach Beginn des Experiments hatten sich aus den ausgebreiteten Samen etwa fünfmal so viele Keimlinge entwickelt wie aus den nicht bewegten Samen. Je weiter die Ameisen die Samen bewegt hatten, desto höher war die Chance, dass sich Clusia-Keimlinge etabliert hatten. Ameisen begünstigen somit die Ausbreitung und Etablierung der untersuchten Baumart. Und auf diese könnten weitere Tier- und Pflanzenarten folgen, deren Ansiedlung durch die Clusia-Bäume erleichtert wird. Mittelfristig werden so wieder Lebensbedingungen für eine ganze Reihe anderer Tier- und Pflanzenarten des Ökosystems Bergregenwaldes geschaffen.

Originalpublikation:
Gallegos, S. C., Hensen, I., & M. Schleuning: Secondary dispersal by ants promotes forest regeneration after deforestation. Journal of Ecology.
doi:10.1111/1365-2745.12226

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