Superfood
Johannisbrot: Das mediterrane Superfood
Das Superfood Johannisbrot ist die mediterrane Konkurrenz zu Kakao, die ohne Zuckerzusätze auskommt und ebenso viele Vitamine und Mineralien besitzt. Warum die süsse Hülsenfrucht sich besonders für den biologischen Anbau eignet und wie sie verwendet wird.
Es schmeckt fruchtig-süss, kakaoähnlich, riecht in der Nase aber etwas sauer. Es sieht aus wie dunkles Dörrfleisch, ist fast genauso zäh, aber rein pflanzlich und hinterlässt nach dem Zerkauen eine angenehme Süsse im Gaumen. Den Geschmack von Johannisbrot für Leute zu beschreiben, die die mediterrane Frucht nicht kennen, ist nicht so einfach. Sie davon zu begeistern noch schwieriger. Dabei ist die noch unbekannte Hülsenfrucht ein echter Geheimtipp und am Mittelmeer schon seit Jahrhunderten begehrt.
Karob
Laut der Bibel soll sich schon Johannes der Täufer während seines Aufenthaltes in der Wüste von der nahrhaften Pflanze ernährt haben. Daher rührt der Name der Frucht, die aber auch unter Karob bekannt ist. Sie wächst am Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua) und gehört zur Familie der Hülsenfrüchte. Sie trägt ähnlich wie Kefe die Samen in den Schoten, umschlossen von Fruchtfleisch. Man sagt, dass das Gewicht der Samen mit der Entstehung der Masseinheit Karat zu tun hat, da sie immer ungefähr 0,2 Gramm wiegen. Frisch sind die Karobschoten grün und bereits essbar, können aber monatelang am Baum hängenbleiben und dabei trocknen, bis sie runterfallen. Gleichzeitig trägt der Baum neue Blüten, woraus dann wieder die Fruchtkörper des nächsten Jahres entstehen.
Verbreitet ist der immergrüne, hitzeresistente Laubbaum vor allem im Mittelmeerraum, in Nordafrika und in Vorderasien. Er ist äusserst anspruchslos, wächst auf kargen, kalkhaltigen Böden und braucht wenig Wasser oder menschliche Pflege. Krankheiten oder Fressfeinde kennt er ebenfalls kaum, weshalb sich Johannisbrot ideal für biologischen Anbau eignet. Nur Frost mag der Baum nicht. Umso vielfältiger sind die Zubereitungs- und Verwendungsmöglichkeiten von Johannisbrot.
Das Mehl der Kerne etwa hat verdickende Eigenschaften und wird in der Lebensmittelindustrie als Zusatzstoff mit der Nummer E 410 als Verdickungsmittel und Stabilisator verwendet. Diese Eigenschaft schätzt auch die vegane und glutenfreie Küche und setzt in Rezepten oft auf Johannisbrotkernmehl. Die getrockneten Schoten hingegen eignen sich als vitamin- und ballaststoffreichen Snack zwischendurch, auch für Haustiere, überzeugen aber als Pulver fast noch mehr. Denn dieses schmeckt ähnlich wie Kakao in Backwaren, in kalter oder heisser Milch und braucht keine weiteren Süssungsmittel oder Kristallzucker, da es von Natur aus süss ist. Es gibt Johannisbrot auch in Form von Sirup, das in der Türkei traditionell gemischt mit Tahin beispielsweise als Brotaufstrich gegessen wird.
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Alternative zu Schokolade?
Der Patissier und Unternehmer aus Rorschach, Philippe Kern, sah in der mediterranen Hülsenfrucht die Grundlage für eine neue Süssigkeit und begann vor zwei Jahren «Caropha» zu entwickeln: eine süsse Tafel, die aussieht wie gewöhnliche Schokolade, aber aus Johannisbrotpulver, den pflanzlichen Fetten Kokosöl und Sheabutter und dem Süssungsmittel Xylit besteht. Beim Essen braucht es daher einen Moment, bis die Info von der Zunge zu den zuständigen Hirnzellen gelangt, dass dies keine Schokolade ist. In vielerlei Hinsicht nicht. So hat Johannisbrot viel weniger Fett als Kakao und enthält keine anregenden Substanzen wie Theobromin, das Ähnlichkeiten mit Koffein hat. Auch ist Karobpulver nicht so bitter wie Kakao, wird in der Regel nicht geröstet und doch kann das fettarme Pulver den Kakao in jeglichen Verwendungsformen ersetzen.
Auch nährstofftechnisch kann Johannisbrot der Kakaofrucht das Wasser reichen. Es enthält viele Mineralstoffe, darunter Eisen und Magnesium, und ist reich an B-Vitaminen, Vitamin A sowie Ballaststoffen, die sich positiv auf die Verdauung auswirken. Dank des geringen Anteils an Fett ist es ausserdem kalorienärmer als Kakao. In der Naturheilkunde sind die gesundheitlichen Vorteile des Johannisbrots schon länger bekannt. Es soll bei Magen-Darm-Beschwerden wie Verstopfungen, Durchfall oder Infektionen lindernd wirken und bei Husten schleimlösend. Es wird auch gegen Erkrankungen der Atemwege wie Bronchitis oder Asthma eingesetzt.
In ihren Ursprungsländern kennt und nutzt man die Frucht schon seit langer Zeit. In Kreta beispielsweise widmet sich ein Produzent einzig dieser mediterranen Hülsenfrucht und stellt Sirup, Kekse, Gebäck und sogar Teigwaren daraus her. Nichtsdestotrotz wird die Frucht aber wohl nie den Status geniessen, den Kakao in unserer Schokoladen-Gesellschaft hat, besonders in der Schweiz. Doch für den einen oder anderen ist Johannisbrot sicherlich eine Alternative. Zumindest sobald man sich an den speziellen Geschmack gewöhnt hat oder ihn sogar mag.
Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua)Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Johannisbrotgewächse (Caesalpinioideae)
Gattung:Ceratonia
Art: Ceratonia siliqua
Herkunft: Mittelmeer
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