Die Venusfliegenfalle schnappt sich auch langsame Beute

Kraftsensor auf Venusfliegenfalle

Der Kraftsensor des Mikrorobotiksystems lenkt ein Sinneshaar aus, das Fangblatt wird durch die Sensoren der Kraftmessdose offen gehalten.

Hannes Vogler, UZH

Fleischfressende Pflanze
Entgegen der gängigen Ansicht schnappt die fleischfressende Venusfliegenfalle auch dann zu, wenn langsame Tierchen über ihre Blätter kriechen. Bisher ging man davon aus, dass dies nur geschieht, wenn Beutetiere die Pflanze zweimal hintereinander kurz berühren.

Der neu entdeckte Mechanismus diene möglicherweise dazu, dass der Pflanze Beutetiere wie Larven oder Schnecken nicht durch die Lappen gehen, teilte die Universität Zürich (UZH) am Freitag mit. Mit reinem raffinierten Fangsystemen macht die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) Jagd auf ihre Beute.

Ihre grünrötlichen Blätter sind im offenen Zustand gekrümmt und stehen unter Spannung – ähnlich wie eine gespannte Feder. Die empfindlichen Sinneshaare auf den Blatthälften reagieren auf feinste Berührungen, indem sie elektrische Impulse aussenden. Diese verbreiten sich blitzschnell in den Blättern und lassen die Falle unter Umständen zuschnappen.

Wissenschaftler der Universität und der ETH Zürich untersuchten, welche Reize an den Härchen den Schnappmechanismus genau einleiten. Dazu nutzten sie winzige Roboter und empfindliche Kraftsensoren, wie sie im Fachmagazin «PLOS Biology» berichten. Auch entwickelten sie ein Computermodell, das Vorhersagen über das Zuschnappen der Falle treffen kann.

Langsame Bewegung löst zwei Impulse aus
Die Ergebnisse haben die bisherige Theorie einerseits bestätigt: Werden die Blattberührungen so gewählt, dass sie in etwa dem Krabbeln einer Fliege entsprechen, sind zwei Berührungen notwendig, um die Falle auszulösen. Andererseits stiessen die Wissenschaftler zusätzlich auf einen neuen Mechanismus. «Interessanterweise zeigte das Modell, dass bei langsamer Auslenkgeschwindigkeit pro Berührung zwei elektrische Impulse ausgesendet werden, und die Falle folglich zuschnappen müsste», sagte Ueli Grossniklaus, Direktor des Instituts für Pflanzen- und Mikrobiologie der UZH, in der Mitteilung.

Die Vorhersage des Modells konnten die Wissenschaftler auch experimentell bestätigen. Demnach gelingt es den fleischfressenden Pflanzen nicht nur krabbelnde Insekten und Spinnen einzuverleiben, sondern auch sich langsam bewegende Tierchen. Die rabiate Venusfliegenfalle, die die Beute mit ihrem Duft anlockt, ist nur in einem kleinen Areal im Osten der USA heimisch. Ihr Schnappmechanismus gehört zu den schnellsten Bewegungsabläufen im Pflanzenreich.

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