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Wo ausgediente Tiere ein Zuhause finden

Vom ausgesetzten Meerschweinchen bis zum ausgedienten Zuchtschwein, sie alle finden auf dem Lebenshof im Ring eine neue Heimat. Zwei Tierschicksale zeigen auf, wieso es Lebenshöfe wie diesen benötigt.

Mutterseelenallein stakste Toni auf einer Waldlichtung umher, als er von einem Hundehalter beim Spaziergang entdeckt wurde. Der tierliebe Mann brachte den Appenzeller Spitzhauben-Hahn auf einen nahegelegenen Hof mit Hühnern. Dort besann sich der hübsche Toni sofort seiner Qualitäten und hängte den Macho raus. Dies missfiel der Hühnerhalterin dermassen, dass man schliesslich keinen anderen Weg als den zum Metzger für gangbar hielt. In letzter Sekunde konnte eine Tierschützerin den stolzen Toni vor dem Tod retten. Sie brachte den Hahn nach Kleinlützel SO auf den Lebenshof im Ring, wo er seinen endgültigen Wirkungsort fand.

Heimat für Tiere mit Handicap

Hier ist er nun einer von insgesamt sechs Hähnen, die jeweils eine Truppe von Ausstallungshennen in Schach halten. «Dies tut er allerdings auf sehr fürsorgliche Weise, und auch gegenüber Menschen verhält sich Toni äusserst freundlich», erzählt Co-Leiterin Martina Blattner. Toni und seine ausgedienten Legehennen stehen exemplarisch für alle rund 100 Nutz- und Heimtiere, die im kleinen Weiler an der französischen Grenze ein neues Zuhause gefunden haben. «Die meisten unserer Tiere bringen ein Handicap mit, sie sind alt, krank, verhaltensauffällig oder erfüllen ihren angedachten Zweck nicht», erklärt Martina Blattner, die gemeinsam mit ihrer Mutter und einigen helfenden Händen den Lebenshof führt.

Neben engagierten Menschen, die ein Tier vor dem Tod retten, gelangen auch Privatleute an den Lebenshof im Ring, um ihren alten Hund abzugeben, Landwirte, die ihren Hof auflösen, suchen Hilfe für die Platzierung ihrer Nutztiere und Veterinärstudentinnen möchten ausgediente Laborschweine bei Blattners platzieren. «Nur einen Bruchteil der Tiere können wir aufnehmen, aber eine Lösung findet sich immer, denn das Netzwerk der Lebens- und Gnadenhöfen greift super», gibt die Tiernärrin Auskunft.

Wo ausgediente Tiere ein Zuhause finden

Viel Durchhaltewillen

Ein Inserat in der TierWelt bildete vor 13 Jahren den Startschuss für das Lebenshof-Projekt in Kleinlützel. Mutter und Tochter Blattner, die sich bereits lange zuvor schon um notleidende Tiere gekümmert hatten, fanden mit dem zwei Hektaren grossen und ziemlich verwilderten Hof den idealen Ort, um abgeschobenen Tieren Unterschlupf zu bieten.

Auch die zierliche 37-jährige Maultierstute Suleika fand über Umwege nach Kleinlützel. Im sicheren Hafen angekommen zu sein, das geniesst die älteste Bewohnerin. Sie gehörte einem Händler, der die Stute jeweils über die Wintermonate verlieh, um Kosten zu sparen. Einen Winter vor fast 30 Jahren durfte Suleika bei Martina Blattner verbringen. Die energische Mulidame ging der jungen Frau nicht mehr aus dem Kopf, und fünf Jahre später wandte sie sich an den Händler, um sie ihm abzukaufen.

In der Zwischenzeit hatte Suleika jedoch schon mehrfach den Besitzer gewechselt, oft wurde sie auf Trekkingbetrieben eingesetzt, wo sie einmal gar wegen schlechter Haltung vom Veterinäramt beschlagnahmt wurde. Martina Blattners Suche war schliesslich doch von Erfolg gekrönt und sie konnte Suleika von einem Trekkingbetrieb im Napf erwerben, da dieser seinen Bestand verkleinern musste. «Suleika ist eine sehr willensstarke Persönlichkeit», schmunzelt Martina Blattner. Da gleicht sie ihren Retterinnen aufs Haar, denn auch Martina und Annette Blattner haben eine klare Vision, wenn es darum geht, gemeinsam mit ganz vielen Patinnen und Paten für Tiere aller Art einen Zufluchtsort zu bieten.

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Maultierstute Suleika.

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