Windräder bringen wortwörtlich Bewegung in die Luft. Durch die rotierenden Rotorblätter der Windkraftanlagen entstehen hinter den Türmen sogenannte Nachlaufturbulenzen, eine Art verwirbelte Luftschleppe. Diese Wirbel durchmischen die bodennahe Luftschicht stärker als unter natürlichen Bedingungen. Vor allem nachts, wenn die Atmosphäre normalerweise stabil geschichtet ist (kältere Luft unten, wärmere Luft darüber), kann diese Durchmischung dazu führen, dass wärmere Luft aus höheren Schichten nach unten gelangt. Schweizer Forschende haben diesen Effekt am Windpark Mont Crosin im Berner Jura untersucht. Das Projekt WiMiKli (Windenergie und Mikroklima), durchgeführt von Meteotest, Empa und der ZHAW, dokumentierte in der Nähe der Anlagen erhöhte Nachttemperaturen von bis zu 0,5 °C sowie weniger Frosttage. Tagsüber konnten dagegen leicht kühlere Temperaturen gemessen werden.

Weitere Studien deuten darauf hin, dass sich Windparks auch auf lokale Windströmungen auswirken können, etwa indem sie die Windgeschwindigkeit in Bodennähe leicht reduzieren. Dies kann beispielsweise den Taupunkt verändern oder das Risiko von Bodenfrost in angrenzenden Arealen beeinflussen. Diese Veränderungen wirken sich auch auf Feuchtigkeit, Verdunstung und Bodenklima aus. So zeigte eine Begleitstudie der Empa, dass die Verdunstung leicht zunimmt, was in trockenen Sommern für die Landwirtschaft relevant sein kann. Der Effekt ist zwar lokal begrenzt, aber durchaus messbar – vor allem in direkter Nähe zu den Turbinen. Durch höhere Nachttemperaturen und veränderte Feuchtigkeit können sich sowohl das Pflanzenwachstum als auch mikrobiologische Prozesse im Boden verändern, was wiederum Auswirkungen auf die Nährstoffverfügbarkeit haben könnte. Diese mikroklimatischen Veränderungen sind insgesamt kleinräumig begrenzt und selten stärker als natürliche Schwankungen.

Trotzdem warnte die ETH Zürich 2023 in einer Analyse davor, diese Mikroeffekte bei der Planung neuer Windparks zu unterschätzen, insbesondere in ökologisch sensiblen Gebieten. Ein weiterer Aspekt ist die mögliche Beeinflussung von Insekten: Veränderte Temperatur- und Feuchtigkeitsmuster können sich auf die Aktivitätsphasen bestäubender Arten auswirken, mit potenziellen Folgen für Ökosysteme.