Die Plastik-Katastrophe

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Während der Albatros bereits am Verwesen ist, wird das Plastik aus seinem Magen noch lange in der Umwelt verbleiben.
Chris Jordan / cc-by
Meeresverschmutzung
Abfälle aus Plastik sind tödlich für Meeresfische und -vögel. Über die Nahrungskette gelangen die Plastikrückstände auch in den menschlichen Körper. Mittels Verboten soll gegen die Verschmutzung angekämpft werden, doch es geht nur langsam vorwärts – auch in der Schweiz.

Die grösste Stärke von Plastik ist gleichzeitig auch das grösste Problem: Die Dauerhaftigkeit. Grossartig, wenn der Plastiksack vom Supermarkt nicht auf dem Weg nach Hause aufreisst. Und falls er es doch tut, können wir uns drauf verlassen, dass die Plastikflaschen den Sturz auf den Boden unbeschadet überstehen. Plastik kann Hunderte von Jahren überdauern – auch dann, wenn er als Abfall im Meer landet.

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Die Plastikringe, welche das Sixpack zusammenhalten, können für
Fische zur Falle werden.
Bild: Ruth Hartnup / cc-by

Dort stört er auf verschiedene Weisen die Tierwelt. Die Plastikringe von Getränke-Sechserpackungen beispielsweise können zu tödlichen Fallen werden. Immer wieder werden Fische gefunden, die sich in einem solchen Ring verfangen haben. Wenn der Fisch wächst, wird sein Körper durch den Plastikring eingeschnürt, was schliesslich zum Tod führt.

Plastik schwimmt auch in entlegene Gegenden
Viele Kunststoffe sind so solide, dass sie gar den Verdauungssäuren in Vogelmägen widerstehen. Allerdings wissen das die Vögel nicht. Sie schlagen sich den Bauch voll mit Flaschendeckeln, Feuerzeugen, Plastikbesteck, bis sie daran zu Grunde gehen. Und dies auch Tausende von Kilometern von der Zivilisation entfernt, da die Plastikteile dank ihrer langen Lebensdauer mit Meeresströmungen praktisch unbegrenzte Strecken zurücklegen können.

Schaden richten auch die beinah unsichtbar kleinen Plastikteilchen an, die in Peeling-Crèmes und Anti-Schuppen-Shampoo enthalten sind oder aus Verwitterung aus grösseren Plastikstücken entstehen. Sie werden von Fischen verzehrt und gelangen über die Nahrungskette in die Körper vieler anderer Tiere. Auch in menschlichem Blut fanden sich in Studien Rückstände von Plastik. Besorgniserregent sind dabei einerseits die Giftstoffe, die sich im Wasser auf der Oberfläche der Plastikteilchen ansammeln, anderseits aber auch manche Stoffe, die bereits im Plastik vorhanden waren. Bekanntestes Beispiel ist das hormonartig wirkende Bisphenol A, das in grösseren Mengen die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann.

Schweiz: Plastiksackverbot in Arbeit
Die Folgen von Mikroplastik sind noch nicht hinreichend erforscht, doch langsam wächst die Erkenntnis, dass etwas gegen die Plastikverschmutzung getan werden muss. Am 1. Juli hat Hawaii als erster Staat der USA Einwegplastiksäcke verboten. In Europa hat das EU-Parlament im Frühjahr 2015 beschlossen, den Verbrauch von Einwegtüten bis Ende 2019 zu halbieren. Als Referenz dient das Jahr 2010, wo im Schnitt jeder EU-Bürger 176 Tüten pro Jahr verbrauchte.

In der Schweiz hat das Parlament im Jahr 2012 eine Motion angenommen, die ein Verbot für Wegwerfplastiksäcken forderte. Die entsprechende Gesetzesänderung ist derzeit in Vorbereitung, wie Rebekka Reichlin, Informationsbeauftragte im Bundesamt für Umwelt (BAFU), sagt. Wann und in welcher Form das Verbot in Kraft tritt, ist noch offen. Dass der Teufel im Detail steckt, hat sich beim neuen Verbot in Hawaii gezeigt: Dort gingen manche Supermärkte dazu über, den Kunden leicht dickere Plastiksäcke als bisher anzubieten, da diese von Gesetzes wegen als wiederverwendbar gelten. Ob die Säcke tatsächlich mehrfach verwendet werden oder ob sie nach dem ersten Gebrauch im Meer und früher oder später in Fischmägen landen, scheint die Unternehmen nicht zu scheren.

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Dieses Bild stammt aus einem Naturschutzgebiet in Hawaii.
Bild: Susan White / USFWS / cc-by

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