Der steinige Weg weg vom Pflug

Pflug

Der Pflug unterdrückt Unkraut auf mechanische Weise. Weil sein Einsatz viel Kraftstoff braucht und den natürlichen Aufbau eines gesunden Bodens stört, sehen viele Landwirte zusehends Nachteile im Pflug

mg/LID

Landwirtschaft
Pioniere setzten in den 90er-Jahren die pfluglose Bearbeitung auf Schweizer Feldern ein. Seither wurde die Direktsaat zwar weiterentwickelt, das Dilemma zwischen Boden- und Pflanzenschutz ist aber immer noch aktuell. Vor allem Biobauern tun sich schwer mit dem pfluglosen Anbau.

Vielerorts wird Mais gesät. Die meisten Landwirte pflügen das Feld und bringen so Boden aus etwa 20 Zentimetern Tiefe an die Oberfläche. Danach lassen sie das Feld ein paar Stunden bis Tage abtrocknen und bereiten mit der Egge ein gleichmässiges Saatbett vor. Eine andere, beliebte Variante ist die Aussaat in ein gegrubbertes Feld. Dabei wird der Boden nicht gewendet, aber das Gerät lockert die oberste Bodenschicht auf.

Von den Pionieren gelernt
Der Meisterlandwirt Philipp Fehlmann hat auf seinem Hof nie einen Pflug oder Grubber benutzt, in seinem Maschinenpark in Möriken AG steht nur eine Direktsaatmaschine. Vor sieben Jahren hat der 28-jährige den Hof seines Vaters übernommen und bewirtschaftet ihn gemeinsam mit seinem Bruder. Ihr Vater Ueli war von Anfang an dabei, als 1995 die Schweizerische Gesellschaft für bodenschonende Landwirtschaft, Swiss No-Till, ins Leben gerufen wurde.

Ziele von Swiss No-Till sind die Förderung und der Austausch über Direktsaat, dazu bietet die Vereinigung Informationsveranstaltungen und Merkblätter an. Die No-Till Mitglieder sehen im Einsatz von Pflug und Co. hauptsächlich Nachteile, einer davon ist der grosse Maschinenpark, den herkömmliche Landwirte haben. «Bereits als kleiner Junge ging ich mit meinem Vater an die No-Till-Treffen. Ich bin damit aufgewachsen, dass wir statt Pflug, Rototiller, Kulturegge, Walze und Sämaschine nur die Direktsaatmaschine auf dem Hof hatten», sagt Fehlmann, inzwischen Vorstandsmitglied im Verband.

Direktsaat als ein Pfeiler
Die Direktsaat-Bewegung ist in der Schweiz relativ jung. In den 90er-Jahren hatte man den Pflug weggelassen, ihn aber durch nichts ersetzt. „Man passte kaum einmal die Sorte oder die Fruchtfolge an. Folglich fielen die Erträge kleiner aus, Problemunkräuter, Schnecken und Pilzbefall nahmen zu. Daraufhin hat man viele Pflanzenschutzmittel eingesetzt“, sagt Bernhard Streit, Dozent Verfahrenstechnik im Pflanzenbau an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL). Das habe viele Direktsaat-Landwirte nicht befriedigt. Anfang der Nullerjahre begannen diese, nach den Prinzipien der konservierenden Landwirtschaft zu arbeiten.

Ein Gesamtkonzept, sagt Philipp Fehlmann: «Die konservierende Landwirtschaft steht auf den drei Pfeilern Bodenruhe, Bodenbedeckung und Pflanzenvielfalt.» Der Boden soll nicht umgepflügt werden, stets bedeckt sein und durch eine vielfältige Fruchtfolge den Einsatz von Dünger sowie Pestiziden vermindern. Die Direktsaat ist also eines der Prinzipien in der konservierenden Landwirtschaft, welche die natürlichen Ressourcen optimal nutzen und Ökosystemdienstleistungen fördern soll.

 

Kommentare (0)