Tiny Farming
Wie Mikrofarming aus Frankreich die Schweizer Landwirtschaft neu belebt
Rund die Hälfte des Schweizer Gemüses wird importiert. Das müsste nicht sein, ist der Verein Tiny Farm überzeugt und macht sich stark für einen nachhaltigen, regionalen Gemüseanbau auf kleinstem Raum.
Auf der Website der Tiny Farms Academy wimmelt es nicht nur von Gemüse in allen Farben und Formen, sondern auch von Anglizismen: Von Field und Inner Work, Market Gardening, Changemaker und Low-Tech-Geräten ist die Rede. Wird hier einfach klassischer Gemüseanbau in einem neuen linguistischen Gewand propagiert? Keineswegs, sagt Adèle Garret, die Geschäftsführerin des Schweizer Ablegers von Tiny Farm. Was die erste Schweizer Tiny Farm in der Schlossgärtnerei Teufen (ZH) seit rund einem Jahr praktiziert und im Rahmen eines neunmonatigen Lehrgangs vermittelt, hat seinen Ursprung im 19. Jahrhundert in Frankreich. «Mikrofarming haben früher Gärtner im Randgebiet von Paris betrieben», erklärt die Agrarökologin. Mit diesem bio-intensiven Gemüsebau konnten sie die Stadt ganzjährig mit Gemüse versorgen. Ein Ansatz, der in den 2010-er Jahren in Kanada ein Revival erlebte und sich heute in Europa verbreitet.
Viel Handarbeit, üppige Ernten
«Ziel von Mikrofarming ist es, auf einer kleinen Fläche nach ökologischen und regenerativen Standards zu arbeiten und dabei möglichst hohe Erträge zu erzielen», bringt es die Geschäftsführerin auf den Punkt. Zum klassischen Feldgemüseanbau gibt es Unterschiede: Der grösste Teil der Arbeit erfolgt von Hand statt mit grossen Maschinen. Das ermöglicht kleinere Pflanzenabstände und führt zu einer üppigeren Ernte. Und auch das Thema Bodenfruchtbarkeit erhält viel Aufmerksamkeit auf den 20 Meter langen und 80 Zentimeter breiten Feldern im Zürcher Unterland. Angebaut wird bis zu viermal pro Jahr. Die Tiny Farm Teufen hat in der ersten Saison mit ihren 40 verschiedenen Gemüsesorten bereits lokale Gastronomiebetriebe, aber auch Privatkunden beliefert.
Gut angelaufen ist auch der erste, komplett ausgebuchte Lehrgang. Einige Absolventen wenden das Wissen bereits an, andere vertiefen derzeit im Rahmen eines Praktikums ihre Kenntnisse oder betreiben Mikrofarming als Nebenerwerb. Das ist ganz im Sinne der Initianten: «Mit unserem Bildungsangebot wollen wir Menschen befähigen, eigene Farmen zu gründen, regionales, biologisches Gemüse zu produzieren und neue Zugänge zur Landwirtschaft schaffen», erklärt Adèle Garret. Und dies, ohne grosse Investitionen tätigen zu müssen. Die Initianten sind überzeugt: «Durch den Aufbau zahlreicher Mikrobetriebe kann Tiny Farming dazu beitragen, die Selbstversorgungsquote der Schweiz zu verbessern und die ökologischen Folgen des Imports zu mindern.» Zudem sei in vielen Höfen hierzulande die Nachfolge nicht gesichert, weshalb es in der Landwirtschaft neue Ansätze brauche.
Mikrofarming erlernen
Der nächste, neunmonatige Lehrgang startet am 16. März 2026. Neben den gärtnerischen Techniken erwerben die Teilnehmenden auch Projektmanagement-Fähigkeiten, um eine eigene Tiny Farm aufzubauen.
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