«Truffle Hunters»: Die Jäger der weissen Königin

Filmtipp
Weisse Alba-Trüffeln sind ein begehrtes Gut. Entsprechend fieberhaft suchen ein paar Senioren in Norditalien danach. Ihre wichtigsten Helfer sind dabei Hunde mit feinen Spürnasen. Was die speziellen Trüffeljäger auszeichnet, zeigt eine Dokumentation im Kino.

Wer auf Trüffeln schwört, kommt an der weissen Alba-Trüffel nicht vorbei. Sie gilt als die Königin aller Trüffeln und ist extrem wertvoll (siehe Box), da sie sich nicht kultivieren lässt und es keiner noch so einfallsreichen Technologie bisher gelungen ist, die unterirdischen Pilze zu finden und auszugraben. Davon profitiert eine Handvoll italienischer Senioren. Von Generation zu Generation übermittelt, weiss sie, an welchen Stellen tief in den Wäldern des Piemonts sich die Delikatesse befinden könnte. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die feinen Nasen ihrer speziell ausgebildeten Hunde.

Das Rezept für ein erfülltes, glückliches Leben

Damit ihnen niemand auf die Schliche kommt, machen sich die betagten Männer mit ihren Hunden ausschliesslich nachts auf die Trüffelsuche. Die Filmemacher Michael Dweck und Gregory Kershaw durften die verschrobene Gemeinschaft dennoch für ihre Kino-Dokumentation «The Truffle Hunters» begleiten. Herausgekommen ist ein überaus gelungenes Porträt über anfänglich wortkarge Trüffeljäger, die sich mehr und mehr als charismatische Zeitgenossen entpuppen.

Sie führen ein einfaches Leben in einer malerischen Umgebung und pfeifen auf Smartphones und Internet. Stattdessen legen die ergrauten Männer Wert auf persönliche Kontakte, auf einen liebevollen Umgang mit ihren Hunden und auf gutes Essen und Trinken. Immer wieder blitzt zudem ihr feiner Sinn für Humor auf. Der Film zeigt aber auch den einzigartigen Kreislauf des «weissen Goldes»: vom Waldboden bis zum Teller im Edelrestaurant. Dass die Seniorengruppe dafür eine entscheidende Rolle spielt und den fieberhaften, weltumspannenden Preis- und Warenhandel für Trüffel beeinflusst, ist verblüffend. Noch wertvoller als ihr Wissen rund um die sündhaft teuren Trüffeln ist aber ihr Rezept für ein erfülltes, glückliches Leben. Es macht den Kinofilm zu einer Nahrung für die Seele.

Teure Delikatesse

Trüffeln (die Trüffel, umgangssprachlich auch der Trüffel) sind knollige, meist unterirdisch wachsende Pilze. Dabei wird zwischen echten und falschen sowie weissen und schwarzen Speisetrüffeln unterschieden. Zu den echten gehören weisse Alba-Trüffeln (Tuber magnatum pico). Sie werden von September bis Dezember in den italienischen Regionen Piemont, Toskana, Emilia-Romagna, Umbrien, Latium und Marken geerntet und zählen zu den teuersten Lebensmitteln der Welt. Ihr Preis hängt von der Erntemenge ab und liegt zurzeit bei rund 8 Franken pro Gramm, wobei eine Knolle zwischen zehn und 30 Gramm wiegt, also 80 bis 240 Franken kostet. Zur Einordnung: Pro Person rechnet man für eine Vorspeise mit 5 bis 7 Gramm.

«Truffle Hunters», Dokumentarfilm, 84 Minuten, Verleih: Praesens Film, ab sofort im Kino.

Autor

Oliver Loga

Oliver Loga

Oliver Loga ist Chefredaktor ad interim. Er betreut unter anderem die Pferderubrik, was er sehr schätzt, da seine Frau stolze Halterin von zwei vierbeinigen Isländern ist. Obwohl Oliver nicht selbst in den Sattel steigt, pflegt er zu ihnen ein ebenso inniges Verhältnis wie zu seiner anhänglichen Stubentigerin Palina. Ein wichtiger Bestandteil seiner Freizeit ist zurzeit das Nachahmen von Tierstimmen für seinen kleinen Sohn. Besonders hoch im Kurs stehen dabei die gurrende Spitzschopftaube und der röhrende Hirsch.

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