Täglich wird sie benutzt und häufig leider missbraucht – die Toilette. Denn viele werfen dort Dinge hinein, die dort gar nicht hingehören. Was bequem scheint, wird für Kläranlagen, Umwelt und Gewässer zum Problem. Christoph Mahlstein von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) mahnt: «Toiletten sind keine Abfallkübel.» Gemeint ist damit nicht nur das klassische Missverständnis um Hygieneartikel oder Speisereste. Die Liste der Fremdkörper, die regelmässig aus dem Kanalnetz gefischt werden müssen, ist lang – von Feuchttüchern bis Katzenstreu.
Flutsch und weg? Was im Abfluss verschwindet, landet nicht im Nirgendwo – sondern in der Kanalisation, in der Abwasserreinigungsanlage und schlimmstenfalls in unseren Gewässern sowie im Trinkwasser. Wie etwa Medikamente oder Chemikalien, deren Mikroschadstoffe ein relevantes Umweltproblem darstellen. Deshalb verfügen viele Abwasserreinigungsanlagen inzwischen über zusätzliche Reinigungsstufen: «Medikamente werden gemeinsam mit anderen Mikroverunreinigungen mittels Ozonung grösstenteils aufgespalten», erklärt Mahlstein. Doch nicht alle Rückstände lassen sich entfernen. Rückstände aus Hormonpräparaten etwa können zur Verweiblichung von Fischen führen, Psychopharmaka verändern deren Verhalten.
Obwohl sich der technische Ausbaugrad der Abwasserreinigungsanlagen seit den 1980er Jahren kontinuierlich verbessert und heute auf einem guten Stand sei, meint Daniela Mangiarratti: «In Bezug auf Mikroverunreinigungen muss die Abwasserreinigung regional noch weiter verbessert werden.» Die Informationsbeauftragte für Naturgefahren des BAFU wie auch der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) warnen daher vor der unsachgemässen Entsorgung über die Toilette. «Auf keinen Fall gehören flüssige Chemikalien, Putzmittel, Farben und Lösungsmittel in die Toilette», wie es seitens des VSA heisst.
Zäh, verstopfend und teuer
Doch auch vermeintlich spülbare Hygieneartikel sorgen für viel Frust: «Besonders Feuchttüchlein sind in der Kanalisation ein Problem, da sie die Zopfbildung fördern, die wiederum Pumpen verstopfen können», erklärt Christoph Mahlstein. Der Verbrauch ist in den letzten Jahren stark gestiegen – von Babytüchern über Haushaltstücher bis hin zu feuchtem Toilettenpapier. Doch viele dieser Produkte bestehen nicht aus Zellulose, sondern aus Kunststofffasern. Sie sind reissfest, lösen sich im Wasser kaum auf und fördern eben jene sogenannte «Zopfbildung». Dabei verfangen sie sich in Pumpen, verklumpen mit Binden, Haaren oder Wattestäbchen und blockieren schliesslich das gesamte System. Die Folge: aufwändige Handarbeit, Notfalleinsätze und teure Reparaturen. Schweizweit belaufen sich die Kosten laut dem VSA auf rund eine Million Franken jährlich.
Zwar gibt es auch Feuchttücher, die aus Zellulose bestehen und mit Angaben wie «sicher herunterspülbar» oder «100 Prozent unbedenklich herunterspülbar» beworben werden. Diese Versprechen basieren laut Mahlstein jedoch oftmals auf speziellen, «idealen» Bedingungen, wie sie in Testlabors vorherrschen, und nicht unbedingt auf realen Verhältnissen. «Daher raten wir trotz allem davon ab, Feuchttücher in der Toilette zu entsorgen.»
Neben Feuchttüchern, Binden und Windeln lassen sich auch viele andere Feststoffe als Grund für verstopfte Rohre finden. Besonders unterschätzt werden Speisereste und Fett. Was beim Abspülen harmlos aussieht, wird im Rohr schnell zur tickenden Zeitbombe: Fett kühlt ab, wird fest und klebt sich in Schichten an die Wände. Wo einmal Fett ist, haftet weiteres noch schneller – bis das Rohr verstopft. Solche Verstopfungen führen, neben der anstrengenden Handarbeit, auch zu Rückstaus und Schäden an der Entwässerungsinfrastruktur. Ein weiteres Ärgernis für Mahlstein: «Katzenstreu ist auch sehr mühsam! Einerseits ist es sehr abrasiv – hat also eine abschleifende Wirkung bei den Pumpen – und andererseits kann es in der mechanischen Reinigung nur schwer entfernt werden.»
Immer wieder sind Gemeinden und Städte dazu gezwungen, Aufmerksamkeitskampagnen zu lancieren, um die Bevölkerung zu sensibilisieren. Die Folgen der Verunreinigungen kommen alle teuer zu stehen, am Schluss nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Umwelt sowie die Lebewesen in den Schweizer Flüssen, Bächen und Seen. Gewässerschutz fängt laut Mahlstein im Haushalt an: «Daher bitte ausschliesslich Exkremente und Toilettenpapier ins WC.»


