Hoffnung für bessere Bekämpfung des Kastanienrindenkrebses

Kastanien

Eine Krebsart macht den Kastanienbäumen zu schaffen: Innerhalb weniger Jahrzehnte dezimierte ein aus Asien stammende Erreger fast 100 Prozent der Kastanienbäume auf dem amerikanischen Kontinent.

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Naturschutz
Die Ausbreitung eines Krankheitserregers der Edelkastanie ist dank der Forschung von Biologen der Universität Neuenburg und der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) besser zu erklären. Dies gibt Hoffnung, die Mittel zur Bekämpfung der Krankheit verbessern zu können.

Seit einigen Jahrzehnten wird die Edelkastanie, das Aushängeschild des Tessins und des Mittelmeerraums, von einer gefürchteten Plage heimgesucht: dem Kastanienrindenkrebs, verursacht durch den Pilz Cryphonectria parasitica.

Durch die Untersuchung der Genetik des Pilzes haben die Wissenschaftler zwei Besonderheiten identifiziert, die dessen Ausbreitung erklären. Bei ihrer Doktorarbeit an der WSL hat Lea Stauber 230 Genome der vorherrschenden europäischen Stämme sequenziert und analysiert. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass es der Krankheit dank eines Brückenkopfs, das heisst einer festen Angriffslinie, gelungen ist, sich so effektiv zu verbreiten», wird Stauber in einer Mitteilung vom Montag zitiert.

Gefahr durch Pilzstämme
Im Brückenkopf können sich die Pilzstämme etablieren und diversifizieren. Er bildet eine Art Basislager für die weitere Ausbreitung des Pilzes. Zum Beispiel ist der Ursprung des Kastanienrindenkrebses im Mittelmeerraum und in Südosteuropa auf solch einen Brückenkopf in Norditalien zurückzuführen.

Ungeschlechtliche Vermehrung
Ausserdem hat sich der Pilz bei seiner Ausbreitung in Europa zumeist auf ungeschlechtliche Vermehrung verlassen, das heisst auf die Fähigkeit, sich mit sich selbst zu vermehren, anstatt Energie für die Suche nach einem Partner zu verbrauchen. Aber dies könnte mittelfristig auch seine Schwäche sein.

Biologen haben die Verbindung mit der Existenz eines natürlichen Feindes des Pilzes hergestellt: eines Mykovirus. Dieses verbreitet sich vorzugsweise in ungeschlechtlichen Populationen des Kastanienrindenkrebses. «Dies gibt Hoffnung auf die Entwicklung eines wirksamen Mittels zur biologischen Bekämpfung der Krankheit ohne Kollateralschäden», erklärt Studienleiter Daniel Croll, Direktor des Labors für Evolutionsgenetik an der Universität Neuenburg.

Die Geschichte des Erregers begann in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Innerhalb weniger Jahrzehnte dezimierte dieser aus Asien stammende Erreger fast 100 Prozent der Kastanienbäume auf dem amerikanischen Kontinent.Mitte des 20. Jahrhunderts dehnte sich der Pilz auch in Europa aus. Von Norditalien aus verbreitete er sich über Mitteleuropa und den Mittelmeerraum, einschliesslich der Schweiz. Innerhalb weniger Jahrzehnte legte der Erreger eine Strecke von mehreren tausend Kilometern zurück. 

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