Gärten in Zeiten des Klimawandels

Rosmarin und Taubenschwänzchen
Es wird wärmer
Heisse und trockene Sommer, nasse und milde Winter, häufigere Wetterextreme: Die Folgen des Klimawandels wirken sich auch auf unsere Gärten aus. Hobbygärtnerinnen und -gärtner werden sich deshalb an neue Pflanz- und Erntesaisons gewöhnen müssen.

Es wird heisser in der Schweiz: Der Sommer 2019 war der vierte in kurzer Folge, der mit Temperaturen weit über dem langjährigen Durchschnitt auftrumpfte. Klimaexperten sind sich einig: Was früher als aussergewöhnlicher Hitzetag galt, wird immer mehr zur Normalität. Gleichzeitig werden die Winter milder und nasser, Wetterextreme wie Dürre, Starkregen und Stürme häufiger. Dieser Wandel hat auch Auswirkungen auf unsere Gärten. 

Viele Hobby-, aber auch Berufsgärtner seien auf den Klimawandel nicht vorbereitet, stellt Peter Enz, Leiter des Botanischen Gartens der Universität Zürich, fest: «Natürlich gibt es gute Gärtnerinnen, die offen für Neues sind. Aber viele machen einfach so weiter, wie sie es seit Jahrzehnten gewohnt sind.» Tatsache sei jedoch, dass man sich an neue Aussaat- und Pflanzsaisons gewöhnen müsse: «Gemüse wie Mangold oder Ackerbohnen kann man bereits im März aussäen und im Frühsommer ernten.» Enz kann sich auch vorstellen, dass man künftig dem Gemüsebeet im Hochsommer eine Pause gönnen wird, dafür vermehrt im Herbst neu ansäen und Gemüse wie Broccoli und Blumenkohl bis weit in den Winter hinein ernten kann. 

Im Vergleich zu den Bauern und Stadtgärtnern haben Hobbygärtnerinnen und -gärtner einen direkteren Einfluss darauf, dass ihre Gartenpflanzen gut gedeihen. Dass einzelne Gemüsesorten, Stauden oder Gehölze ganz verschwinden werden, ist deshalb nicht zu befürchten. Es könne aber gut sein, sagt Enz, dass man von alten Sorten auf neue Züchtungen oder Pflanzen aus anderen Weltregionen ausweichen muss, die an höhere Temperaturen und Trockenheit angepasst sind. 

Geranium erlebt ein Revival
Als Beispiel nennt der Experte die verbreitete Stangenbohnen-Sorte «Weinländerin», die ein kühleres Klima braucht und bei steigenden Temperaturen nur noch in höheren Lagen gut gedeihen wird. Auf der anderen Seite ermöglicht der Klimawandel den breiteren Anbau von neuen Arten wie Okra, Süsskartoffeln oder Ingwer. Auch Mittelmeerraum-Gewächse wie Tomaten, Zucchetti, Peperoni und Auberginen gedeihen besser bei höheren Temperaturen. 

«Rosmarin, Lavendel, Feigen oder Portugiesischer Lorbeer haben es heute einfacher als vor 30 Jahren, als die Gefahr grösser war, dass sie im Winter zurückfrieren», bestätigt Othmar Ziswiler vom Unternehmerverband der Schweizer Gärtner Jardin Suisse. «Durch die milderen Winter ist es heute im Normalfall unproblematisch, sie draussen zu lassen.» 

Bei den Balkonpflanzen beobachtet man bei Jardin Suisse ein «Revival» des traditionellen Geraniums. «Es toleriert auch mal eine trockenere Phase, ohne gleich schlappzumachen», sagt Ziswiler. Auch Sedum-Arten, Hauswurz (Sempervivum) und Wolfsmilch-Gewächse (Euphorbia) mögen trockene und sonnige Standorte. Klimawandel hin oder her: Die Wahl des richtigen Standorts gehört zum Einmaleins des Gärtnerns. «Wenn eine Pflanze im Garten nicht gedeiht, liegt das meist daran, dass sie am falschen Platz gesetzt wurde», ist Ziswiler überzeugt.

Hilfe durch neue Züchtungen 
Nicht nur die Klimaveränderung, auch die Globalisierung begünstigt die Verbreitung neuer Schädlinge wie der Kirschessigfliege oder der Marmorierten Baumwanze. Dank kürzer werdenden Kälteperioden können sich diese Insekten, aber auch Pilzsporen besser vermehren. Unkraut wie die Fingerhirse, die man früher hierzulande nicht kannte, fühlt sich im heissen und trockenen Sommer zudem besonders wohl. Trotz allem hätten es private Gartenbesitzer heute eher einfacher als früher, sagt Ziswiler. Sie können nämlich von neuen Züchtungen profitieren, die dazu beitragen, dass Zier- und Nutzpflanzen resistenter gegen Trockenheit und Krankheiten sind. 

«Einige gefürchtete Krankheiten treten bei der richtigen Sortenauswahl weniger oder gar nicht mehr auf.» So gebe es beispielsweise Apfelsorten, die resistent gegen Schorf und andere Pilzarten seien. «Einige Tomaten- und Kartoffelsorten sind heute zudem hochtolerant gegen Braun- und Krautfäule», erzählt der Fachmann. Auch bei den Stauden macht die Züchtung Fortschritte, zum Beispiel beim Phlox, der nicht mehr so anfällig für Mehltau sei.

Gefährlicher ist der Klimawandel hingegen für die Bäume in Stadtparks und Wäldern. Ebenso für junge Obstbäume, die im trockenen Sommer 2018 gelitten haben. «Bäume schützen sich vor Trockenheit, indem sie Blätter und Früchte frühzeitig fallen lassen», sagt der Experte von Jardin Suisse. «Das ist kein Problem, solange es ein einmaliges Ereignis ist. Geschieht es aber mehrere Jahre hintereinander, kann es die Bäume schwächen und für Krankheiten anfälliger machen.»

Hobbygärtnerinnen können einiges dazu beitragen, um ihren Garten an den Klimawandel anzupassen. Im Hinblick auf die zunehmenden Trockenperioden lohnt sich die Investition in ein automatisches Bewässerungssystem und in einen Regenwassertank. Eine ausreichende Wässerung sei vor allem für Bäume, auch kleinere, wichtig, betont Ziswiler. Peter Enz vom Botanischen Garten der Universität Zürich empfiehlt zusätzlich, den Garten am frühen Morgen zu giessen, wenn der Boden vom nächtlichen Tau feucht ist und so das Wasser besser aufnehmen kann. «Und wenn man am Abend giesst, freuen sich die Schnecken, weil sie die ganze Nacht ein ideales, feuchtes Klima zum Fressen haben.» 

Alte Regeln sind überholt
Enz rät privaten Gartenbesitzern ausserdem, hochwertiges Saatgut zu verwenden und die aktuellen Hinweise der Saatgut-Firmen zu beachten: «Die alten Regeln betreffend Anbaugebiet und Pflanzsaison sind überholt.» Wichtig sei zudem ein lockerer Boden, der Feuchtigkeit gut speichern kann. Eine gute Begrünung verhindert, dass der Boden austrocknet. In der kalten Jahreszeit kann man dafür Wintergemüse wie Nüsslisalat oder Spinat pflanzen. 

Auch Unkraut eignet sich für die Bodenbegrünung, muss aber gejätet werden, bevor es sich versamt. Othmar Ziswiler von Jardin Suisse appelliert zudem, auf «Steinwüsten», wie sie in den vergangenen Jahren im Garten vermehrt anzutreffen waren, zu verzichten. «Die Steine speichern Wärme, wodurch sich das Mikroklima noch zusätzlich erwärmt. Eine dichte Bepflanzung hingegen sorgt für Feuchtigkeit und Kühlung.»  

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