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Warum Reparieren und Gärtnern zum neuen Trend werden

In letzter Zeit entstehen vermehrt Orte, an denen Menschen gemeinsam Dinge selbst herstellen. Ein positives Signal für unseren Planeten?

In immer mehr Städten gibt es Einrichtungen, in denen Menschen zusammenkommen, um aktiv tätig zu werden: Gemeinsam bauen sie Gemüse an, verändern aussortierte Kleidungsstücke oder reparieren defekte Elektrogeräte. Der Grundgedanke dahinter ist schnell erklärt: Durch gemeinschaftliche Projekte lassen sich Ressourcen schonen, Wissen teilen und Nachbarschaften beleben. Überall zeigt sich, dass gemeinsame Aktivitäten ein starkes Zeichen gegen die Wegwerfmentalität unserer Zeit setzen können. Tatsächlich stecken in Gemeinschaftsgärten und offenen Werkstätten vielfältige Potenziale: Sie bringen Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammen, regen zu verantwortungsvollem Konsumverhalten an und ermutigen zu kreativem Handeln. So wird aus dem gemeinsamen Gärtnern, Reparieren und Entwickeln mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung – es wird zum Sinnbild für einen nachhaltigen Lebensstil. Was vor einigen Jahren noch als Nische galt, hat sich längst zum festen Bestandteil urbaner Lebenswelten entwickelt.

ReCreaZZZ: Wiederbeleben statt Wegwerfen

Ein Beispiel dafür ist ReCreaZZZ, eine Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, Verschwendung von Ressourcen zu stoppen und damit gleichzeitig den CO2-Ausstoss zu verringern – indem man sie repariert. «Wir sind zwar Weltmeister im Recycling und im Entsorgen, aber Minimalisten im Reparieren», sagt Benjamin Ernst vom Verein ReCreaZZZ und bringt damit auf den Punkt, weshalb solche Initiativen so wichtig sind. «Gerade bei elektrischen Geräten ist die Angst gross, etwas falsch zu machen. Hier helfen wir mit Fachwissen und niederschwelliger Unterstützung», erklärt Ernst. Wer sich an den Angeboten von ReCreaZZZ beteiligt, erlebt eine offene Reparaturwerkstatt, in der Anfänger und Fortgeschrittene gemeinsam lernen und einander unterstützen. Statt ein defektes Gerät sofort wegzuwerfen, erfahren die Teilnehmenden, wie es zerlegt, begutachtet und schliesslich repariert wird.

Indem Reparieren wieder zum festen Bestandteil des Alltags gemacht werden, soll der Blick auf Konsum und Wertschätzung für Produkte grundsätzlich verändert werden. «Wer einmal erfolgreich etwas repariert hat, schätzt das Objekt anders ein und erkennt, dass kleine Defekte nicht zwangsläufig das Aus bedeuten», sagt Ernst. Diese gesteigerte Wertschätzung führt zu weniger Abfall, weil Dinge nicht mehr entsorgt werden, sobald ein Fehler auftritt. Gleichzeitig stärkt die gemeinsame Reparatur den Zusammenhalt innerhalb der Community. «Man tauscht sich aus, lernt voneinander und erfährt unmittelbar, wie sich durch Eigeninitiative ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten lässt.»

FabLabs: Hightech für die Nachhaltigkeit

Ein Beispiel für die Verbindung von technischer Innovation und Nachhaltigkeit liefern sogenannte FabLabs, wie Bernd Heisterkamp erläutert. «Ein FabLab (Fabrication Laboratory) ist eine offene Werkstatt, die den Zugang zu digitalen Fertigungstechnologien wie 3D-Druckern, Laserschneidern und CNC-Fräsen ermöglicht.» Hier teilen die Mitglieder nicht nur Maschinen, sondern auch ihr Know-how, sodass sich nahezu jede Idee ausprobieren lässt – von der Herstellung eigener Designs über die Reparatur defekter Gegenstände mittels 3D-gedruckter Ersatzteile bis hin zur Wiederverwendung von Restmaterialien. Neben dieser ressourcenschonenden Komponente zeichnet sich ein FabLab vor allem durch seine lebendige Community aus. Die Mitglieder unterstützen sich gegenseitig, etwa inOnline-Foren oder Chat-Plattformen, und tauschen dabei Fachwissen zu Material- und Energieeffizienz, Upcycling-Ideen oder neuen Produktionstechniken aus. «Der gemeinsame Austausch führt nicht nur zu innovativen Lösungsansätzen, sondern sorgt auch für eine stetig wachsende Resonanz auf nachhaltige und kreative Projekte», bestätigt auch Heisterkamp. So werden im FabLab nicht nur Hightech-Geräte geteilt, sondern auch Erfahrungen, Inspirationen und das Bewusstsein, dass moderne Technologien eine Schlüsselrolle in einer nachhaltigen Zukunft spielen können.

Soziale Nachhaltigkeit als Fundament

Ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit lässt sich in den 17 Gemeinschaftszentren der Stadt Zürich finden. «Wir verstehen uns als niederschwellige Begegnungsorte, wo alle Menschen willkommen sind, unabhängig von Alter und Herkunft», sagt Claudia Nyffenegger von der Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren. Hier werden Integration und Chancengleichheit gefördert, indem Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammenkommen, Ideen austauschen und gemeinsam aktiv werden können. Ein breites Angebot an Werk-, Lern- und Begegnungsmöglichkeiten ermöglicht den Quartierbewohnern, eigene Ideen zu verwirklichen, Werkstätten und Materialien zu nutzen sowie bei Bedarf Fachunterstützung einzuholen. Dieser soziale Ansatz geht Hand in Hand mit ökologischen Zielen. Im hauseigenen Nachhaltigkeitskonzept sind beispielsweise klare Richtlinien für die Infrastruktur verankert: Es wird nur angeschafft, was wirklich benötigt wird, wobei ökologische und soziale Kriterien im Vordergrund stehen.

In der Gastronomie legt die Stiftung besonderen Wert auf Fair-Trade-Kaffee, bevorzugt vegetarische Menüs und setzt auf möglichst lokale Bio-Lieferanten. Auch bei Veranstaltungen wie Repair Cafés, Flohmärkten oder Kleidertausch-Aktionen stehen der ressourcenschonende Umgang mit Materialien und der Einsatz von Mehrweggeschirr im Mittelpunkt. «Die Herausforderung besteht darin, den Gedanken der Nachhaltigkeit in sämtliche alltäglichen Arbeitsabläufe zu implementieren, bis sie natürlicherweise zu jeder Handlung dazugehören», erklärt Nyffenegger. Ob es darum geht, Geräte über Nacht auszuschalten, Heizenergie zu sparen oder Abfälle konsequent zu vermeiden – nachhaltiges Handeln soll nicht nur punktuell stattfinden, sondern als durchgängiges Mindset in sämtliche Abläufe integriert werden.

Die Vision einer essbaren Stadt

Eine besonders lebendige Facette dieser Alltagsintegration sind urbane Gemeinschaftsgärten. Dabei geht es nämlich längst nicht mehr nur um das Gärtnern an sich, sondern mittlerweile um ganzheitliche Konzepte, die Gemeinschaft fördern, Lernprozesse anstossen und zu einem bewussteren Umgang mit unseren Ressourcen einladen. Oft handelt es sich um ehemalige Brachflächen, Hinterhöfe oder öffentliche Plätze, die von Bürgern in kleine grüne Oasen verwandelt werden. Auch hier liegen die Vorteile auf der Hand: Urban Gardening verbessert das Mikroklima, fördert die Biodiversität und schafft Orte des Austauschs. «Wenn Menschen gemeinsam säen, ernten und füreinander Verantwortung übernehmen, entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das weit über das Gärtnern hinausreicht», erklärt Tatjana Nebel von Urbanculture, einer Initiative, die sich für eine nachhaltige und lebenswerte Stadt Basel engagiert.

Hierbei setzt Urbanculture auf persönliche Begegnungen und den Austausch über digitale Kanäle. Gleichzeitig werden Mitmach-Workshops, Stadtführungen und Community-Events organisiert, bei denen die Teilnehmenden die «essbare Stadt Basel» hautnah erleben können.

Bei Urbanculture steht nicht nur die Freude am Gärtnern im Vordergrund, sondern auch das Verständnis für ökologische Kreisläufe und die Bedeutung von regionalen Lebensmitteln. Geht es nach der Initiative, wird Basel irgendwann zu einer «grün-blauen» und essbaren Stadt, in der natürliche Ressourcen geschont und geteilt werden – ganz im Sinne der Permakultur-Ethik. «Sei achtsam im Umgang mit dir selbst und allen Menschen, den heutigen und den zukünftigen Generationen. Sei achtsam im Umgang mit der Erde. Teile gerecht und nutze Ressourcen sinnvoll», beschreibt Nebel das Grundprinzip.

Wo finde ich offene Werkstätten und Gemeinschaftsgärten?

ReCreaZZZ
Ein Ort für Reparaturen, Upcycling und gemeinschaftliches Lernen.
www.recreazzz.repair

Urban Agriculture Basel
Netzwerken, mitmachen und Basel zur «essbaren Stadt» machen.
www.urbanagriculturebasel.ch

Zürcher Gemeinschaftszentren (GZ)
Begegnungsorte mit vielfältigen Angeboten für Jung und Alt.
www.gz-zh.ch

FabLab Zürich
Offene Werkstatt mit Hightech, Wissensaustausch und Raum für Innovation.
www.zurich.fablab.ch

Oft lohnt sich auch der Blick auf lokale Facebook-Gruppen oder Stadtportale, wo regelmässig neue Repair Cafés, Tauschbörsen oder Urban-Gardening-Initiativen vorgestellt werden.

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