Einmal Tiere, immer Tiere
Tierschutzorganisationen in der Zürcher Bahnhofshalle
Ob Katze, Igel, Papagei oder Fisch: in der Schweiz kümmern sich viele Organisationen um Tierschutz. Anfang September 2025 stellten sich einige an einer Standaktion in der Halle des Zürcher Hauptbahnhofs vor.
Die Tierschützerin Susy Utzinger hat sich für ihre Stiftung ein ganz besonderes Fest zum 25-jährigen Geburtstag ausgedacht: Ein Auftritt zusammen mit rund 21 anderen Tierschutzorganisationen in der Halle des Zürcher Hauptbahnhofs. Am Sonntag, 7. September 2025, konnten sich deshalb Reisende über die Bedürfnisse von Igel, Fischen und Fledermäusen informieren und Einblick in die Partnervermittlung für Papageien gewinnen.
«Die Leute lernen die verschiedenen Facetten des Tierschutzes kennen und erhalten hier eine Idee davon, wie viele Profis sich tagtäglich für Tiere einsetzen», sagt Susy Utzinger im Treiben rund um die Stände. Die Organisationen stünden alle mit der SUST, der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz, in Verbindung und würden in unterschiedlicher Form unterstützt. Susy Utzinger: «Wir arbeiten sehr gut zusammen.»
Die Vielfalt des Tierschutzes zeigte sich beispielsweise am Stand von Fair Fish, Uster (ZH). Fausta Borsani erklärte: «Wir wollen, dass Speisefische gut behandelt werden.» 99 Prozent werden laut der Geschäftsführerin nicht korrekt getötet. Fische würden oft verkannt, doch sie müssten respektiert werden wie andere Tiere auch. «Sie sind rechtlich weniger gutgeschützt als Kühe und Hühner», betont die Agraringenieurin. Fair Fish sammelt wissenschaftliche Daten und setzt sich für eine verbesserte Behandlung von Speisefischen in Aquakultur ein, aber auch von solchen, die wild gefangen werden. «Man darf Fische essen, muss sie aber richtig behandeln und sie als fühlende, lebendige Wesen betrachten», proklamiert Fausta Borsani.
Auch um Fische geht es bei fischwissen.ch, allerdings um Zierfische im Aquarium. Geschäftsführerin Dr. Claudia Kistler sagt: «Viele Aquarienfische leiden, weil Halterinnen und Halter nur wenig wissen. Manche Leute kennen nicht einmal die Arten, die sie halten.» Das zeige sich etwa, wenn sie die Wasserbewohner in der Fischauffangstation abgäben. Fischwissen.ch trägt dazu bei, Informationen zur korrekten Haltung von Aquarienfischen bereitzustellen und zu verbreiten, dies mit Broschüren und zahlreichen Beiträgen, die auf der Webseite kostenlos zur Verfügung stehen. Ein Hauptanliegen der Organisation ist: Wenige Arten in einem grossen Becken pflegen. «Wenn Aquaristik, dann muss sie richtig gemacht werden», betont Claudia Kistler, die über Aquarienfische doktoriert hat.
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Kompetenz für Kaninchen und Strassenhunde
Um Tiere der Nacht kümmert sich die Stiftung Fledermausschutz. Sie finanziert sich durch Spenden, Gönner und einen Freundeskreis und entstand in den 1980er-Jahren. Der Hauptsitz befindet sich am Zoo Zürich, doch es gibt auch Aussenstationen. «Unsere drei Pfeiler sind Bildung, Arten- und Tierschutz», erklärt Tierärztin Katja Schönbächler, die auch verletzte Fledermäuse operiert. Anschliessend werden sie gesund gepflegt mit dem Ziel, sie wieder in die Natur zu entlassen. Alleine in der Station in Zürich sind dies jährlich über 500 Tiere. Ein wichtiger Teil der Arbeit besteht aus der Überwachung der Schweizer Fledermausbestände. «Es steht nicht gut um sie», warnt die Veterinärin. Von den30 Schweizer Arten würde die Hälfte auf der Roten Liste geführt, weitere sieben Arten seien potenziell gefährdet. Pro Jahr gingen bis zu 5000 Telefonanrufe mit Fragen zu Fledermäusen ein.
Braun und leise sind Fledermäuse, bunt und laut Papageien. Elisa Canepa leitet die Auffangstation für Papageien und Sittiche (APS) in Matzingen (TG). «Wir betreuen derzeit 335 Papageien und Sittiche», sagt die Umweltwissenschaftlerin. Papageien sind sehr langlebig. Was passiert, wenn jemand stirbt und Papageien hinterlässt? Dies ein Beispiel, wo die APS hilft. Papageien und Sittiche können hier zur permanenten Pflege abgegeben werden oder aber in eine Vermittlungsstation. «Dort finden sie in der Regel einen neuen Partner, den sie in der Vergesellschaftungsvoliere selbst aussuchen», erklärt Elisa Canepa. Papageien und Sittiche haben spezielle Bedürfnisse; es braucht besondere Kenntnisse, um sie zu pflegen. Deshalb ist das Angebot der durch Mitgliederbeiträge und Spenden finanzierten APS eine gute Ergänzung zu Tierheimen.
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Auch der Verein Kaninchenhöhle aus Aarau-Rohr trägt seine Bestimmung bereits im Namen. Janina Minder sagt: «Als Kaninchenfreundin fiel mir bald einmal auf, wie gross die Anzahl an Abgabetieren ist.» Sie gründete 2018 den Verein und bietet seither Lebensplätze für 38 Kaninchen. «Wir halten sie in unterschiedlichen Gruppen. Da die Gehege gross und gut strukturiert sind, hatten wir nie Probleme mit der Aggressivität untereinander», sagt die Tierschützerin, die sich zusammen mit einem Team in ihrer Freizeit um den Kaninchenschutz kümmert.
Der Verein Neue Tierhilfe aus Winterthur (ZH) wurde bereits 1958 gegründet, 1998 kam das Tierheim Rosenberg hinzu. Einerseits setze sich der Verein für Hilfe für Tiere allgemein ein, beispielsweise für Strassenhunde in der Türkei, sagt Mona Contreras, die das Sekretariat betreut. «Im Tierheim werden hilfsbedürftige Tiere aufgenommen und gepflegt.» Alte Tiere erhielten Lebensplätze, andere würden vermittelt.
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