Zu Fuss durch die Schweiz

Via Alpina
Ferien in der Schweiz waren diesen Sommer angesagt wie schon lange nicht mehr. Auch wir gaben in der «Tierwelt»-Nummer 26 Tipps für Ferien in unserem Land. Natürlich mussten wir es da gleich selber ausprobieren. So lief unsere Autorin zu Fuss einmal durch die ganze Schweiz – auf der Via Alpina von Vaduz nach Montreux.

Etwas abschreckend wirkt es ja schon, wenn man sich über die Via Alpina informiert. 390 Kilometer, 23'600 Meter Aufstieg, 24'700 Meter Abstieg. In 20 Tagesetappen geht es über 14 Alpenpässe von Vaduz FL nach Montreux VD, von Nordost nach Südwest einmal diagonal durch die Schweiz. Was aber soll man tun, wenn man eigentlich drei Wochen Ferien in den USA eingeplant hatte?

Einfach mal loslaufen und schauen, wie weit man kommt, lautet die Devise. So wenig wie möglich mitnehmen ebenfalls. Etwa acht Kilogramm sind es schlussendlich inklusive Proviant, Wasser, Zelt und Schlafsack. Nun kann es losgehen.

Es fängt harmlos an
Während die erste Etappe von Vaduz nach Sargans SG noch vergleichsweise «harmlos» ist, folgt am nächsten Tag der erste Aufstieg nach Weisstannen SG. Zum Glück ist dieser nur kurz, denn unterwegs fängt es an zu regnen – und es hört nicht mehr auf. Der Dauerregen hält einige Tage an und sorgt Ende August für Überschwemmungen im Tessin und in der Ostschweiz. An ein Weiterwandern ist einen Tag lang nicht zu denken.

Gleich zu Beginn werde ich also vom Wetter ausgebremst. Danach läuft aber alles wunderbar. Hoch, runter, hoch, runter geht es über Pässe ins Tal und wieder auf den nächsten Pass. An den meisten Tagen legt man mehr als 20 Kilometer zurück, manche Etappen sind aber strenger, zum Beispiel die von Altdorf UR nach Engelberg OW. 30 Kilometer ist sie lang und mehr als 2000 Höhenmeter müssen überwunden werden.

Fernab der Zivilisation ist man nie wirklich, was ein Vorteil für diejenigen ist, die mit möglichst leichtem Rucksack wandern wollen und so fortlaufend Essen kaufen können ohne viel mittragen zu müssen. Auch auf Komfort muss man nicht verzichten. Neben Zeltplätzen gibt es an jedem Etappenziel mindestens eine Übernachtungsmöglichkeit mit Bett und Dusche. Dort trifft man jeden Abend wieder die gleichen Leute und tauscht sich über die Erlebnisse des Tages aus.

Von Triest nach Monaco
Die Via Alpina ist ein europäisches Netz aus Fernwanderwegen, die sich durch den ganzen Alpenbogen ziehen. Wer ganz verrückt ist, kann von Triest bis nach Monaco laufen. Die Schweizer Route wurde 1999 geplant und umgesetzt. Eine weitere Route führt weiter südlich durch Teile der Schweiz, sie wird von Schweiz Tourismus aber nicht als die Via Alpina vermarktet.

Auf der auf Wegweisern als «Route 1» angegeben Via Alpina von Vaduz nach Montreux aber wird mit grosser Kelle angerührt. Nicht nur begeistert die Bergwelt an sich schon mit ihren wunderbaren Panoramen, ihrer Flora und ihrer Fauna. Ein Highlight im September sind die vielen dicken Murmeltiere mit ihrem Speck für den Winterschlaf. Man kommt auch an vielen schmucken Orten und an bekannten Sehenswürdigkeiten vorbei, darunter zwei Weltnaturerben, der Tektonikarena Sardona und der Jungfrau-Aletschregion. Ein drittes Welterbe – die Weinberge der Lavaux am Genfersee – sieht man bei der Heimfahrt aus dem Zugfenster.

Bild von der Via Alpina

Machs wie Goethe
Um beweisen zu können, dass man an all diesen Orten wirklich war, gibt es für jeden Pass und jede Ortschaft einen Stempel. In einem Büchlein kann man die Stempel sammeln. Gegen ein Beweisfoto gibts von Schweiz Tourismus dann ein Zertifikat, dass man es geschafft hat.

Die Via Alpina liege dieses Jahr hoch im Kurs, sagen Einheimische und Gastronomen entlang des Weges. Das ist auch kein Wunder, erging es doch vielen Wanderern ähnlich wie mir: Die geplanten Auslandsferien mussten abgesagt werden, ein Alternativprogramm musste her. Wer genug Zeit hat, entdeckt nun also die Schweiz zu Fuss. Wer weniger Zeit hat, macht nur einen Teil der Strecke und nimmt trotzdem viele schöne Erinnerungen mit. Denn wie schon Johann Wolfgang von Goethe so treffend sagte: «Nur wo du zu Fuss warst, bist du auch wirklich gewesen.»

Autor

Meret Signer

Meret Signer

Meret Signer ist «Tierwelt»-Online-Redaktorin, Biologin und Ornithologin. Genau so sehr wie Vögel liebt sie aber ihre flauschige Katze Redi, weswegen sie oft im Dilemma ist. Während Redi jedoch lieber zuhause faulenzt als auf die Jagd zu gehen, wandert Meret durch die Gebirge dieser Welt. Immer mit dabei: ihr Feldstecher.

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