Ausreitvergnügen hoch drei

Cowboy reitet mit Handpferd
Handpferd
Ein Reiter, zwei Pferde – es gibt gute Gründe, die für einen Ausritt mit Handpferd sprechen: Zeitersparnis, das schonende Bewegen verletzter oder alter Pferde oder die Gewöhnung junger Pferde ans Gelände. Mit dem richtigen Training sind Reiter und Pferde sicher unterwegs.

Das Reiten mit Handpferden hat Tradition: Wo gros­se Distanzen mit dem Pferd bewältigt werden mussten, führten die Reiter meisten einen zweiten Vierbeiner mit, entweder als Reserve-Reitpferd, das ohne Reitergewicht länger bei Kräften blieb, oder als Packtier, das die Habseligkeiten transportierte. Auch in unseren Breitengraden begegnet man Reiterinnen und Reitern, die mit zwei Pferden unterwegs sind. Gerade jetzt in der Ferienzeit hat das Reiten mit «Handgepäck» Hochsaison. Wer eines oder mehrere Rösser hütet, während deren Besitzer ihren Urlaub geniessen, gerät schnell unter Zeitdruck, weil er mehr Pferde bewegen sollte.

Für die Halter von mehreren Pferden ist das Alltag. Stehen keine Führmaschinen, Laufbänder oder zuverlässige Reitbeteiligungen zur Verfügung, ist ein Ausritt mit Handpferd eine gute Alternative, um zwei Pferden auf einmal Auslauf zu verschaffen. Die Methode eignet sich aber auch ausgezeichnet, um rekonvaleszente Pferde ohne die zusätzliche Belastung durch ein Reitergewicht zu trainieren sowie alte oder unreitbare Pferde schonend an der frischen Luft zu bewegen.

Junge Pferde gewöhnen sich durch das Mitführen neben einem erfahrenen Reitpferd an verschiedene Umgebungen, werden auf die Ausbildung unter dem Reiter vorbereitet und stärken dafür schon einmal Muskulatur und Ausdauer.

Ist ein Reitpferd auch als Handpferd geschult, eignet es sich hervorragend, um Reitanfängern ohne Geländeerfahrung die ersten Ausritte zu ermöglichen. An der «Sicherheitsleine» mitgeführt, können diese sich ganz auf sich selber konzentrieren. Die Führperson ist in dieser Zeit stets erklärend und unterstützend an der Seite des Reitneulings und hat beide Tiere unter Kontrolle.

Mit Halfter oder mit Zaumzeug
Damit ein Ausritt mit Handpferd entspannt und sicher verläuft, sind allerdings einige Voraussetzungen zu erfüllen. Der Reiter, der zwei Pferde führt, muss einen festen, zügel­unabhängigen Sitz haben und in der Lage sein, einhändig zu reiten, sich auf zwei Vierbeiner gleichzeitig zu konzentrieren und jederzeit auch auf das Handpferd einwirken zu können.

Das Reitpferd sollte über eine gute Grundausbildung verfügen, sich über Sitz- und Gewichtshilfen lenken lassen und einen gefestigten Charakter haben, damit es auch ruhig bleibt, wenn das Führpferd einmal mehr Aufmerksamkeit verlangt. Es muss sozialverträglich sein und andere Pferde, die eng neben oder hinter ihm laufen ohne Weiteres akzeptieren.

Auch das Handpferd darf keine Probleme mit der Nähe zu anderen Pferden haben. Im Idealfall kennen und mögen sich die beiden Tiere. Ist das Handpferd noch jung, muss es so weit ausgebildet sein, dass es absolut führig ist. Das heisst, es hat in der Bodenarbeit gelernt, sich in verschiedenen Positionen führen zu lassen, zu weichen, auf Kommando anzuhalten und wieder anzutreten. Es muss sich auch problemlos nach hinten schicken lassen, was wichtig ist, wenn es später im Gelände einen Engpass zu durchqueren gibt.

Welche Ausrüstung braucht es?
Über die Ausrüstung des Handpferdes scheiden sich die Geister: Die einen schwören auf ein Halfter, die anderen verwenden ein Zaumzeug mit Trense. Wird das Halfter benutzt, achtet man darauf, dass dieses gut sitzt und nicht zu gross ist, weil sonst der Pferdekopf durchschlüpfen kann. Ein Knotenhalfter wirkt durch die dünnen Schnüre schärfer und kann dem Pferd Schmerzen zufügen, wenn man doch einmal stärker einwirken muss. 

Eine gute Alternative sind Kappzäume, wie sie zum Longieren benutzt werden. Am
effektivsten kann auf das Handpferd eingewirkt werden, wenn es ein Zaumzeug mit Trense trägt. Dafür werden die Zügel entfernt, damit sich das Führseil nicht darin verheddert. Ausser, man führt einen Reitanfänger mit, der dann schon einmal die selbstständige Zügelführung üben kann. Das Führseil darf auf keinen Fall in einen der Trensenringe eingehakt werden: Zieht das Pferd daran, kann ihm das Metall schmerzhafte Verletzungen im Maul zufügen. Am besten eignet sich eine Longierbrille, die man unten in beide Trensenringe hakt und das Seil am dafür vorgesehenen Ring befestigt. So sind Paraden wie beim Reiten möglich.

Die Führleine ist ein fester Strick aus Baumwolle oder Kunststoff. Er muss so lang sein, dass das Handpferd in engen Passagen auch hinter dem Reitpferd gehen kann – gut zwei Meter sollten ausreichen. Ist das Seil länger, hat man mehr Spielraum, die Gefahr des Verhedderns ist aber entsprechend grös­ser. Am einen Ende sollte sich ein leichter, aber stabiler Karabiner befinden, auf keinen Fall ein Panikhaken, der sich bei Zug öffnet. Am anderen Ende der Führleine verhindert ein Knoten das Durchrutschen.

Der Reiter trägt Handschuhe, denn sonst kann es wehtun, wenn das Pferd zieht. Auf keinen Fall darf das Seil um die Hand gewickelt oder am Reitpferd befestigt werden, beides kann jeweils böse enden, sollte das Führpferd versuchen sich loszureissen. Im Notfall muss der Reiter loslassen können, um nicht vom Handpferd aus dem Sattel gezogen und verletzt zu werden. Ein aufgeregtes und frei herumlaufendes Pferd ist zwar auch ein Sicherheitsrisiko, in der Regel wird es sich jedoch nicht allzu weit vom Führpferd entfernen und kann wieder eingefangen werden.

Erst in einer sicheren Umgebung üben
In Gegenden, in denen auf den Wegen viele Fussgänger und Velofahrer unterwegs sind oder gelegentlich Strassen passiert werden müssen, sollte das Führpferd auf der rechten Seite laufen, damit es sich nicht in den von hinten herannahenden Verkehr hineindrehen kann. Der Reiter hält die Zügel seines Reitpferdes dabei in der linken Hand, ebenso das Ende des Führseils, seine rechte Hand übernimmt das Führen des Handpferdes, kann wenn nötig aber auch die Zügel des Reitpferdes ergreifen.

Die beste Einwirkung und den besten Blick auf das Handpferd hat der Reiter, wenn dieses mit kleinem Abstand neben dem Reitpferd her geht, seinen Kopf auf Höhe des Reiterbeins. Das Handpferd darf nicht vorpreschen und seinen Kopf vor dem des Reitpferdes haben, weil es dieses sonst abdrängen kann. Das Pferd an der Leine sollte zwar in der Lage sein, kurzfristig hinter dem Reitpferd zu gehen, etwa um Platz für Fussgänger zu machen oder eine enge Stelle zu durchreiten, es darf sich aber nicht permanent zurückfallen lassen und hinter dem Reitpferd verkriechen.

Bevor es zu dritt in die Wälder und über die Felder geht, sollte man das in einer Reithalle oder einem umzäunten Reitplatz ausprobieren und üben. Entsprechend trainiert, kann man mit Handpferden in jeder Gangart reiten. Allerdings ist beim Galoppieren Vorsicht angebracht, damit sich kein unkontrolliertes Rennen zwischen den beiden Pferden entwickelt.

Ist ein Trio aber erst einmal gut eingespielt, ermöglicht das Reiten mit Handpferd nicht nur, zwei Pferde auf einmal in der Natur zu bewegen, sondern macht auch Spass und fördert die gute Zusammenarbeit sowie die Kommunikation zwischen den beteiligten Zwei- und Vierbeinern.

Kommentare (0)