Den Seen bleibt die Luft weg

Walensee mit Churfirstenpanorama

In die Studie flossen auch Proben aus Schweizer Seen wie hier dem Walensee.

Melinda Nagy/Shutterstock.com

Klimawandel
Die Sauerstoffgehalt in Seen ist in den letzten acht Jahrzehnten zurückgegangen, wie aus einer im Fachmagazin «Nature» veröffentlichten Studie hervorgeht. Denn durch den Klimawandel erwärmen sich die Seen weltweit, wodurch weniger Sauerstoff im Wasser gelöst wird – und «Todeszonen» entstehen können.

Der Rückgang der Konzentration an gelöstem Sauerstoff in Seen sei rund drei- bis neunmal grösser als in den Weltmeeren, schreibt das internationale Forschungsteam mit Schweizer Beteiligung. Die Konzentration im Oberflächenwasser sanken demnach durchschnittlich um rund 6 Prozent, in der Tiefe um fast 20 Prozent.

Die Forschenden um Kevin Rose vom Rensselaer Polytechnic Institute (USA) sammelten Temperatur- und Sauerstoffdaten zwischen den Jahren 1941 und 2017 für 393 Seen, die hauptsächlich in den mittleren Breiten der USA und Europa liegen. In die Analysen flossen ebenfalls Informationen des Walensee, Zürichsee, Neuenburgersee und Bielersee mit ein.

Schichtung beginnt früher
Der Sauerstoffverlust im Oberflächenwasser führen die Forschenden hauptsächlich auf höhere Temperaturen zurück. In der Tiefe gehen sie davon aus, dass es daran liegt, dass die Schichtung der Seen früher im Frühjahr anfängt. Im Winter strömt während der Durchmischungsphase sauerstoffreiches Wasser von der Oberfläche in die Tiefe, und nährstoffreiches Wasser nach oben.

«Weil im Frühling die Schichtung aufgrund des Klimawandels früher beginnt, haben die Organismen auch mehr Zeit, den Sauerstoff aufzubrauchen», erklärte Mitautor Martin Schmid vom Wasserforschungsinstitut Eawag im Gespräch mit Keystone-SDA. So entstehe früh im Jahr insbesondere an der Grenzschicht zwischen Sediment und Wasser eine sauerstofffreie Zone, wo Fischeier und am Boden lebende Organismen nicht mehr überleben können. «In manchen Seen wird auch das Tiefenwasser sauerstofffrei und steht somit Fischen und Insektenlarven als Lebensraum nicht mehr zur Verfügung», so Schmid.

Verstärkter Treibhauseffekt
Wenn der Sauerstoffgehalt sinkt, können anaerobe Bakterien gedeihen, die das klimawirksame Gas Methan produzieren. Gelangt das Treibhausgas in die Atmosphäre, treibt dies die menschengemachte Klimaerwärmung zusätzlich an.

In fast einem Viertel der Seen beobachteten die Forschenden allerdings einen höheren Sauerstoffgehalt im Oberflächenwasser - insbesondere dort, wo durch die Landwirtschaft zusätzlich Stickstoff und Phosphor in die Seen gelangten. Als Folge können Algenblüten entstehen, die Sauerstoff produzieren. Gemäss Eawag-Forscher Schmid deuten inzwischen zudem viele Studien darauf hin, dass die Giftstoffe produzierenden Cyanobakterien vom Klimawandel profitieren könnten.

Kommentare (0)