Eingeschleppte Wasserbewohner verursachen enorme Schäden

Wandermuschel

Invasive Arten wie die Wandermuschel (Dreissena polymorpha) bereiten den Wissenschaftlern Kopfzerbrechen und verurachen Schäden.

Vitalii Hulai/Shutterstock

Umwelt
Eingeschleppte Tiere und Pflanzen können Schäden in Milliardenhöhe verursachen.

Dass invasive Arten Schäden verursachen, gelte vor allem dann, wenn sie kommerziell genutzte Arten verdrängen oder Krankheiten beim Menschen verursachen, berichtet ein internationales Forscherteam unter Leitung des Kieler Geomar Helmholtz-Zentrums. Demnach summierten sich die wirtschaftlichen Schäden durch invasive aquatische Arten allein im Vorjahr weltweit auf mehr als 20 Milliarden US-Dollar.

Bisher untersuchten Wissenschaftler vor allem die ökologischen Folgen von invasiven Tieren und Pflanzen, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift «Science of the Total Environment». In der nach eigenen Angaben ersten globalen Datenanalyse stellten die zwanzig Wissenschaftler aus 13 Ländern nun die ökonomischen Kosten zusammen, die speziell durch aquatische Invasoren verursacht werden – also durch Wasserbewohner.

«Wir kommen zu dem Ergebnis, dass invasive aquatische Arten, die sich in ihren neuen Lebensräumen etabliert haben, seit den 1970er Jahren mindestens 345 Milliarden US-Dollar gekostet haben», sagt der Kieler Erstautor Ross Cuthbert. So können etwa invasive Muscheln die Einlassrohre von Fabriken, Kraftwerken oder Wasseraufbereitungsanlagen verstopfen. Oder gebietsfremde Parasiten könnten «katastrophale Einbrüche in der kommerziellen Fischerei verursachen».

Kosten sogar unterschätzt
Letztlich vermuten die Forscher, dass die weltweiten Kosten durch eingeschleppte Arten noch sehr viel höher ausfallen. Aufgrund von Wissenslücken würden die wahren Kosten stark unterschätzt, betont der Ökologe Cuthbert. «Für viele Länder und bekannte schädliche invasive Arten, vor allem in Afrika und Asien, wurden die Kosten nie gemeldet. Wir können also davon ausgehen, dass die Schäden in Wirklichkeit viel höher sind.»

Ein Vergleich mit den Kosten, die von invasiven Arten an Land verursacht werden, bestätige das, betont das Team. Während aquatische Spezies ein Viertel der dokumentierten invasiven Arten stellten, machen die von ihnen verursachten wirtschaftlichen Kosten nur ein Zwanzigstel dessen aus, was für terrestrische Arten bekannt sei.

Wirbellose Tiere verursachen am meisten Kosten
Für die Studie nutzte das Team Fälle, die in der Literatur dokumentiert wurden, und erstellte daraus eine Datenbank. In Gewässern verursachten demnach wirbellose Tiere mit 62 Prozent den grössten Anteil der ermittelten Kosten. Wirbeltiere waren für 28 Prozent verantwortlich, Pflanzen für sechs Prozent. Die grössten Kosten wurden in Nordamerika (48 Prozent) und Asien (13 Prozent) gemeldet.

Bedenklich sei, dass weniger als ein Zehntel jener Beträge, die zur Behebung von Schäden investiert wurden, für Managementmassnahmen wie etwa zur Verhinderung künftiger Invasionen ausgegeben würde, schreiben die Wissenschaftler. Sie fordern, mehr Mittel in das Management und die Prävention von Invasionen zu investieren. «Das wäre gut angelegtes Geld, um aktuelle und zukünftige Schäden zu verhindern und zu begrenzen», sagt Cuthbert. 

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