Pflanzen für Ungeduldige

Glyzinie
Schnelles Wachstum
Das Gärtnern ist eine Geduldsfrage und die Aufzucht so mancher Gewächse braucht einen langen Atem. Gewinnt doch einmal die Ungeduld Oberhand, helfen sogenannte Turbopflanzen, denen man beim Wachsen zuschauen kann.

Manchmal kann es nicht schnell genug gehen, um öde Landstücke möglichst bald als blühende Gartenfläche erscheinen zu lassen. Glücklicherweise bietet die Natur ungeduldigen Gärtnerinnen mit sogenannten Turbopflanzen Abhilfe: Rasch wachsende Pflanzen, die kahle Hauswände oder brach liegende Beete begrünen und bunte Akzente setzen. Kletterpflanzen wie die Glyzinie (Wisteria sinensis) oder das Geissblatt (Lonicera nigra) sind dabei besonders beliebt, weil sie schnell in die Höhe wachsen und zahlreiche wunderschöne Blüten treiben. 

Der farbenfrohe Pflanzenschmuck muss allerdings im Auge behalten werden, warnt Lukas Hunziker von der Baumschule Zulauf im aargauischen Schinznach-Dorf: «Bei diesen Pflanzen ist der Schnittzeitpunkt entscheidend, sonst wuchern sie sehr stark und sind kaum zu bändigen.» Generell gilt: Was schnell wächst, ist schwierig zu kontrollieren. Um zu verhindern, dass sich die Kletterpflanzen ungebremst ausbreiten und etwa bis unter die Dachziegel dringen, sollten bereits im Sommer lange Triebe gekappt werden. 

«Nach der Blüte können die langen Äste dann radikal zurückgeschnitten werden», sagt Hunziker. Er gibt ausserdem zu bedenken, dass bereits in einem frühen Wachstumsstadium der Pflanze ein stabiles Gerüst angefertigt werden muss. Denn Kletterpflanzen – etwa auch die schnell wachsenden Reben oder Kiwi – entwickeln ein sehr hohes Eigengewicht. 

Dynamische Bodendecker
Nicht nur in der Höhe, auch am Boden sind Turbopflanzen manchmal ein Segen. Zum Beispiel, wenn es darum geht, Unkraut zu verdrängen. Als Bodendecker bieten sich laut dem Fachmann einheimische Sorten an, etwa Immergrün (Vinca) oder Efeu (Hedera). Auch bestimmte fremdländische Varianten kommen infrage, beispielsweise Golderdbeere (Waldsteinia ternata) oder Dickmännchen (Pachysandra terminalis). 

Rund um Bäume ist eine bodendeckende Unterpflanzung für Hunziker ein Muss: «Die Pflanzen unter den Gehölzen bilden ein
dynamisches System, das die herunterfallenden Blätter aufnimmt und so auf natürliche Art und Weise Humus bildet.» Da bodendeckende Pflanzen unkompliziert sind und wenig Pflege bedürfen, sind sie laut dem Experten «toten» Belägen wie Kies eindeutig vorzuziehen: «Ein solcher Untergrund ist schlecht für die Biodiversität und zusätzlich schwierig zu bewirtschaften. So ist etwa das Ausharken der Blätter aus dem Kies sehr mühsam.» 

Wer so bald wie möglich grosse Bäume in seinem Garten stehen haben will, kann sich überlegen, eine Pappel, Erle, Linde oder einen Ahorn zu pflanzen. «Alle diese Bäume wachsen relativ schnell. Bei den Obstbäumen sind es die Kirschbäume, die rasch gross werden, und auch Haselnussbäume sind typische Turbopflanzen», erklärt der Gartenprofi Hunziker. Bevor ein Baum gesetzt werde, müsse man sich den Standort gut überlegen. Denn die rasch wachsenden Pflanzen benötigen genügend Platz. Was einmal da ist, ist mitunter schwierig wieder wegzubekommen – insbesondere wenn es sich um grosse Bäume handelt, die gefällt werden müssen. Denn dafür ist oft eine Genehmigung nötig.

Wildblumen für schnelle Resultate

Zweifelhaften Ruhm bezüglich ausufernder Wurzelbildung hat der Bambus erlangt: Die Pflanze sorgt zwar im Nu für blickdichte Abgrenzungen und stimmungsvolle Gartenatmosphäre. Doch passt man nicht gut auf und hält die schnell hochwachsende Grasart von Anfang an im Zaun, wuchert sie bald auch an Orten, an denen sie nicht sein sollte. Die rapide Ausbreitung der Turbopflanzen ist übrigens deren Überlebensstrategie, wie Hunziker erzählt: «Das Ziel dieser Gewächse ist es, schneller als alle andere ans Licht zu kommen.»

Sollen vor allem Farbakzente im Garten gesetzt werden, können ungeduldige Gärtner zu Staudengewächsen greifen: «Diese Pflanzen wachsen generell schnell. Sie werden nicht sehr hoch, sondern dehnen sich in die Breite aus.» In Kombination mit einer Samenmischung aus Wildblumen etwa erreicht man so in kurzer Zeit eine farbenfrohe Gartenpracht. Diese Variante empfiehlt der Pflanzenkenner vor allem dann, wenn das Landstück noch unbepflanzt ist. Nebst der optischen Zierde hat eine Blumenwiese überdies auch praktischen Nutzen, denn sie schützt den Boden vor Erosion.

Literaturtipp
Till Hägele: «Turbo-Pflanzen. Schnelle, effektvolle Begrünung», Verlag: BLV, ISBN: 978-3-8354-1629-1, ca. Fr. 18.–

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