Der Bodensee wird wärmer

Bodensee mit Segelboot und Blick auf die Alpen

Der Klimawandel macht auch vor dem Bodensee nicht halt.

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Klimawandel
Der Klimawandel hat auch Folgen für den Bodensee: zum Beispiel beeinflusst er die wichtige Versorgung der Tiefen des Sees mit Sauerstoff negativ. Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) hat ein Faktenblatt zu den Auswirkungen des Klimawandels veröffentlicht.

Die Folgen des Klimawandels machten sich in der Bodenseeregion immer deutlicher bemerkbar, schreibt die IGKB in einer Mitteilung vom Freitag. Der Bodensee sei an seiner Oberfläche heute rund ein Grad wärmer als in den 1960er-Jahren. Bis in 30 Jahren wird mit einem Anstieg der Wassertemperatur zwischen 1,3 und 2,2 Grad Celsius gerechnet.

Der Klimawandel sorge nicht nur für höhere Wassertemperaturen, er wirke sich weit vielfältiger auf den See aus, heisst es. So leide zum Beispiel der interne Wasseraustausch im Winterhalbjahr, bei dem sauerstoffreiches Oberflächenwasser in die Tiefe gelangt und sauerstoffarmes Tiefenwasser an die Oberfläche transportiert wird. Dazu allerdings müsse sich das Oberflächenwasser genügend abkühlen, damit das Seewasser in allen Wasserschichten die gleiche Temperatur annimmt.

Zu wenig Sauerstoff
Wie Messungen zeigten, die das Institut für Seenforschung in Langenargen Anfang März durchgeführt hat, sind die Schichten gegenwärtig äusserst stabil. Die Wassertemperatur in der Seemitte des Obersees liegt von der Oberfläche bis in 100 Meter Tiefe bei etwa 6 Grad Celsius, während im Tiefenwasser über dem Seegrund 4,9 Grad Celsius gemessen wurden. Deshalb funktioniere die Zirkulation des Bodenseewassers auch in dieser Saison nicht optimal.

Das hat Folgen für Flora und Fauna: «Eine ungenügende Sauerstoffversorgung des Tiefenwassers kann dazu führen, dass Lebensraum für Fische und andere Wasserlebewesen verlorengeht», schreibt die IGKB. Blaufelchen oder Tiefensaiblinge etwa seien auf eine ausreichende Sauerstoffkonzentration an ihren Laichplätzen in den Tiefen des Sees angewiesen, nur dann können sich die Eier dieser Arten erfolgreich entwickeln.

Die verminderte Durchmischung gefährde allerdings die Qualität des Badewassers oder die Nutzung des Bodensees als Trinkwasserressource nicht. «Die Wasserqualität des Bodensees ist dank der erfolgreichen internationalen Zusammenarbeit im Gewässerschutz am See sehr gut», erklärt Stephan Müller von der IGKB.

Über 30 gebietsfremde Arten
Die gestiegenen Wassertemperaturen stellen den Bodensee vor weitere Herausforderungen. Die Häufigkeit der im See vorkommenden Arten verändere sich im Moment teilweise sehr rasch. So begünstige das wärmere Wasser wärmeliebende Arten. Die Wels-Fänge etwa sind in den vergangenen Jahren sehr stark angestiegen. Neben klimatisch bedingten Veränderungen beeinflusst auch die Einwanderung von gebietsfremden Arten das ökologische Gefüge im See. Die Quagga-Muschel zum Beispiel breite sich seit 2016 in atemberaubender Geschwindigkeit aus («Tierwelt online» berichtete). Insgesamt werde der Bodensee von über 30 gebietsfremden Arten bevölkert.

Vielschichtige Wechselwirkungen im Ökosystem machten es schwierig, die Klimawandel-Effekte abzuschätzen. Ein internationales Projekt untersuche zurzeit wie genau sich diese unterschiedlichen Stressfaktoren auswirken.

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