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Die Welt der Sukkulenten: Wie Kakteen und Co. die Trockenheit überleben

Pflanzen aus Trockengebieten haben unterschiedlichste Strategien entwickelt, um in diesen lebensfeindlichen Verhältnissen zu gedeihen. Kakteen gehören als Sukkulenten zu ihren Meistern, aber die Vielfalt der Überlebenskünstler in niederschlagsarmen Regionen ist gross.

Ob dicke Stämme, tiefe Wurzeln, spitzige Dornen oder ledrige Blätter: Pflanzen haben sich auf unterschiedlichste Weise an trockene und heisse Regionen angepasst. Sie überleben Temperaturen von über 45°C und nur wenige Milliliter Regen pro Jahr. Manche bohren ihre Wurzeln so tief in den Boden, dass sie vom Grundwasser speisen können. Andere können dem Nebel Feuchtigkeit entziehen oder fangen mit ihren Dornen Tautropfen ab. Allein in der Sahara gibt es über 1400 verschiedene Pflanzenarten, die sich an diese Lebensbedingungen angepasst haben. Aber keine hat sich derart auf Halbwüsten und niederschlagsarme Regionen spezialisiert wie die Sukkulenten.

Sukkulenten sind Pflanzen, die in ihren Wurzeln, Blättern oder in ihrem Stamm Wasser speichern, um während Trockenperioden davon zu zehren. Weltweit gibt es rund 12 500 Arten von ihnen, die sich vor allem in den niederschlagsarmen Halbwüsten im Süden und Osten Afrikas und in Nord- und Südamerika verbreitet haben. Es gibt sie aber nicht nur dort: Auch an Orten, wo Wasser schnell abfliesst und schlecht über die Wurzeln gespeichert wird, also auf Felsen, im Hochgebirge oder auch in den Tropen, wachsen Sukkulenten. «Ihre Vielfalt ist unglaublich faszinierend», sagt Gabriela Wyss. Sie ist promovierte Biologin und Leiterin der Sukkulenten-Sammlung Zürich, die über 4400 verschiedene Arten und über 22 000 Pflanzen beherbergt, darunter ein über hundert Jahre alter und über neun Meter hoher Felsenkaktus (Cereushildmannianus f. monstruosus).

Die wichtigsten Sukkulenten-Familien von total 79

Kakteengewächse (Cactaceae) Agavengewächse (Agavaceae) Dickblattgewächse (Crassulaceae) Aloe (Asphodelaceae) Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) Mittagsblumengewächse (Aizoaceae) Hundsgift- und Seidenpflanzengewächse (Apocynaceae) Orchideen (Orchidaceae)

Die Kakteen

«Sukkulenten sind angewiesen auf eine regelmässige jährliche Regenzeit», erklärt Wyss auf Anfrage. Das heisst, sie brauchen periodisch Wasser in Form von Niederschlag, Tau oder als Nebel. Kakteen, die sich besonders gut an die Gegebenheiten des Trockengebiets angepasst haben, sind ebenfalls darauf angewiesen, ihren Wasserspeicher auffüllen zu können. Sie nehmen noch so kleine Mengen an Wasser über ihre Wurzeln auf und lagern es in der grünen Sprossachse ab. Während der Trockenperiode braucht die Pflanze diesen Speicher wieder auf. Viele solcher Stammsukkulenten haben dafür Rippen entwickelt, welche sich im Jahresverlauf wie die Falten eines Blasebalges füllen und entleeren. Die typischen Dornen schützen gleichzeitig vor Fressfeinden, Sonneneinstrahlung und übermässiger Verdunstung des Wassers.

Aber nicht alles, was Dornen hat und aussieht wie ein Kaktus, ist auch einer. Wyss präzisiert: «Kakteengewächse sind in Nord- und Südamerika beheimatet. Einzig Rhipsalis baccifera kommt als Kakteenart natürlicherweise auch ausserhalb Amerikas vor, nämlich in Afrika oder auf Madagaskar.» Oft werden sie aber mit Wolfsmilchgewächsen aus Afrika verwechselt, wie sie weiter ausführt. Gewisse Arten bilden auch Dornen an der grünen Sprossachse wie Kakteen. Unterscheiden kann man sie aber bei näherem Hinsehen: Kakteen entwickeln Dornenbüschel, oftmals begleitet von einem Haarfilz. Bei Wolfsmilchgewächsen wie etwa Euphorbia grandicornis oder E. pseudocactus sind die Dornen einzeln oder paarweise angeordnet. Eine bekannte und pflegeleichte Zimmerpflanze ist beispielsweise die Dreikantige Wolfsmilch (Euphorbia trigona).

Sukkulenten in der Schweiz

Auch in der Schweiz kommen Sukkulenten vor, trotz kalter Winter und des vielen Niederschlags. Diese winterharten Sukkulenten bereiten sich durch Einschrumpfen auf die bevorstehende Kälteperiode vor. Zu den bekannten Arten gehören etwa der Berg-Hauswurz (Sempervivum montanum) oder der Alpen-Mauerpfeffer (Sedum alpestre). Die Pflanzen gedeihen vor allem auf steinigem Untergrund wie Moränen oder Schutt, wo der Niederschlag schnell abfliesst.

Die Welt der Sukkulenten: Wie Kakteen und Co. die Trockenheit überleben
Berg-Hauswurz (Sempervivum montanum)

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