Plastik gelangt über die Flüsse ins Meer

Plastikabfall bedroht Meerestiere
Umweltproblem Plastikabfall: Sehen so bald alle Rochen aus?
Studie des UFZ Leipzig
Vor allem über asiatische und afrikanische Flusssysteme gelangen jährlich Millionen Tonnen Plastik ins Meer. Das hat ein interdisziplinäres Forscherteam nachgewiesen. 

Die Bilder haben sich eingeprägt: Teppiche aus schwimmenden Plastikteilen, Meerestiere, die sich ihnen verheddern und qualvoll verenden, und Unterwasser-Landschaften, die wie Müllhalden aussehen. Filme wie «A Plastic Ocean» (2016) oder «The Great Pacific Garbage Patch» (2013) haben der Umweltverschmutzung ein Gesicht verliehen und in der breiten Öffentlichkeit Betroffenheit ausgelöst.

Dabei war bereits vor Veröffentlichung der Dokumentationen viel über die Problematik mit Plastikabfällen im Meer geschrieben worden. Umso mehr erstaunt es, dass deren Herkunft bisher kaum erforscht wurde. «Der Fokus der Forschung lag bisher auf dem Ausmass der Verschmutzung, und nicht auf deren Ursachen», bestätigt Christian Schmidt, Hydrogeologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig gegenüber der «Tierwelt». Man habe sich bisher mit Zahlen aus den 1970er-Jahren zufriedengegeben. Nach ihnen stammen 80 Prozent der Plastikabfälle vom Land, die restlichen 20 Prozent von Schiffen beziehungsweise vom Fischfang, fallen also auf dem Meer selber an.

Schmidt wollte es genau wissen. Mit einem Team aus Wissenschaftlern machte er sich ans Werk, um dem Ursprung der Plastik-Verschmutzung auf die Spur zu kommen. Ein Teil davon werde von Flüssen ins Meer geleitet, fanden die Forscher heraus. Von den Abfällen, die auf diesem Wege transportiert werden, seien vor allem grosse Flusssysteme in Asien und Afrika Zubringer. Eine wichtige Erkenntnis, sagen die Wissenschaftler. «Nur, wenn wir wissen, auf welchem Weg die Abfälle ins Meer gelangen, lässt sich das Volumen reduzieren», sagt Schmidt.

Die Studie zielte nicht auf die Grösse der einzelnen Plastikteile ab, sondern betrachtete deren Gesamtmenge. Man habe sich bei der Arbeit auf bestehende Recherchen und Erhebungen gestützt. Die Folgen der Verschmutzung für das Ökosystem sind laut Schmidt nach wie vor weitgehend unbekannt. 

Inwiefern die Plastikverschmutzung eine Gefahr für die Meerestiere darstellt, darüber herrscht gemäss Schmidt ebenfalls Ungewissheit. «Erwiesen ist nur, dass kleine Plastikpartikel von den Meerestieren  aufgenommen werden, weil sie diese für Futter halten», erklärt er. Die Forscher nehmen an, dass die Partikel in den Verdauungssystemen der Tiere Schäden anrichten und dazu führen, dass die Lebewesen keine weitere Nahrung aufnehmen können. Wissenschaftlich erwiesen, dass sie daran verenden, sei es allerdings nicht. Bei den Beobachtungen stütze man sich auf Laborexperimente. Hier wurden meist höhere Konzentration als in der Umwelt verwendet.

Das Ringen nach Lösungen
Auf der Suche nach Lösungen für das Umweltproblem könnte Schmidts Studie eine Grundlage sein. Denn um den Plastikeintrag ins Meer zu reduzieren, muss klar sein, über welchen Weg die Abfälle ins Meer gelangen. Künftig komme der Politik eine wichtige Rolle zu, ist Schmidt überzeugt. «Immerhin scheint man erkannt zu haben, dass bisher  Forschungsergebnisse fehlten, und somit eine Voraussetzung, um etwas zu ändern».

Die Plastikabfälle einfach aus dem Meer zu fischen, sei hingegen unmöglich. Das ist der Medienmitteilung zur Studie des interdisziplinären Forschungsteams zu entnehmen. Die Aussage mag auf den ersten Blick erstaunen. «Doch wenn Sie einmal in den verschmutzten Meeresgebieten unterwegs sind, merken Sie schnell, dass eine Reinigung beinahe unmöglich ist. Denn die Plastikabfälle bilden keine feste Oberfläche und schwimmen in der Regel auch nicht eng beisammen», erklärt Schmidt. Man müsste grosse Flächen und Tiefen durchkämmen, was eine grosse Herausforderung sei.

Massnahmen zur Reduzierung der Plastikabfälle in den Meeren müssten vielmehr dort ansetzen, wo sie produziert werden. Dringend müsste dafür gesorgt werden, dass kein weiteres Plastik in die Flüsse gelangt. Das bedingt laut Schmidt einige Veränderungen. China und Indien beispielsweise sollten dafür sorgen, das ihre Abfälle eingesammelt und fachgerecht beseitigt werden. «Doch von diesen Massnahmen sind wir noch weit entfernt», hält er fest und fügt hinzu: «Ich denke aber, dass unsere Studie Grundlagen vermitteln kann, die im Kampf gegen die Verschmutzung dereinst helfen.» 

Kommentare (1)