Wisenten, Füchsen und Aspisvipern auf der Spur
Viel Innovation im Tierpark Lange Erlen in Basel
Der Tierpark Lange Erlen bietet seit 1871 die Möglichkeit, verschiedenste Tiere kostenlos mitten in der Stadt Basel zu beobachten. 74 Arten in 750 Individuen leben in grosszügigen Anlagen. Der neue Betriebsleiter Ueli Käser sorgt für attraktive Neuzugänge.
Wisente unter Ahornbäumen, ein schläfriger Uhu im Geäst, ein lauernder Luchs unter Gebüsch und ein Fuchs, der in derMorgensonne ein Loch gräbt und in seinem Eifer die Welt um sich herum zu vergessen scheint. Im Tierpark Lange Erlen in Basel wuselt pralles Leben. Während sich manche Tiere augenfällig präsentieren, braucht es Geduld und Entdeckergeist, um andere in den naturnahen Anlagen auszumachen. Spannende Erlebnisse sind garantiert bei 74 Arten in 750 Individuen. Und das Beste: Das ist alles kostenlos zu sehen, jeden Tag im Jahr, seit 1871.
Lärm und Staub der Stadt am Rheinknie fallen ab, sobald das Drehtor passiert ist. Alte Bäume spenden Schatten, auf ausladenden Weihern schwimmt ein Trupp Weisswangengänse, ein Storch klappert in seinem Horst auf einer Eiche, ein Wollschwein suhlt sich in einer Pfütze. Doch plötzlich wirbelt auch in den Langen Erlen Staub auf. Wisente wälzen sich im Sand und streifen dabei Fetzen des alten Fells ab. Später scheuert sich der Stier an einem Baumstamm, während zwischen den drei Kühen vier Wisent-Junge trotten. Zwei sind schon fast erwachsen. Sie kamen 2024 auf die Welt. Zwei Kälber sind noch klein.
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Der Betriebsleiter Ueli Käser steht am Zaun und freut sich über den Nachwuchs. Er sagt: «Die beiden Kälber Basha und Baya wurden von den Kühen Urnelia und Luba geboren.» Das Zuchtbuch gebe vor, dass die beiden Anfangsbuchstaben auf den Herkunftsort hinweisen müssen. Der Tierpark Lange Erlen beteiligt sich nämlich am Auswilderungsprojekt für Wisente. In Rumänien und Polen wurden diese grössten Säuger Europas bereits erfolgreich wieder in die Natur integriert. Ueli Käser erwähnt: «Mitte Mai haben wir unsere zweijährige Wisentkuh Barinya an die Wisentweide Härtsfeld in Neresheim in Deutschland abgegeben.» Dort werde sie auf die spätere Auswilderung vorbereitet.
Auch die weiblichen Jungtiere, die jetzt noch im Langen Erlen-Gehege Staub aufwirbeln, werden dereinst durch europäische Wälder streifen. Der Bedarf an Bullen aber ist wesentlich kleiner. «Sie werden meist dem natürlichen Kreislauf zugeführt», sagt Ueli Käser. Ihr Fleisch werde an die Wölfe, Luchse und Füchse des Parks verfüttert. Der Tierkenner erklärt, warum es weniger Bullen als Kühe braucht: «Mit eineinhalbJahren werden junge Wisentbullen geschlechtsreif. In der Natur werden sie aus dem Revier verjagt. Würden wir nicht eingreifen, würde unser Zuchtbulle seine heranwachsenden Konkurrenten töten. Ein Bulle führt eine Herde mit mehreren Kühen und Jungen.» Plötzlich ist es dort, wo sich eben noch die ganze Wisentherde tummelte, leer. Ihr Gehege besteht aus unterschiedlichen Kammern mit Bauminseln, ein Prinzip, das der Tierpark Lange Erlen bei vielen Arten verfolgt.
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Die Tiere haben die Wahl
So fragt man sich etwa auch: Wo sind die Wölfe? Eine Beschilderung zeigt sie an, doch, halten sie sich wirklich hier in diesem Wald auf? Erst nach längerem Herumschlendern zeigt sich: Die Wölfe nutzen ein unterirdisches Tunnelsystem und können so zwischen dreiGehegen wechseln. Es kann also sein, dass sie Besuchenden in einer ganz anderen Parkecke aufwarten. «Manchmal fläzen sie sich auf einer Grasfläche direkt am Zaun, sind neugierig. Andererseits ziehen sie sich aber auch ab und zu in buschige Bereiche zurück», sagt Ueli Käser. Das sei auch richtig so. «Die Tiere sollen wählen dürfen.»
Ueli Käser erklärt das Haltungssystem: «Früher mussten wir die Meerschweinchen und die Kaninchen abends im Stall einschliessen.» Heute sei dies nicht mehr notwendig. Beide Arten leben nämlich in zwei unterschiedlichen dreigeteilten Gehegen: Eine Voliere mit Ställen in der Mitte sowie beidseitig Aussengehege, in welche Tunnel führen. «Abends schliessen wir nur die Zugänge für die Aussengehege, in der Voliere können sich die Tiere weiter im Freien aufhalten», sagt der Tierfreund Ueli Käser, den einst Kaninchen in dieLangen Erlen führten.
Der ehemalige Bauernsohn erlernte den Beruf des Feinmechanikers und züchtete privat Kleintiere, so unter anderem auch Kaninchen der Rasse Schweizer Feh. Er erinnert sich: «Der Tierpark suchte diese alte Schweizer Rasse, und ich hatte Nachzuchten zumAbgeben.» So kam er in näheren Kontakt mit denLangen Erlen und entschloss sich schliesslich, hier als Zweitausbildung den Beruf des Tierpflegers zu absolvieren.
Das war vor 14 Jahren, seit letztem Oktober leitet er den technischen Betrieb des Tierparks. Bei seiner Arbeit kommt ihm auch zugute, dass er als Weiterbildung die Jagdprüfung absolviert hat. Auch heute noch züchtet er mit seinen Kindern Kaninchen, und zwar Zwergwidder des Farbenschlags Blauloh.
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Neu auch Giftschlangen
Ueli Käser ist voller Ideen, was die Anlagen in denLangen Erlen betrifft. Vor den Volieren erklärt er eines seiner neuen Projekte. Da fliegen Grün-, Distelfinken, Gimpel und Erlenzeisige, als wären sie in der Natur, denn der Flugraum ist spannend gegliedert mitBüschen, Bäumen und offenen Flächen. In einer anderen Voliere krallen sich Bartmeisen an Schilfhalmen fest, ein Kiebitz ruft, ein Zwergtaucher verschwindet in der Tiefe seines Teichs.
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In der Mitte dieses Volierentrakts befindet sich freies Gelände ohne Abschrankung. Das wird sich bald ändern. Der Betriebsleiter erläutert: «Wir planen hier im Mittelteil ein Abteil für Aspisvipern.» Er habe dieses Reptil im Jura beobachtet und finde es wichtig, auch eine Schweizer Gifttierart zu zeigen. Ein Vollbluttierpfleger wie er bereitet sich minutiös vor. «Hier entsteht eine Verglasung, da konstruieren wir eine Doppeltüre, gegen die Rückwand hin bauen wir den Wärtergang, der von vorne nicht zu sehen sein wird. Die ganzeAnlage zieht sich von vorne nach hinten in die Höhe.» Das Personal habe bereits eine Spezialausbildung für die Haltung von Giftschlangen absolviert. «Wir bilden auch Tierpflegerinnen und -pfleger aus. Der Umgang mit Giftschlangen gehört auch zur Ausbildung.»
Käser wird fünf zwei- bis dreijährige Schlangen bei einem Schweizer Privatzüchter holen. Das sind nicht die einzigen Neuzugänge. In einem Beobachtungshaus, das freie Sicht auf einen Weiher gewährt, wurden zwei Terrarien umgestaltet. «Wir wollen hier Laubfrösche halten und züchten. Sie leben bereits in der Natur nahe am Park, und wir glauben, dass sie sich bald auch zwischen den Gehegen etablieren.» Er werde bei einem Privatzüchter in Deutschland 10 erwachsene Laubfrösche und 40 Junge holen. «Es ist wichtig, den Leuten einheimische Tiere näher zu bringen.»
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Wer hat denn schon Zwergmäuse in einer Kolonie beobachtet? In den Langen Erlen, gleich in Nachbarschaft der Laubfrösche, ist das möglich, denn dort klettern die possierlichen Pelztierchen auf Ästen umher. Ueli Käser weiss auch bereits, dass in naher Zukunft Ringelnattern in den Langen Erlen leben werden.Angrenzend an das Beobachtungshaus werde einTerrarium für diese attraktive einheimische Schlange entstehen.
Auch bei den Wildkatzen hat es Zuwachs gegeben. «Es war nicht einfach. Nun konnte ich endlich zwei Weibchen in einem deutschen Zoo holen.» Eines werde er an den Tierpark Peter und Paul in St. Gallen abgeben. «Die Zusammenarbeit mit anderen Zoos und Parks ist uns wichtig», betont Ueli Käser.
Bündner Strahlenziegen klettern auf einen liegenden Baumstamm, im benachbarten Bauerngarten spriessen Gemüse- und Blumensorten. Auch alte Rassen und Sorten gehören zu den Langen Erlen in Basel. Ein Bijou entlang des Flüsschens Wiese. BeglückendeTiererlebnisse sind garantiert.
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Tierpark Lange ErlenDer Tierpark Lange Erlen ist vom Basler Hauptbahnhof aus per Tram Nr. 2 oder Bus Nr. 30 bis Badischer Bahnhof, dann per Bus Nr. 36 Richtung Kleinhüningen bis Station «Lange Erlen» einfach erreichbar. Der Eintritt ist kostenlos, von März bis Oktober ist der Park von 8 bis 18 Uhr geöffnet, durch die Wintermonate bis 17 Uhr.
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