Unterwegs mit den Killerseestern-Jägern

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Dornenkronen-Seesterne sehen gefährlich aus – und sind es für Korallen auch.
Matt Wright / cc-by
Korallen in Gefahr
Gefrässige Seesterne fallen über das Great Barrier Reef her. Es hilft nur eins: Taucher müssen die Tiere mit Spritzen vergiften – Stück für Stück.

Morgens um 7 Uhr im Hafen von Cairns, Australien: Die Crew der "Venus II" lädt Laptops, Gemüse, Regenjacken ein. Zehn Tage wird sie auf See sein, direkt am Great Barrier Reef, keine 50 Kilometer vor der Küste. An Bord: Kapitän Jared und zehn Taucher. Die Mission: Dornenkronen-Seesterne töten, so viele wie möglich.

Ein Drittel der Riffe ist befallen
«Die Dornenkronen sind eine Pest, sie fressen die ganzen Korallenriffe kahl», sagt der 36-jährige Expeditionsleiter Daniel Schultz. Das kann fatale Folgen haben. Das 2300 Kilometer lange Great Barrier Reef entlang der australischen Ostküste ist schon angegriffen: durch die Schifffahrt, durch den Ausbau von Häfen, durch Düngemittel, die von Plantagen ins Meer gespülten werden, durch Zyklone und Klimaeinflüsse. Eine Invasion der gefrässigen Killer-Seesterne könnte ihm den Rest geben. Das Meeresforschungsinstitut Aims schätzt, dass ein Drittel der rund 3000 Korallenriffe des Meeresparks befallen ist.

Nun sind Dornenkronen (Acanthaster planci) nicht neu. Während sie früher aber nur alle 80 Jahre massiv auftraten, gibt es jetzt alle 15 Jahre Ausbrüche, wie die Meerespark-Behörde am Great Barrier Reef (GBRMPA) berichtet. «Normalerweise erholen sich die Riffe in der Zwischenzeit», sagt Korallenforscher Morgan Pratchett von der James-Cook-Universität in Townsville. «Aber das funktioniert nicht mehr, weil sie durch viele andere Störungen geschwächt sind.»

Dornenkronen profitieren von Wasserverschmutzung
Die Behörde nennt vor allem die Wasserqualität. Wenn nach Überschwemmungen aus Plantagen in Fluss- oder Küstennähe übergebührlich Nährstoffe ins Meer gespült werden, ist das für Dornenkronenlarven ein Fressfest. Einmal ausgewachsen haben sie praktisch keine natürlichen Feinde mehr. Eine Dornenkrone kann zehn Quadratmeter Korallen im Jahr vertilgen. Hunderttausende davon sitzen auf den Riffen.

Der Körper erreicht – ohne Arme – Durchmesser von 30 Zentimetern. «Wir haben auch schon welche mit 40, 50 Zentimetern gesehen», sagt Schultz. Auf den bis zu 23 Armen und dem Körper sitzen lange Stacheln mit giftigem Sekret. Fische machen deshalb weiten Bogen um die Riff-Zerstörer.

Ochsengalle wirkt am besten
Ein Forscher der James-Cook-Universität hat den Kampf gegen Dornenkronenrevolutioniert. Jairo Rivera-Posada fand heraus, dass ein einziger Schuss Ochsengalle die Tiere zur Strecke bringen kann. «Sie beginnen, sich innerhalb von zwölf Stunden zu zersetzen», sagt Schultz. «Nach einer Woche sind nur noch ein paar Dornen übrig. Mit der alten Methode haben wir höchstens 70 bei einem 40-minütigen Tauchgang geschafft, mit der neuen können wir mehr als 300 schaffen», sagt er.

Seit etwa sechs Monaten wird erfolgreich Ochsengalle gespritzt, nach langen Studien, um sicherzustellen, dass weder Korallen noch Fische gefährdet werden. Vorher wurden die Dornenkronen mit Natriumbisulfit getötet – aber da musste jeder Arm einzeln injiziert werden.

In einem gesunden Ökosystem haben Dornenkronen durchaus ihre Aufgabe. Sie fressen vor allem schnellwachsende Korallen, etwa Akroporen, die im Jahr schon mal 30 Zentimeter wachsen können. «Die Dornenkronen machen auf deKorallenstöcken Platz für die langsamer wachsenden Arten», sagt Schultz. «Sie sind ein bisschen wie Buschfeuer, die das Unterholz abbrennen und Platz für Neues schaffen.» Wenn das Ökosystem aber angeschlagen ist, hat das Riff nicht genügend Zeit, sich zu erholen.

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