Die Bezeichnung Endling wurde 1996 das erste Mal im renommierten Wissenschaftsjournal «Nature» gebraucht. Gemeint ist das allerletzte, meist in einem Zoo lebende Individuum einer Tierart. Der bekannteste Endling hiess Benjamin, ein australischer Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus), der im Jahr 1936 im Zoo von Hobart auf der Insel Tasmanien verstorben ist.

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Beutelwölfe, die wegen ihrer Streifenzeichnung auch Beuteltiger oder Zebrahunde genannt wurden, waren über lange Zeit das grösste Raubtier Australiens. Man weiss, dass die Aborigines die Tiere jagten, um sie zu essen. Auch entscheidend für ihren Rückgang waren die Dingos, verwilderte Nachkommen von Hunden, die sich rasch ausbreiteten und den Beutelwölfen die Beute strittig machten. Auf dem benachbarten Tasmanien gab es keine Dingos, dafür wurden die Zebrahunde als Schafskiller verfolgt. Bald wurden diese Wildtiere so rar, dass die Population unter Inzucht litt. Bis nur noch wenige Exemplare in Zoos existierten. Mit dem Tod Benjamins starb nicht nur eine Art, sondern eine ganze Beuteltierfamilie aus.

Vom Menschen verdrängt

Das Schicksal von Benjamin ist exemplarisch. Denn bei sämtlichen Tierarten, die während der letzten 500 bis 1000 Jahre ausstarben, muss ihr Verschwinden in Zusammenhang mit dem Menschen gebracht werden. Keine einzige Tierart ist bekannt, die in dieser Periode nur aus natürlichen Gründen verschwunden wäre. Der Mensch sorgte direkt durch die Jagd oder indirekt durch die Vernichtung des Lebensraums oder das Einschleppen von bedrohlichen Krankheiten oder Tierarten dafür, dass Populationen, die stark geschrumpft waren, endgültig ausgelöscht wurden.

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Doch wie kann man sicher gehen, dass eine Tierart wirklich ausgestorben ist? Gar nicht, lautet die Antwort. Besonders in den Tropen und den Weiten der Ozeane ist es unmöglich, den Beweis zu erbringen, dass wirklich kein einziges Exemplar noch irgendwo herumschwimmt, -kriecht oder -fliegt. Und so sind auch aus Tasmanien immer mal wieder Berichte von angeblichen Beutelwolfsichtungen zu vernehmen.

Die schwarzen Streifen auf grauem Fell des Beutelwolfes sind beim Quagga (Equus quagga quagga) nicht auf der hinteren, sondern der vorderen Körperpartie angeordnet. Die Unterart des Steppenzebras wurde als herrlich schön beschrieben. Dies half den Konkurrenten der Ziegen und Schafe aber wenig. Sie wurden auch als Fleisch- und Felllieferanten bis zu ihrem bitteren Ende gejagt. Das letzte, jedoch namenlose Quagga verstarb 1883 im Artis Zoo in Amsterdam. Wie bei einigen anderen ausgestorbenen Arten, beispielsweise dem Auerochsen (Bos primigenius), gibt es Bemühungen, sogenannte Abbildungszüchtungen zu machen. Zwar sind die genauen genetischen Merkmale dieser Tiere unwiederbringlich verloren, nun wird aber versucht, zumindest äusserlich sehr ähnliche Imitationen des Originals heranzuzüchten.

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Heutige Faultiere leben auf Bäumen. Sie sind allerdings nur das Überbleibsel einer einst viel artenreicheren Tiergruppe. Dazu gehörte auch das elefantengrosse Riesenfaultier (Megatherium americanum), das bis zu sechs Meter lang und sechs Tonnen schwer war. Vor 11 000 bis 8000 Jahren verschwanden sie von unserem Planeten. Ob es der Klimawandel oder doch die Jagd durch den Menschen war, die diesen Riesen den Garaus machten, ist ungeklärt.

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Giganten im Wasser

Noch mächtiger war die Erscheinung, welche Georg Wilhelm Steller 1714 in der See vor der Beringinsel entdeckte. Die Seekuh wog mit zehn Tonnen fast so viel wie zwei Elefantenbullen. Doch viele Seeleute jagten und verzehrten die Stellersche Seekuh (Hydrodamalis gigas). Und so dauerte es nach ihrer Entdeckung nur noch 27 Jahre, bis auch die 2000 Tiere umfassende Reliktpopulation vor der Beringinsel ausgerottet war.

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Die Erschlagung der letzten Stellerschen Seekuh machte mit Sicherheit weniger Furore als der Tod von Lonesome George. 1971 hatte man George als letzten lebenden Vertreter seiner Art in seiner von Ziegen völlig kahl gefressenen Heimat, der Galápagos-Insel Pinta, entdeckt. Es wurde alles unternommen, um die Pinta-Riesenschildkröte (Chelonoidis nigra abingdonii) zur Fortpflanzung zu bewegen. Man präsentierte George zwei Weibchen der Isabela-Unterart, doch es geschah nichts. Mit dem Tod der fast 100-jährigen Landschildkröte 2012 auf dem Gelände der Charles-Darwin-Forschungsstation auf der Insel Santa Cruz waren vier der 15 Riesenschildkrötenarten verschwunden.

 

Schmökerecke
Der Berliner Biologe Bernhard Kegel hat in seinem Buch 50 nicht mehr existente Tierarten zusammengetragen. Historische Illustrationen führen deren Schönheit und Besonderheit vor Augen.
Bernhard Kegel: «Ausgestorbene Tiere», 159 Seiten, 50 historische Abbildungen, Dumont Verlag.