Ferienziele und ihre Schweizer Zwillinge

Bailong Elevator und Hammetschwand-Lift

Der Bailong Elevator in China ist mit 326 Metern der höchste Aussenlift der Welt, der 153 hohe Hammetschwand-Lift auf dem Bürgenstock aber ist der höchste Freiluftaufzug Europas.

Links: OLOS/Shutterstock.com, rechts: Eva Bocek/Shutterstock.com

Closeby
Der Zuckerhut liegt in Lugano. Wer ein bisschen Fantasie und zwei Fotos aus der richtigen Perspektive mitbringt, findet die Sehenswürdigkeiten der Welt in der Schweiz wieder. Die Website Closeby.ch sammelt diese unerwarteten Paarungen.

Das Coronavirus war noch weit weg, als das siebenköpfige Projektteam von «Closeby» seine Idee austüftelte. Wieso weit weg in die Ferien fliegen, wenn es in der Schweiz doch genauso schön ist? Eine Fragestellung, die im Herbst 2019 nicht geschlossene Grenzen, sondern Klimaschutz-Gedanken zum Hintergrund hatte.

Am «Climathon» in Zürich, einem zweitägigen Event für Klimaaktivisten und Kreativköpfe, entwickelte das Team eine simple Website, auf der Fotos von weltweiten Feriendestinationen neben Bilder aus der Schweiz gestellt wurden, die sich verblüffend ähneln. Die Idee dafür hatte die Gruppe schon lange in den Hinterköpfen: «Der Grand Canyon sieht aus wie der Creux du Van», sagt Maja Haus, eines der sieben Projektmitglieder.

Der Creux du Van in Val de Travers NE ist nicht weniger spektakulär als der Grand Canyon in den USA.

Anstatt also in die USA zu fliegen, um den Grand Canyon zu besuchen, so die Idee von «Closeby», können Urlauber doch ihre Ferien gradsogut im Schweizer Jura verbringen und quasi dasselbe erleben. Statt nach zwölf Stunden Flug und zwei Tonnen CO2, rechnet die Website vor, ist man von Zürich aus per ÖV und nach einer kurzen Wanderung in knapp vier Stunden vor Ort und stösst gerade mal vier Kilogramm Kohlendioxid aus. «Verbringen Sie Ihre freie Zeit in der Nähe», rät die Seite, «machen Sie sich auf die Suche nach dem Fotomotiv, für das Sie nicht auf die andere Seite des Planeten, sondern vielleicht nur über den Röstigraben müssen.»

Ein Big Ben in little Bern
Auf closeby.ch ist eine Weltkarte mit gut zwei Dutzend virtuellen Stecknadeln zu sehen – jede davon zeigt zwei verblüffend ähnliche Fotos von weit weg und ganz nah: Der Mount Fuji in Japan erinnert stark an den Niesen, der Vatnajökull in Island sieht aus wie der Zinalgletscher im Wallis und der Zuckerhut in Rio de Janeiro hat sein Pendant in Lugano und dem San Salvatore gefunden.

Anstatt auf den Zuckerhut kann man auch einfach auf den San Salvatore.

Mit ihrer Idee gewannen Haus und ihre Gruppe beim Innovationswettbewerb am «Climathon» in Zürich und belegten den zweiten Platz im internationalen Wettbewerb. Mit dem Preisgeld finanzieren die Klimaaktivisten die Website, die nicht profitorientiert sei, wie Maja Haus betont: «Wir möchten mit ihr gesellschaftlich etwas bewirken. Rund 20 Prozent der Schweizer Treib­haus­gas­emissionen kommen nämlich vom Flugverkehr. Das ist eine so grosse Zahl, die wir so einfach senken könnten.»

Unter dem Einfluss der aktuellen Coronakrise kommt Closeby nun eine ganz neue Bedeutung zu. Fliegen ist derzeit ohnehin schwierig – Klima hin oder her. Trotzdem funktioniert die Website wunderbar als Inspiration für Ferien in der Schweiz. Nur die Weltkarte ist noch etwas leer, was sich laut Maja Haus gerne ändern darf: «Die Besucher sollen mithelfen, die Plattform weiterzuentwickeln, und ihre eigenen Vorschläge einreichen. Es ist nämlich spannend zuzuschauen, wie die Leute anfangen mitzudenken – und umzudenken, wo sie ihre Ferien verbringen könnten.»

Niagarafall oder Rheinfall – ist doch fast das Gleiche.

Wir helfen gerne, mitzudenken und schlagen auch ein paar Bildpaare vor: Statt der Niagarafälle lohnt sich etwa ein Ausflug in die Gischt des Rheinfalls. Die römische Arena in Pompeji finden wir fast genauso imposant in Kaiseraugst oder in Avenches wieder. Den bunten Häuserfassaden an der Küste von Cinque Terre steht das Tessiner Dorf Gandria in kaum etwas nach. Und wer den Big Ben in London mag, findet bestimmt auch Gefallen an seinem etwas bescheideneren Schweizer Pendant, dem Zytgloggeturm in Bern. 

www.closeby.ch

Der Big Ben in London und der Zytglogge in Bern.

In den Cinque Terre hats eh immer zu viele Touristen – in Gandria am Luganersee ists genau so schön.

Das Amphitheater in Pompeji wurde 70 vor Christus gebaut, Augusta Raurica 44 vor Christus gegründet.

Hier ist das Aescher-Wildkirchli im Appenzeller Alpstein wahrscheinlich das bekanntere Ziel als das Felsenkloster Ostrog in Montenegro.

Auch für die berühmten Ballone von Kappadokien in der Türkei gibt es eine Schweizer Entsprechung: Das Internationale Ballonfestival in Chateau d'Oex VD.

Der Old Faithful im Yellowstone-Nationalpark in den USA ist zwar ein vulkanischer Geysir und der Jet d'Eau in Genf ein menschgemachter Springbrunnen, aber darüber kann man getrost hinwegsehen.

Eine Zugfahrt am herbstlichen Genfersee lohnt sich genau so wie eine am Baikalsee in Sibirien.

Der Hokitika-Gorge in Neuseeland ist schon etwas gar weit weg – die Triftbrücke im Kanton Bern und viele weitere Hängebrücken bieten sich in der Schweiz als Alternative.

Das Mammoth Cave im US-Bundesstaat Kentucky ist die längste Höhle der Welt. Ebenso schöne Tropfsteine gibts in der Grotte von Vallorbe VD.

Autor

Matthias Gräub

Matthias Gräub

Matthias Gräub kümmert sich bei der «Tierwelt» um die Porträts. Weil er dort mehr mit Menschen als mit Tieren zu tun hat, kompensiert er seinen Tierlidrang mit Zoobesuchen, Waldspaziergängen und Wanderungen in der Natur. Könnte er auswählen, bestünden seine Berner Stadtmusikanten aus Alpaka, Luchs, Laufente und Nacktmull. Das gäb ein Konzert!

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