Gülle ist nichts anderes als eine Mischung aus tierischen Exkrementen, Urin und Wasser, die bei der Stallhaltung anfällt. Sie enthält eine Vielzahl an Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor und Kalium, die das Pflanzenwachstum fördern und den Einsatz synthetischer Düngemittel reduzieren können. Ihre genaue Zusammensetzung hängt von der Tierart ab.

Während Rindergülle beispielsweise einen hohen Wasseranteil von etwa 85 bis 90 Prozent hat, ist ihr Nährstoffgehalt vergleichsweise niedriger, was bedeutet, dass sie in grösseren Mengen ausgebracht werden muss, um eine ausreichende Düngung zu gewährleisten. Schweinegülle hingegen ist nährstoffreicher, insbesondere in Bezug auf Phosphor und Kalium, wodurch sie für das Pflanzenwachstum besonders wertvoll ist. Allerdings birgt sie ein höheres Risiko für Überdüngung und Nährstoffverluste im Grundwasser. Geflügelmist hebt sich deutlich von den anderen ab, da er besonders stickstoffhaltig ist und einen geringeren Wasseranteil aufweist. Dadurch hat er eine schnellere Düngewirkung, kann aber auch eher zu Ammoniakemissionen führen. Die ganz genaue Zusammensetzung von Gülle variiert jedoch immer nach Fütterung und Haltung der Tiere.

Ein Kreislauf für fruchtbare Böden

Die Vorteile der Gülledüngung sind vielseitig. So wird sie seit Jahrhunderten in der Landwirtschaft als natürlicher Dünger eingesetzt, um die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern und Nährstoffe im Kreislauf zu halten. Langzeitstudien, wie die der Forschungsanstalt Agroscope in Wädenswil, zeigen, dass der Einsatz von organischen Düngern wie Gülle über 34 Jahre hinweg positive Effekte auf die Bodenqualität hat, einschliesslich einer Erhöhung des Humusgehalts und einer Förderung der mikrobiellen Aktivität. Eine weitere Analyse zeigt, dass organische Düngung mit Gülle eine vergleichbare, wenn nicht sogar bessere Bodenqualität als Mineraldüngerbewirken kann. Die im Boden lebenden Mikroorganismen profitieren von den organischen Substanzen, was zu einer besseren Bodenstruktur und einer höheren Wasserspeicherkapazität führt.

Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, Gülle zur Energiegewinnung zu nutzen. In Biogasanlagen wird sie durch Vergärung in Methan umgewandelt, das als erneuerbare Energiequelle dient. Laut dem Umweltbundesamt könnten so bis zu 20 Prozent des erneuerbaren Methanbedarfs durch Gülle gedeckt werden. Gleichzeitig reduziert diese Methode die klimaschädlichen Emissionen, da die Gärreste weiterhin als Dünger genutzt werden können, aber weniger Methan und Ammoniak freisetzen als unbehandelte Gülle.

Nutzen und Umweltbelastung

Doch trotz dieser positiven Aspekte birgt die Nutzung von Gülle auch erhebliche ökologische Herausforderungen. Eines der grössten Probleme ist die Nitratbelastung des Grundwassers. Bei unsachgemässer oder übermässiger Ausbringung kann Stickstoff in Form von Nitrat ins Grundwasser gelangen. In der Schweiz überschreiten laut Bundesamt für Umwelt (BAFU) etwa 15 Prozent der Messstellen den Grenzwert von 25 mg Nitrat pro Liter, in ackerbaulich geprägten Gebieten sind es sogar knapp 50 Prozent.

Ein weiteres bedeutendes ökologisches Problem bei der Nutzung von Gülle sind die Ammoniakemissionen, die bei der Lagerung und Ausbringung freigesetzt werden. Hierzulande stammen laut BAFU jährlich etwa 44 Prozent dieser Emissionen aus dem Ausbringen von Gülle und Mist, was die Luftqualität beeinträchtigt und zur Versauerung von Böden sowie zur Überdüngung empfindlicher Ökosysteme führt.

Um diese negativen Auswirkungen zu minimieren, setzen Betriebe auf nachhaltige Güllemanagementpraktiken. Präzise Ausbringmethoden wie Schleppschlauch- oder Injektionsverfahren reduzieren laut Agroscope die Ammoniakemissionen um 30 bis 50 Prozent und verbessern die Nährstoffaufnahme der Pflanzen. Zudem tragen Abdeckungen von Güllelagern dazu bei, Ammoniakverluste zu verringern. In der Schweiz sind daher inzwischen Abdeckungen von Güllelagern und emissionsmindernde Ausbringverfahren gesetzlich vorgeschrieben.