Kühe pupsen – so wie zahlreiche andere Tierarten auch. Darunter der Mensch, das Nashorn und sogar Fische. Die Flatulenz ist ein alltägliches Phänomen. Dennoch stehen gerade Rinder besonders im Fokus, wenn es um die flüchtigen Gase geht. Wegen ihres Pups- und Rülpsverhaltensgelten Kühe im Volksmund als Klimasünder. Wie bei allen Wiederkäuern befinden sich in ihren Pansen verschiedene spezialisierte Mikroorganismen, welche die Nahrung in ihre Bestandteile aufspalten. Einige dieser Einzeller bilden Methan, welches entweichen muss. Das passiert aber nicht hauptsächlich durch den Darm, sondern viel mehr durch den Mund. Nicht der Furz, sondern der Rülpser der Kuh macht den Hauptteil der Methanproduktion aus. Wie viel Methangas emittiert wird, hängt unter anderem von der Fütterung und der Rasse ab. Von Tier zu Tier variiert die Menge zwischen 400 und 700 Litern am Tag. Studien gehen davon aus, dass rund 30 Prozent der jährlichen globalen Methanemissionen aus der Tierhaltung stammen, vor allem von Rindern – Tendenz steigend. Es verwundert also nur wenig, dass den Kühen und ihren Haltern eine Mitschuld am Klimawandel zugesprochen wird.
Rotalgen im Futter
Ganz so einfach ist es aber nicht. Nur, weil sie als Wiederkäuer Methan produziert, dürfen Kühe nicht direkt als Klimasünder abgetan werden. So argumentiert die Landwirtschaft etwa, dass die Weidewirtschaft auch helfe, das Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu binden. Die Gräser und Pflanzen bringen den gespaltenen Kohlenstoff in den Boden, wo dieser verarbeitet wird. Würden bestehende Weiden anderweitig genutzt, würde das Gas wieder freigesetzt werden. Um das Methanproblem der Kühe zu lösen, wird intensiv geforscht. Auf der ganzen Welt verfolgen diverse Wissenschaftler verschiedene Ansätze, um die Methanemissionen in der Landwirtschaft und jene der Rinderhaltung zu reduzieren.
Die Genetik bestimmt, welche Organismen sich im Magender Kühe befinden.
Vielversprechend scheinen insbesondere Algen zu sein: Eine bekannte Studie der Universität von Kalifornien zeigte, dass durch das Zugeben von Rotalgen der Methanausstoss der Kühe um 45 bis 68 Prozent reduziert werden konnte. Abhängig ist die genaue Zahl von der Zusammensetzung der Futtermischung. Wurde den Tieren etwa heuarme Nahrung mit maximalem Rot-algenanteil gegeben, sank die Methanmenge gar um ganze 80 Prozent. Eine Herausforderung sehen die Wissenschaftler jedoch in der Produktion der Algen. Nur, wenn diese möglichst nahe bei den Landwirten erfolgt, darf auch von einer positiven Ökobilanzgesprochen werden. Und dies ist meist einfacher gesagt, als getan.
An der Futterzusammensetzung schraubt auch die Schweizer Firma UFA (Union des fédérations agricoles). Das führende Unternehmen im Bereich der Tierernährung lancierte letztes Jahr ein klimaschonendes Futtermittel, welches den Zusatzstoff Agolin enthält. Es kurbelt nicht nur die Milchleistung der Kühe an, sondern reduziert auch die Anzahl methanbildender Mikroben in den Pansen. Bei Feldversuchen sei das Futter von den Kühen gut akzeptiert worden, schrieb die Firma in einer Mitteilung.
Durch Zucht zum methanarmen Tier
Einen anderen Ansatz wählen Wissenschaftler der Universität von Aberdeen in Grossbritannien an. Sie haben herausgefunden, welche Gruppe Mikroorganismen im Magen der Kühe für die Freisetzung von Methan verantwortlich sind. Dazu haben sie die Gene von tausend Milchkühen aus Grossbritannien, Italien, Schweden und Finnland untersucht. Das Fazit der Wissenschaftler: Die Genetik bestimmt, welche Organismen sich im Magen der Kühe befinden und wie viele von ihnen Methan produzieren. Theoretisch liesse sich also eine neue Kuhrasse züchten, welche deutlich weniger schädliche Gase ausstösst.
Und damit wären wir bei der Zucht. Sie ist ein weiterer spannender Ansatz bei der Verminderung von Methan in der Viehhaltung. In Neuseeland gibt es aktuell ein Testprogramm an Schafen, welches die Tiere dahingehend züchten will, dass künftige Generationen weniger Methan ausstossen. Konkret dürfen sich also nur jene Tiere fortpflanzen, die klimafreundlicher rülpsen. Die Erfolge sind bisher mässig. Zwar produzierten die gezüchteten Schafe weniger Methan, dafür waren ihre Pansen deutlich kleiner, wodurch sie weniger Raufutter aufnahmen und dieses schlechter verdauen konnten. Die wissenschaftlichen Ansätze sind ebenso vielfältig wie unterschiedlich. Unterm Strich lässt sich sagen: Egal, ob durch Algen, Spezialfutter oder Zuchtversuche – komplett methanfrei bekommt auch die Forschung unsere Kühe nicht. Die Emissionsmenge lässt sich zwar reduzieren. Daran, dass Kühe pupsen, wird sich so schnell aber nichts ändern.


