Der Winter naht. Bald locken wieder weisse Landschaften zum Staunen, entspannte Spaziergänge durch verschneite Wälder oder ein gewagter Schritt aufs Eis eines zugefrorenen Sees. Während wir uns nach unseren winterlichen Abenteuern in die warme Stube zurückziehen können, müssen Wildtiere draussen ausharren. Für die harte Jahreszeit sind sie jedoch vorbereitet: Sie legen Fettreserven an, fahren den Stoffwechsel herunter und suchen geschützte Wintereinstände – wahre Überlebenskünstler.
Sie füttern zu wollen, mag gut gemeint sein, richtet jedoch oft mehr Schaden als Nutzen an. Vor allem menschliche Nahrung ist ungeeignet: Sie enthält zu viel Salz, kann durch ihren hohen Zuckeranteil zu ernsthaften Stoffwechselproblemen führen und die Tiere verfetten lassen. Künstliche Futterstellen schaffen zudem Abhängigkeiten, verändern das Verhalten der Tiere und erhöhen durch die enge Begegnung vieler Individuen das Risiko von Krankheitsübertragungen. Was als Hilfe gedacht ist, führt nicht selten zu Futterneid, Stress, Abhängigkeit und Konflikten mit Menschen – oder gar zum Tod.
Wer Wildtieren wirklich helfen möchte, setzt auf naturnahe Lebensräume: heimische Sträucher pflanzen, die Früchte oder Beeren tragen, Laubhaufen als Unterschlupf liegen lassen oder kleine Wasserstellen anlegen. So entsteht ein Buffet, das gesünder und nachhaltiger ist als jede Zufütterung. Ein solch vielfältiger Lebensraum bietet nicht nur Nahrung, sondern auch Schutz – für Vögel, Reptilien, Säugetiere und vor allem für Insekten, die wiederum die Hauptnahrung von Igeln und brütenden Vögeln darstellen.
Singvögel
Im Winter – besonders bei Eisregen, Dauerfrost oder geschlossener Schneedecke – kann eine Futterstelle helfen. Geeignet sind Sonnenblumenkerne und Hanfsamen für Körnerfresser. Weichfresser freuen sich über Haferflocken, Rosinen, Apfel-stücke oder gehackte Nüsse. Wichtig: Im Frühling und Sommer ist eine Zufütterung nicht nötig und sogar schädlich, da die Vögel für die Jungenaufzucht vor allem Insekten brauchen.
Wasservögel
Wasservögel finden in unseren Gewässern normalerweise genügend Nahrung. Eine Zufütterung sollte nur sehr sparsam erfolgen – im Winter, in kleinen Mengen und vorzugsweise Salat oder Körner. Brot sollte nur geringfügig verfüttert werden. Wichtig: Eine Fütterung lockt oftmals viele Tiere auf engem Raum an, erhöht die Krankheitsgefahr und stört Brutgebiete. Im Sommer sollten Wasservögel ungestört bleiben. In Wasser- oder Zugvogelreservaten ist die Fütterung verboten.
Schalenwild
Schalenwild senkt im Winter seinen Stoffwechsel, verteilt sich auf Wintereinstände und übersteht so harte Monate. Der Winter sorgt für eine natürliche Auslese, die den Lebensraum im Gleichgewicht hält. Eine Zufütterung kann den Stoffwechsel unnötig ankurbeln. Wichtig: Das Zufüttern von Schalenwild ist ohne Bewilligung gesetzlich verboten. Wildtiere sollen ihre natürliche Nahrung finden und ungestört bleiben, damit der Winter seine regulierende Funktion erfüllen kann.
Fuchs
Füchse sind scheue Allesfresser, die ihre Nahrung selbst suchen. Eine Zufütterung verändert ihr Verhalten, nimmt ihnen die Scheu vor Menschen und kann langfristig zu Problemen führen, etwa wenn sie in Gärten oder Häuser eindringen. Wichtig: Das Füttern von Füchsen ist in der gesamten Schweiz verboten. Gefütterte Füchse können aufdringlich werden und Krankheiten übertragen – in der Folge werden sie oft geschossen.
Eichhörnchen
Gerade in Städten kann das Nahrungs-angebot für Eichhörnchen im Winter knapp werden. Wer ihnen helfen möchte, bietet artgerechtes Futter wie ungeschälte Haselnüsse, Walnüsse, Bucheckern oder Sonnenblumenkerne an. Wichtig: In einer geschützten Futterstation nur sparsam füttern, damit die Tiere ihr natürliches Verhalten behalten.
Igel
Normalerweise brauchen Igel keine Hilfe – sie finden ihre Nahrung selbst. Gefüttert werden sollten sie nur in Ausnahmefällen, etwa wenn Jungtiere im Herbst zu leicht für den Winterschlaf sind oder ein Tier im Spätwinter zu früh erwacht Wichtig: Milch verursacht Durchfall. Als Notfutter kann möglichst ungewürztes Katzennassfutter gegeben werden. Dauerfütterung ist schädlich – sie verhindert, dass die Tiere selbstständig Insekten suchen und in den lebenswichtigen Winterschlaf finden.
Wasserschale für Kleintiere
Wasser ist besonders im städtischen Raum knapp – vor allem im Sommer. Eine flache Schale bietet Vögeln, Igeln, Eidechsen, Insekten und anderen Kleintieren eine wertvolle Trinkquelle. Dies ist die sinnvollste Art, Wildtieren aktiv zu helfen, ohne ihr natürliches Verhalten zu stören. Wichtig: Schalen täglich reinigen, um Krankheiten zu vermeiden. Tiefe Schalen sollten mit einer Ausstiegshilfe versehen werden, damit die Tiere im Notfall wieder sicher herauskommen.

