Schweizer Finanzplatz erhält schlechtes Klimazeugnis

Ölfeld in Kalifornien

Gemäss em Klimatest des Bafu investieren 80 Prozent der Schweizer Finanzunternehmen immer noch in fossile Brennstoffe wie Erdöl oder Kohle.

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Klimaverträglichkeitstest
Erstmals hat sich der gesamte Schweizer Finanzmarkt auf Initiative des Bundesamts für Umwelt Bafu freiwillig auf Klimaverträglichkeit testen lassen. Die Resultate sind ernüchternd.

Wie das Bafu am Montag mitteilte, wurde der Klimaverträglichkeitstest zusammen mit dem Staatssekretariat für internationale Finanzfragen SIF durchgeführt. 179 Finanzinstitute nahmen daran teil, darunter erstmals auch Banken und Vermögensverwaltungen. Wie das Bafu schreibt, seien die Ergebnisse repräsentativ für den ganzen Schweizer Finanzmarkt.

Und diese zeigen eine schlechte Klimabilanz: Insgesamt investiert der Schweizer Finanzplatz heute viermal mehr Mittel in Firmen, die Strom aus fossilen Quellen wie Kohle und Gas erzeugen, als sie in Produzenten von erneuerbarem Strom investiert. 80 Prozent der Teilnehmenden halten Firmen in ihren Portfolien, die Kohle abbauen. Dabei unterstützt der Schweizer Finanzplatz im Schnitt einen zusätzlichen Ausbau der internationalen Kohle- und Erdölförderung.

Es gebe aber auch Fortschritte. So halten Finanzinstitute auch vermehrt Firmen in ihren Portfolien, die erneuerbare Energien und Elektromobilität ausbauen. Insbesondere habe auch der letzte Test aus dem Jahr 2017 Wirkung gezeigt, der nur Pensionskassen und Versicherungen offenstand. Die Hälfte aller Teilnehmenden an beiden Testrunden habe eigenen Angaben zufolge aufgrund der Testresultate von 2017 Klimamassnahmen ergriffen und schneidet nun im Durchschnitt klimafreundlicher ab als die Konkurrenz.

Umsetzung ungenügend
In der ergänzenden Befragung zum Test hätten über zwei Drittel der Teilnehmenden angegeben, eine Klimastrategie zur verfolgen. Damit diese Wirkung zeigt und Kunden genügend über Klimarisiken und Auswirkungen ihrer Investitionen informiert sind, besteht laut Bafu aber Handlungsbedarf: Mehr als die Hälfte der Institute, die eigenen Angaben zufolge Kohle bei ihren Investitionen ausschliessen, halten noch Aktien und Anleihen von Unternehmen, die Kohle abbauen oder Kohlestrom produzieren. Obwohl ein Drittel der Institute angibt, die Klima- und Nachhaltigkeitsziele ihrer Kundinnen und Kunden zu berücksichtigen, greifen nur fünf Prozent das Thema regelmässig von sich aus auf. Die meisten befragen ihre Kundinnen und Kunden erst auf deren Nachfrage.

Der Weltklimarat (IPCC) habe 2018 aufgezeigt, dass die globale Klimaerwärmung 1,5 Grad Celsius nicht überschreiten soll, um gravierende Veränderungen der Ökosysteme zu verhindern. Dies kann gemäss Bafu nur erreicht werden, wenn auch die Investitionen und Finanzierungen der Finanzinstitute auf dieses Ziel ausgerichtet werden. Und so das Fazit: «Damit der Finanzplatz seinen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leistet, bedarf es noch mehr konkreter Massnahmen der Finanzbranche».

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