Zimmerpflanzen sind mehr als Dekoration. Sie spiegeln den Zeitgeist, erzählen von Sehnsucht, Fortschritt, Krisen und Wohlstand.

1900 - Palmen und Prestige

Um die vorletzte Jahrhundertwende war das Zimmergrün ein Symbol des bürgerlichen Aufstiegs. In Wintergärten und Salons gediehen exotische Arten wie Kentia-Palmen, Ficus elastica oder Aspidistra – importiert aus den Kolonien. So war das Zimmergrün um 1900 vor allem Ausdruck von Wohlstand. Die Pflanzen in den Salons der Gründerzeit demonstrierten Bildung, Weltläufigkeit und Musse. Die neue Glasarchitektur der Zeit machte es zudem möglich, empfindliche Gewächse auch in nördlichen Breitengraden zu kultivieren. Die üppigen Pflanzenzimmer waren begehbare Tropenfantasien und Inszenierungen von Weltmacht.

1920 - Moderne trifft Minimalismus

Nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich der Geschmack: weniger Dschungel, mehr Disziplin. Architekten wie Le Corbusier und Walter Gropius wollten keine üppigen Salons mehr, sondern klare Räume. Das…

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