An der schönen, verschmutzten Donau

donau.jpg
Jeden Tag spült die Donau über vier Tonnen Plastikmüll ins Schwarze Meer, schreiben Wiener Wissenschaftler.
rosmary/Flickr
Mehr Plastik als Jungfische
In der Donau treiben zumindest an einigen Stellen mehr Plastikpartikel als Fischlarven. Fische verwechseln die Teilchen mit Insektenlarven und können daran sterben.

Der Fluss sei deutlich stärker mit Plastikmüll verschmutzt als bisher angenommen, berichten Wiener Forscher im Fachjournal «Environmental Pollution». Über die Nahrungskette ist auch der Mensch betroffen. Die Forscher haben Uferbereiche zwischen Wien und Bratislava untersucht. Nach einer Hochrechnung spült die Donau täglich rund 4,2 Tonnen Plastikmüll in das Schwarze Meer.

Im zweitgrössten Fluss Europas finden sich nach Schätzung der Forscher um Hubert Keckeis von der Universität Wien im Schnitt 317 Plastikpartikel und nur 275 Fischlarven je 1000 Kubikmeter Wasser. Fischlarven kommen auf eine Grösse von 5 bis 15 Millimeter, die Plastikpartikel sind laut Studie maximal 10 Millimeter gross.

«Die Ergebnisse haben uns sehr überrascht», sagte Aaron Lechner, Erstautor der Studie. Der Grad der Verschmutzung könne auch auf andere Gewässer umgelegt werden. «Die Vermutung liegt natürlich sehr nahe, dass es sich dabei um ein globales Problem handelt», so Lechner.

pellets.jpg
 Industrielle Plastik-Pellets werden von Fischen mit Insektenlarven verwechselt.
 Bild: NOAA Marine Debris Program/Flickr

Müll statt Fischlarven
Weltweit werden jährlich über 200 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Davon landen verschiedenen Schätzungen zufolge 6 bis 26 Millionen Tonnen im Meer. Der weitaus meiste Plastikmüll – 70 Prozent – sinkt demnach auf den Meeresboden.

2010 und 2012 untersuchten die Wiener Forscher die Donau. Im Fokus sollte eigentlich die Verbreitung von Fischlarven stehen. Bei etwa 80 Prozent des Mülls handelt es sich laut Studie um industrielles Rohmaterial - kleine Pellets, Kügelchen und Flocken aus buntem Kunststoff. Der Rest sei vermutlich auf kommunalen Abfall zurückzuführen.

Die Gefahr für Fische besteht darin, dass sie die kleinen Plastikteilchen mit Nahrung wie Insektenlarven oder Fischeiern verwechseln. Das kann bei den Tieren zu vorgetäuschtem Sättigungsgefühl, Verletzungen des Darms und letztlich auch zum Tod führen. Wenn die Schadstoffe aus den Plastikteilen in die Nahrungskette gelangen, betrifft das auch den Menschen.

Originalpublikation:
Aaron Lechner, Hubert Keckeis, Franz Lumesberger-Loisl, Bernhard Zens, Reinhard Krusch, Martin Glas, Michael Tritthart, Elisabeth Schludermann: "The Danube so colourful: a potpourri of plastic litter outnumbers fish larvae in Europe's second largest river". In: Environmental Pollution 
DOI: 10.1016/j.envpol.2014.02.006


Kommentare (0)