Grün macht müde Hirne munter

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In natürlichen Umgebungen (hier der botanische Garten Zürich) verändert sich die Gehirnaktivität positiv.
Roland ZH / cc-by-sa
Forschung
Schottische Forscher haben die Gehirnströme von Versuchspersonen beim Gang durch verschiedenen Stadtteilen gemessen. Schon bei einem Aufenthalt in einem Park zeigte das Hirn Ruhe und Entspannung statt Frustration an.

Das Gehirn eines Fussgängers in einer belebten Grossstadt ist ständig im Alarmzustand. Autos brausen vorbei und kreuzen die Strassen, andere Fussgänger blockieren die Wege, Radfahrer kommen von hinten herangesaust, das Tram fährt einem vor der Nase weg. Und das alles, während man von einem anstrengenden Arbeitstag so schnell wie möglich nach Hause will oder noch eine Einkaufsliste abzuhaken hat. Für die Psyche ist der tägliche Umgang mit solchen Faktoren eine Dauerbelastung, die Folgen sind geistige Erschöpfung, Frust und Gereiztheit.

Bäume, Sträucher und Wiesen erzeugten Gelassenheit
Naturliebhaber ahnen schon lange, dass ein Spaziergang im Grünen den Kopf wieder frei macht, aber nun haben Gesundheitsforscher von der Heriot-Watt University in Edinburgh die wissenschaftliche Bestätigung erbracht. In der schottischen Hauptstadt wurden Versuchspersonen mit Geräten zur Aufzeichnung der Gehirnaktivität, sogenannten EEG, ausgestattet und jeweils 25 Minuten durch verschiedene Stadtzonen geschickt. Die erste Zone war eine ruhige Einkaufsstrasse, die zweite ein belebtes Geschäftsviertel und die dritte ein Park. Die Messungen ergaben, dass Hirnmuster, die von Frustration und Aufgeregtheit zeugen, in den verkehrsreichen urbanen Arealen wesentlich stärker auftreten, während in einer Umgebung mit Bäumen, Sträuchern und Wiesen Ruhe und Gelassenheit dominieren.

Positive Gemütszustände wirken sich deutlich auf psychische, physische und emotionale Leistungen aus und sollten im Alltag nicht vernachlässigt werden. In der modernen Leistungsgesellschaft wird ein regelmässiger Spaziergang durch den Stadtpark leicht als Zeitverschwendung abgetan, aber für Menschen, die in urbanen Zentren leben, kann man von einer gesundheitlichen Notwendigkeit sprechen. Es muss nicht gleich das ganze Wochenende in der Natur verbracht werden, allein der Blick auf eine schöne Grünanlage kann schon positive Auswirkungen haben. In Japan hat sich diese Erkenntnis übrigens schon durchgesetzt: Dort verschreiben die Ärzte Spaziergänge im Grünen als Kur für gestresste Städter.

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