Ölpest vor Kalifornien schlimmer als angenommen

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Helfer haben begonnen, den am schwersten betroffenen Strand zu reinigen. (Symbolbild)
ARLIS Reference / cc-by-sa
Umweltkatastrophe
Nach der Panne an einer Öl-Pipeline in Kalifornien ist die Ölpest vor der Küste von Santa Barbara schlimmer als zunächst angenommen. Der Ölteppich auf dem Pazifik erstrecke sich über 14 Kilometer.

Die an einer Küstenstrasse entlanglaufende Pipeline des Unternehmens Plains All American Pipeline war am Dienstag gebrochen. Auslaufendes Öl gelangte in einen Kanal und von dort aus in den Pazifik. Es dauerte einige Stunden, bis das Leck entdeckt, die Leitung abgeschaltet und der Kanal gesperrt waren. Neuesten Schätzungen zufolge liefen aus der Pipeline 400'000 Liter Öl aus, etwa 80'000 Liter davon könnten ins Meer gelangt sein.

Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown erklärte für das betroffene Gebiet den Notstand, um sofort Spezialteams für die Säuberung von Stränden und Meer entsenden zu können. «Wir werden alles tun, um Kaliforniens Küste zu schützen», erklärte er.

Strand geschlossen, Fischereiverbot erlassen
An dem am schwersten betroffenen Strand Refugio State Beach waren derweil unzählige Helfer damit beschäftigt, den schwarzen Schlick von Sand und Felsen zu kratzen. Ein Strand wurde von den Behörden bereits für mindestens eine Woche geschlossen. Um den Ölteppich herum wurde weiträumig ein Fischereiverbot erlassen.

Am kommenden Montag feiern die USA Memorial Day, und normalerweise sind die Strände von Santa Barbara ein beliebtes Ausflugsziel für das lange Wochenende. Nach dem Pipeline-Leck dürften viele Touristen diesmal aber auf ihre Kurzferien am Strand in der Region verzichten.

Plains All American Pipeline entschuldigte sich für den Vorfall und versicherte, alle zu unternehmen, «um die Folgen für die Umwelt zu begrenzen». Umweltschützer befürchten jedoch, dass dies nicht ausreichen wird, um die langfristigen Auswirkungen auf Fauna und Flora einzudämmen. Sie fordern Nachbesserungen an der Pipeline wie etwas automatische Abschalteinrichtungen sowie wirksamere Vorkehrungen im Falle einer Panne.

Besorgte Umweltschützer
«Wieviele Hinweise muss uns die Ölindustrie noch geben, dass die Gesundheit der Menschen und die Umwelt bei ihren Investitionsentscheidungen keineswegs an oberer Stelle rangieren», kritisierte die für Kalifornien zuständige Vertreterin der Umweltbewegung Sierra Club, Kathryn Phillips. «Es ist an der Zeit, dass wir von dieser unglaublich wohlhabenden Industrie mehr verlangen.»

Die Umweltschützerin Linda Krop sagte der Zeitung «Los Angeles Times», sie sei besorgt über die Auswirkungen der Ölpest. Möglicherweise gefährdete diese vorbeiziehende Grauwale, Blauwale sowie die bereits bedrohten Buckelwale. Doch auch seltene Seevögel sowie bedrohte Arten an Land seien in dieser biologisch so vielfältigen Region womöglich gefährdet. Auch die US-Umweltschutzbehörde EPA sprach von einer «ernsten Bedrohung» für die Meeresumwelt.

Örtliche Medien veröffentlichten bereits Bilder von toten Meerestieren. Allerdings wiesen die Behörden darauf hin, Zahlen zu verletzten oder getöteten Tieren lägen erst nach den Aufräumarbeiten vor.

Studie: Ölpest lässt Delfine sterben
Eine soeben in der Fachzeitschrift «PLoS One» veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass eine Ölpest den Tod von Delfinen verursachen kann. Die Forscher hatten nach der Explosion der Bohrinsel «Deepwater Horizon» im Golf von Mexiko vor fünf Jahren Delfinkadaver untersucht. Gemäss der Studie zogen sich viele Grosse Tümmler durch das Öl Vergiftungen zu, die ihre Lungen lebensbedrohlich schädigten. Zur Erklärung hiess es, Delfine atmeten an der Wasseroberfläche, wo die Ölkonzentration besonders hoch gewesen sei und sie besonders viel davon inhaliert hätten.

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