Wer im Herbst oder Frühling aufmerksam in den Himmel schaut, kann in der Schweiz ein beeindruckendes Naturschauspiel erleben. Immer häufiger ziehen grosse V-Formationen von Vögeln über das Land. Dabei handelt es sich meist um den Kranich, einen grossen Zugvogel, der auf seinen langen Wanderungen zwischen Brut- und Wintergebieten auch die Schweiz überquert.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war dieses Bild hierzulande deutlich seltener zu sehen. Heute berichten immer mehr Menschen von Kranichzügen über verschiedenen Regionen der Schweiz.

Eine der längsten Vogelreisen Europas

Der Kranich gehört zu den bekanntesten Zugvögeln Europas. Viele Populationen brüten in Nord- und Osteuropa, etwa in Skandinavien oder im Baltikum. Wenn der Herbst kommt, verlassen sie ihre Brutgebiete und fliegen Richtung Süden.

Die Reise führt viele Vögel bis nach Frankreich oder Spanien, teilweise sogar nach Nordafrika. Auf diesen langen Strecken überfliegen sie auch Gebiete der Schweiz, besonders während der Zugzeiten im Herbst und im Frühling.

Die Tiere legen dabei oft mehrere Tausend Kilometer zurück.

Warum sie in Formationen fliegen

Die typische V-Formation ist kein Zufall. Sie hilft den Vögeln, Energie zu sparen. Wenn ein Kranich an der Spitze fliegt, erzeugt er Luftwirbel, von denen die Vögel dahinter profitieren. Dadurch müssen sie weniger Kraft aufwenden.

Die Position an der Spitze wird innerhalb der Gruppe regelmässig gewechselt. So teilen sich die Vögel die anstrengendste Aufgabe während des Fluges.

Gleichzeitig bleiben die Tiere durch ihre lauten Rufe miteinander in Kontakt.

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Warum man sie heute häufiger sieht

Mehrere Faktoren tragen dazu bei, dass Kraniche heute häufiger über Mitteleuropa und damit auch über die Schweiz beobachtet werden können.

Ein wichtiger Grund ist der Schutz vieler Brutgebiete in Europa. In einigen Regionen haben sich die Bestände des Kranichs in den letzten Jahrzehnten deutlich erholt.

Ausserdem beobachten Forschende, dass sich Zugrouten im Laufe der Zeit verändern können. Wetterbedingungen, Landschaftsveränderungen oder neue Rastplätze beeinflussen, welche Wege Zugvögel wählen.

Die Schweiz liegt dabei zwischen wichtigen europäischen Zugkorridoren und wird daher regelmässig überflogen.

Ein Naturerlebnis am Himmel

Besonders im Oktober und im März oder April lohnt sich ein Blick nach oben. Wenn mehrere Dutzend oder sogar Hunderte Kraniche gemeinsam ziehen, entsteht ein eindrucksvolles Bild am Himmel.

Ihre trompetenartigen Rufe sind oft schon aus grosser Entfernung zu hören. Für viele Menschen ist dieses Geräusch das erste Zeichen dafür, dass ein Zugvogeltrupp über ihnen unterwegs ist.

Solche Beobachtungen zeigen, wie eng die Natur Europas miteinander verbunden ist. Selbst Tiere, die weit entfernt brüten oder überwintern, sind auf ihren Reisen auch über der Schweiz unterwegs.