Hunde lieben es, durch den Schnee zu toben und sich immer wieder mal ausgelassen eine Schnauze voll Schnee zu schnappen. Manche Vierbeiner steigern sich dabei regelrecht ins Schneefressen hinein. Aber auch nach actionreichen Aktivitäten stellt die Aufnahme von Schnee eine willkommene Abkühlung für den Hund dar. «Gerade bei jungen Hunden habe ich die Beobachtung gemacht, dass sie rein aus Neugier zunächst einmal am Schnee lecken und dann, wie Kinder, einfach mal ein bisschen probieren», sagt Tierhomöopathin Dagmar Wagner. Grundsätzlich reagiert jeder Vierbeiner anders darauf. Einigen scheint es gar nichts auszumachen, selbst gar grössere Schneemengen zu konsumieren. Andere hingegen zeigen sich rasch sehr empfindlich, zum Beispiel, wenn sowieso bereits eine gewisse Anfälligkeit des Magen-Darm-Traktes besteht. «Auch rassespezifisch gibt es Unterschiede. So sind manche Vierbeiner wie beispielsweise die nordischen Hunderassen robuster gegenüber Schneefressen als andere. Aber Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel», berichtet Dagmar Wagner.

Weiss trügt

Das Fressen von Schnee kann für Hunde aber grundsätzlich sehr schädlich sein, denn das gefrorene Nass reizt durch eine kurzfristige Unterkühlung die Magenschleimhaut. Kleine, spitze Eiskristalle können winzige Löcher in die schützende Schleimhaut reissen, wodurch wiederum Magensäure an die Magenwand gelangt und diese verätzt. Aber nicht nur die Kälte und die scharfen Eisnadeln schädigen den Verdauungstrakt des Vierbeiners. «Gerade die Verschmutzung des Schnees selbst ist äusserst ungesund, denn sieht der Schnee auch noch so weiss aus, sind meist doch Schadstoffe und Krankheitserreger sowie an Strassen auch Split und Streusalz in ihm enthalten», warnt die Tierhomöopathin. Die Folge dieser ungesunden Reize ist eine Schwächung der Abwehr, die es Krankheits-erregern leicht macht, in den Magen-Darm-Trakt des Hundes einzudringen und sich dort auszubreiten. Auf diese Weise können schwere Magen-Darm-Entzündungen entstehen, die den Vierbeiner unangenehm quälen und sich in gravierenden Brechdurchfällen äussern. Besonders Welpen und Junghunde sowie alte Vierbeiner mit geschwächtem Immunsystem sind hierfür empfänglich. «Obwohl ein bis zwei Happen unterwegs oder ein aus der Luft gefangener Schneeball gesunden Hunden in der Regel noch nicht schaden, sollten Sie trotzdem grundsätzlich versuchen, Ihren Hund am Schneefressen zu hindern», rät die Fachfrau. Es sei daher ratsam, gänzlich auf das Werfen von Schneebällen oder auch Leckerlisuchen im Schnee zu verzichten. «Diese Spiele machen dem Hund zwar grossen Spass, sie animieren ihn andererseits aber häufig erst aus lauter Übermut zum Schneefressen», so Wagner. Ist der Hund hingegen durch ausgelassenes Toben oder eine sportliche Aktivität sehr erhitzt, fangen manche Vierbeiner auch aus Durst an, Schnee zu fressen. Hier hilft häufig schon die Mitnahme einer Thermoskanne mit zimmerwarmem Wasser, das der Fellnase immer wieder zum Trinken angeboten wird.

Wärmekissen hilft

Hat der Hund dann doch einmal grössere Mengen Schnee gefressen und leidet daraufhin an Erbrechen und Durchfall, tut zunächst einmal ein Fastentag gut. Wasser muss jedoch immer zur Verfügung stehen und zur Not auch eingeflösst werden. Schliesslich bringen akute Verdauungsstörungen stets einen hohen, nicht ungefährlichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust mit sich. Kamillen- oder Fencheltee helfen, die angegriffene Schleimhaut zu beruhigen. Bei Bauchschmerzen haben sich warme, entspannende Kamillenumschläge auf dem Hundebauch oder ein erwärmtes Körnerkissen im Körbchen bewährt. Eine nicht zu heisse Wärmflasche mit Stoffbezug in das Lager des Vierbeiners gelegt, tut ebenfalls gut, wobei nicht jeder Hund das Gluckern des Wassers mag. «Unterstützung erfährt die irritierte Magenschleimhaut zudem auch durch homöopathische Mittel wie Nux Vomica und Pulsatilla. Bei einer Gastritis oder Gastroenteritis, die mit grosser Schwäche, Apathie und erhöhter Temperatur einhergeht, oder auch bei einer Kolik ist Arsenicum album das Mittel der Wahl», informiert die Tierhomöopathin.

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Der eintägigen Nulldiät sollten weitere zwei bis drei Tage Schonkost angeschlossen werden. Diese kann aus Reis und gekochten Karotten sowie eventuell aus etwas gekochtem Hühnchen bestehen. In der Regel geht es dem Patienten dann rasch wieder gut. Verschlechtert sich der Zustand jedoch trotz Notfallmedikation, ist auf jeden Fall ein Tierarzt aufzusuchen. Ausserdem können Erkältungskrankheiten wie schmerzhafte Halsentzündungen, die sich etwa in Husten, Speicheln, Heiserkeit, Schluckbeschwerden und Appetitlosigkeit äussern, durch eine vermehrte Aufnahme von Schnee entstehen. «Auch hier schaffen homöopathische Mittel wie Arsenicum album, lauwarmer Kamillentee und ein wärmender Halswickel Abhilfe», so Dagmar Wagner. Hundehalter, die jeden Winter mit diesem Problem konfrontiert werden, können sich natürlich von einem homöopathisch versierten Tierarzt oder auch vom Tierheilpraktiker sowie von einem Tierhomöopathen schon im Vorfeld eine passend assortierte Notfallapotheke zusammenstellen lassen.