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Alltag mit Tieren, Freundschaften fürs Leben: Zivildienst auf der Alp

Zivildienst wurde in den vergangenen Jahren zunehmend beliebt. Ob es mit dem Abstimmungsresultat von Mitte Juni gelingt, junge Männer beim Militär zu halten, wird sich zeigen. Was sicher bleibt, ist der Bedarf an Hilfskräften auf Alpbetrieben wie derjenigen der Schratte Yaks.

Im steilsten Stück beginnen die berggängigen Yaks zu hecheln. Doch sie gehen immer weiter, Meter für Meter, ohne Stress und ohne Eile. Das Betriebsleiterpaar Philipp und Irene Wicki und ihr Zivildienstler André Koch passen sich gern an den gemächlichen Gang der Herde an. Auch für sie bedeutet der Weidewechsel über rund 500 Höhenmeter einen strengen Abendeinsatz nach einem langen Tag auf der Alp. Heute stand – wie schon fast die ganze Woche – Entbuschen auf dem Programm.

Eine Gruppe IT-Lehrlinge war im Rahmen einer Projektwoche zusätzlich angereist, um mitanzupacken. «Wir sind richtig weit gekommen», meint Irene Wicki zufrieden. «Man muss nur wissen, wie man die Leute motivieren kann», pflichtet André Koch ihr bei. Für den Zivildienstler ist das «Schwente», wie das Entbuschen im Entlebuch genannt wird, alles andere als Neuland. Schon vor fünf Jahren absolvierte er seinen ersten Einsatz auf dem Alpbetrieb Gummen. Seither kehrte er immer wieder hierhin zurück. «Ich arbeite gerne draussen in der Natur», erklärt der gelernte Forstwart. Auf der Alp schätze er besonders die abwechslungsreiche Arbeit sowie den unkomplizierten Umgang mit dem Betriebsleiterpaar.

Alltag mit Tieren, Freundschaften fürs Leben: Zivildienst auf der Alp
Zivildienstler André Koch (links) mit Betriebsleiterpaar Philipp und Irene Wicki auf der Alp Gummen.

In den wochenlangen Einsätzen entwickelte sich eine enge Freundschaft mit den Wickis, die bald über den Zivildienst hinausging. Da André Koch in der Region wohnt, hilft er mittlerweile auch in seiner Freizeit ab und zu auf dem Betrieb aus. Besonders gefragt ist seine Unterstützung, wenn Waldarbeiten auf dem Programm stehen. Am liebsten stellt er jedoch Weidezäune. «Das ist nicht ganz so anstrengend und man kann dabei auch ein bisschen plaudern», verrät er. Doch auch körperlich anspruchsvolle Arbeiten sind für ihn kein Problem. «André ist aus hartem Holz geschnitzt», betont Philipp Wicki. Bisher habe er fast ausnahmslos gute Erfahrungen mit Zivildienstlern gemacht.

Unterschiede durch die individuellen beruflichen Hintergründe bemerkte er dabei kaum. «Wenn Interesse und Wille da ist, haben sie alles, was es braucht», ist er überzeugt. Bewusst möchte er deshalb keine jungen Männer aus Zwangseinteilungen bei sich auf dem Betrieb. Nur, wer versäumt, seinen Dienst selbst zu organisieren, wird auf diesem Wege einem Arbeitsort zugewiesen. Sich dafür zur Verfügung zu stellen, kommt für die Wickis nicht in Frage. «Die Leute, die sich freiwillig bei uns melden, sind sich bewusst, dass auf einer Alp strenge Arbeit auf sie zukommt», betont Irene Wicki. «Wir können alle gebrauchen, die motiviert sind, anzupacken, gerne in der Natur sind und mit Tieren arbeiten.»

Gespür für die Herde

Die Arbeit mit den Tieren war für André Koch besonders lehrreich. Zwar hatte er seit der Kindheit Berührungspunkte mit Haustieren und Schafen des Grossvaters, jedoch auf einem ganz anderen Niveau. Hier, auf der Alp an der Sörenberger Schrattenfluh, dreht sich alles darum, dass es den Yaks, Schafen, Eseln und Rindern an nichts fehlt. Und um dies zu gewährleisten, müssen die separat gehaltenen Herden je nach Wetter, Gelände und Tierart täglich kontrolliert und gezählt werden. «Am Anfang kam Philipp noch mit mir mit und erklärte mir alles», erzählt der Zivildienstler. «Aber irgendwann bekommt man ein Gespür dafür und kann allein gehen.»

Besonders in Erinnerung blieben ihm die Begegnungen mit den Herdenschutzhunden, die ihn je länger, desto freudiger begrüsst hatten. Als die Wickis im Jahr 2022 begannen, allmählich von Schafen auf Yaks umzustellen, hatte er zuerst Respekt vor ihren grossen Hörnern. «Man gewöhnt sich aber daran», meint er. Eine gesunde Portion Respekt sei ohnehin bei jedem Tier angebracht, ist er überzeugt.

Arbeit mit Sinn

Obwohl für ihn Zivildienst früher nie ein Thema gewesen war, bereut André Koch den Wechsel nach dem ersten Wiederholungskurs der Schweizer Armee keine Sekunde. «Die Rekrutenschule schadet niemandem – also einfach mal unten durch zu müssen», so die Meinung des Zivis. Der Wiederholungskurs (WK) sei jedoch nichts für ihn gewesen. «Ich hasse es, wenn ich nichts machen kann», erklärt der Entlebucher. Besonders Mühe habe er damit, wenn er den Sinn hinter einer Tätigkeit nicht sehe. Ein Problem, das er auf der Alp an der Schrattenfluh nicht mehr hat.

Nun bleiben nur noch drei Wochen, bis der Zivi seinen Dienst beendet. Und auch die letzten Pflichttage wird er noch in Sörenberg verbringen. Ein Glück für die Wickis. «Wir sind natürlich verwöhnt mit André, weil er sich schon bestens auskennt», meint Philipp Wicki. Obschon er viele gute Zivildienstler hatte, sei es doch eine Ausnahme, dass einer gleich so viele Tage bei ihm abverdiene.

Pro Sommer bekommen die Wickis von Zivildienstleistenden im Schnitt etwa vier Wochen Unterstützung. Würde diese wegfallen, kämen sie mit dem Entbuschen der Weiden zunehmend ins Hintertreffen. Eine Alternative wäre, dass sie jemanden anstellen würden für die Sommermonate. Bei den heute üblichen Löhnen und Arbeitsbedingungen werde dies aber immer schwieriger für einen landwirtschaftlichen Betrieb. Deshalb ist das Betriebsleiterpaar froh um jede zusätzliche Hilfe – sei es durch Zivildienstleistende, oder aber auch durch andere Gruppen wie die IT-Lehrlinge, mit denen sie sich über Plattformen wie «Bergversetzer» verbinden können.

Oben angekommen, grasen die Yaks zufrieden weiter.
Oben angekommen, grasen die Yaks zufrieden weiter.

Neben der Entlastung bei den täglichen Aufgaben schätzt vor allem Philipp Wicki auch den sozialen Austausch mit seinen Helferinnen und Helfern. Seine Frau Irene arbeitet teilweise noch auswärts, er aber verbringt im Sommer viele Stunden allein auf der Alp. «Zivildienstler wie André helfen mir, dass ich nicht sozial verkorkse», witzelt der 31-Jährige.

Längst sind sie mit den Tieren in der oberen Weide angekommen und sitzen noch einen Moment zusammen. «Jetzt bin ich richtig erschlagen», meint Philipp Wicki. Auch die anderen beiden sehen nicht so aus, als würden sie heute noch Bäume ausreissen. Doch genau das steht am nächsten Tag wieder auf dem Programm. Ihren Humor verlieren die drei deswegen aber noch lange nicht.

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