Dass Gülle in einem Gewässer nichts zu suchen hat, leuchtet wohl den meisten ein. Doch Meldungen wie «Milch verschmutzt Bach» ruft zumindest in Kommentarspalten online regelmässig Unverständnis hervor.

Milch sei ein Naturprodukt und könne daher nichts verunreinigen, heisst es dann oft. Oder es wird die rethorische Frage gestellt, was ein paar Liter Milch schon gegen die abertausende Liter Wasser im Bach sind.

Wenn Milch in einen Bach oder Fluss gelangt, wirkt das auf den ersten Blick harmlos – sie ist ja ein Lebensmittel. Für Gewässer kann sie aber problematisch sein.

Die wichtigsten Gründe:

  • Hoher Sauerstoffverbrauch:
    Milch enthält viele organische Stoffe (Fett, Eiweiss, Milchzucker). Mikroorganismen bauen diese Stoffe im Wasser ab und verbrauchen dabei viel Sauerstoff. Sinkt der Sauerstoffgehalt stark, können Fische und andere Wasserlebewesen ersticken.
  • Nährstoffbelastung:
    Milch enthält Stickstoff und Phosphor. Diese Nährstoffe fördern starkes Algen- und Bakterienwachstum. Das kann das ökologische Gleichgewicht eines Bachs stören.
  • Besonders kritisch in kleinen Gewässern:
    Ein kleiner Bach hat wenig Wasservolumen. Schon relativ geringe Mengen Milch können dort grosse Auswirkungen haben, während sie in einem grossen Fluss stärker verdünnt würden.
  • Faulprozesse und Geruch:
    Beim Abbau der Milch entstehen Fäulnisprozesse. Das Wasser kann trüb werden und unangenehm riechen.

Darum gelten auch Lebensmittel wie Milch im Gewässerschutzrecht als problematische Einleitungen. In der Schweiz dürfen Stoffe, die Gewässer verunreinigen können, grundsätzlich nicht in Bäche oder Seen eingeleitet werden. Schon wenige Liter Milch können kleine Bäche so verunreinigen, dass ein lokales Fischsterben die Folge sein kann.