Auf der alpinen Höhenstufe zwischen 1900 und 2400 Metern wachsen vor allem mehrjährige Pflanzen. Für einjährige Arten ist die Vegetationszeit schlicht zu kurz, denn in nur zwei bis drei Monaten müssten sie blühen, Samen bilden und zur Reife kommen. Auch die Kälte stellt eine Herausforderung dar. Doch die Pflanzen, die in diesen Höhen heimisch sind, haben sich bestens an die Temperaturschwankungen angepasst: Sie produzieren ein eigenes Kälteschutzmittel. Sinkt die Temperatur, steigt der Zuckergehalt in ihrem Gewebe, da Zucker nicht mehr in Stärke umgewandelt werden kann. Der erhöhte Zuckergehalt senkt den Gefrierpunkt und bewahrt die Pflanzen so vor Frostschäden. Und das ist nur eine von vielen Überlebensstrategien, auf die sie zurückgreifen.

Alpen-Azalee (Loiseleuria procumbens)

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Die Alpen-Azalee ist eine Spalierpflanze: Sie schmiegt sich eng an den Felsen und nutzt dessen gespeicherte Wärme. Blätter und Stängel liegen flach am Boden und kriechen über die Oberfläche. Ihre Blätter sind immergrün – so muss sie nicht jedes Jahr neue Blätter bilden und kann sofort mit der Photosynthese starten, sobald die Schneedecke verschwunden ist.

Alpenleinkraut (Linaria alpina)

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Diese Pflanze setzt auf eine besondere Strategie: Sie bildet ein dichtes Polster. Das geschlossene Blätterdach schafft eine windstille Luftschicht, die Wärme und Feuchtigkeit speichert – wie Moos saugt es sich mit Wasser voll. Abgestorbene Pflanzenteile werden im Inneren zu Humus zersetzt. So ist das Alpenleinkraut quasi ein eigenes kleines Recyclingzentrum.

Alpen-Hauswurz (Sempervivum tectorum)

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Die Blätter des Alpen-Hauswurz sind in einem Blattkranz, einer sogenannten Rosette, angeordnet. Ihre Überlebensstrategie ist die Oberflächenverkleinerung – je kleiner die Pflanzenoberfläche ist, desto weniger Wärme geht verloren. Die fleischigen, dicken Blätter speichern zudem viel Wasser, was der Pflanze durchaus hilft, auch an trockenen Standorten zu überleben.

Alpenrose (Rhododendron ferrugineum)

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Die Blätter der Alpenrose besitzen eine dickwandige Zellschicht, die den Wasserverlust minimiert und die Pflanze widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit macht. Deshalb fühlen sich die Blätter ledrig an.

Alpenblumen

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Alpenblumen sind bekannt für ihre leuchtenden Farben – und das aus gutem Grund: UV-absorbierende Pigmente wirken wie ein natürlicher Sonnenschutz. Der Nebeneffekt: die intensive Blütenfarbe. Wird ein Enzian ins Flachland verpflanzt, verblasst sein intensives Blau. Auch der starke Duft vieler Alpenblumen ist Strategie: Er lockt Bestäuber an, denn die Zeit zum Fortpflanzen ist kurz.