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Was macht ein Zoologischer Präparator?

Eine weit verbreitete Annahme ist die, dass zoologische Präparatoren Tiere ausstopfen. Dass das jedoch nicht ganz der Wahrheit entspricht und hinter dem äusserst vielseitigen Beruf wesentlich mehr steckt, erklärt der zoologische Präparator Alwin Probst. Ein Besuch hinter den Kulissen des Präparatoriums des Naturhistorischen Museums Basel.

Hinter den Türen eines modernen Gebäudes, das inmitten der Basler Altstadt beinahe fehl am Platz wirkt, eröffnet sich eine faszinierende, andere Welt. Felle, Masszeichnungen, Skizzen, Fotos, Schädel, unzählige Tierpräparate sowie Kunststoff-Spermien für die aktuelle Sonderausstellung «Sexy – Treibfeder des Lebens» zieren das Präparatorium des Naturhistorischen Museums Basel. «Wir werden schon manchmal kurios angeschaut, weil wir mit totem Tiermaterial arbeiten», erklärt Alwin Probst schmunzelnd. Er ist zoologischer Präparator im Museum und leitet ein achtköpfiges Team. «Manche Menschen sind auch überfordert mit dem Begriff Präparator. Dann sage ich, dass ich Tiere ausstopfe. Das entspricht zwar nicht dem, was wir machen, denn wir stopfen nichts in irgendeine Tierhülle rein. Allerdings können sich die Leute darunter etwas vorstellen.» Der Beruf indes ist wesentlich komplexer. Vom Präparieren eines Insekts bis hin zu einem Elefanten, vom Arbeiten mit Tierhäuten bis hin zum Umgang mit dem Pinsel, zoologische Präparatoren und Präparatorinnen verfügen über ein umfangreiches Wissen. Sie sind Biologen, Künstler, Handwerker und Metzger – alles in einem Beruf vereint.

Auf diesem Tisch werden Tiere seziert und vorbereitet.
Auf diesem Tisch werden Tiere seziert und vorbereitet.

Die Kunst der Präparation

Zoologische Präparatoren stellen Tierpräparate für museale Institutionen oder für die Privatwirtschaft her. Alwin Probst und sein Team erhalten als Angestellte des Naturhistorischen Museums die Aufträge direkt von den wissenschaftlichen Mitarbeitern der Institution. «Oft steckt in den Museen eine sehr grosse wissenschaftliche Sammlung, mit der aktiv gearbeitet und geforscht wird», erklärt der Präparator. Nicht nur für die Forschung, auch für die Ausstellungen, die von den Museumsbesuchenden betrachtet werden, erstellt das Team tierische und pflanzliche Präparate, Modelle, Abgüsse und vieles mehr. Der Prozess des Präparierens unterscheidet sich je nach Tierart, Individuum und späterer Nutzung. So interessiert sich die Wissenschaft für andere Aspekte als die Museumsbesucherinnen. «Zuerst wird das Tier vermessen, Referenzen werden genommen, je nach Auftrag Abgüsse von Weichteilen gewonnen und Fotos oder Zeichnungen angefertigt», erklärt Probst den grundlegenden Prozess. «Dann wird es abgezogen und die Haut gewonnen.» Nachdem diese gereinigt ist, wird sie zur Konservierung gegerbt. «Dann bauen wir anhand der Masse einen Körper aus künstlichem Material», führt der Präparator weiter aus. Während dazu früher Naturmaterialien wie Holz, Gips, Holzwolle oder Torf genutzt wurden, arbeiten Präparatoren heutzutage vor allem mit Kunststoffen. «Schliesslich wird die Haut im feuchten Zustand auf den künstlichen Körper aufgezogen, vernäht und fixiert. So wird das Tier dann getrocknet.» Abschliessend müssen die Fachleute ihre künstlerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen, wenn es darum geht, Feinarbeiten wie das Modellieren oder das Kolorieren von nackten Hautpartien auszuführen.

Die Haut eines Schneeleoparden ist zum Trocknen aufgehängt.
Die Haut eines Schneeleoparden ist zum Trocknen aufgehängt.

Um einen kleinen Vogel zu präparieren, braucht ein zoologischer Präparator etwa zwei Tage. Für ein Säugetier, je nach Detailgrad, zwischen drei Tagen und zwei Monaten. «Jedes Tier ist anders, je nachdem, was für eine Art es ist, welche Vorgeschichte es hat oder wie ich es präparieren will», erzählt Alwin Probst. «Bevor ich jedoch ein Tier präpariere, gehe ich raus, beobachte es in der Natur oder im Zoo und schaue mir Fotos und Filme an. Jedes Tier hat eine arttypische Haltung. Ein Rotkehlchen sitzt anders da als ein Trauerschnäpper.»

In einem separaten und steril wirkenden Raum im Untergeschoss des zweistöckigen Präparatoriums werden die toten Tierkörper ausgenommen und verarbeitet. Um sich vor Zoonosen, Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden können, zu schützen, ist Hygiene äusserst wichtig. Die Tiere verlassen den Raum erst, wenn sie so desinfiziert und gereinigt sind, dass von ihnen keine Gefahr mehr ausgehen kann. Grosse Tiere werden sofort bei Ankunft verarbeitet, kleinere können erst einmal eingefroren werden. «Wenn ein Tier stirbt, beginnt sofort der Verwesungsprozess. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit», erklärt der Präparator. Das Einfrieren jedoch stoppt diesen natürlichen Prozess. Somit kann ein Tier selbst nach Jahrzehnten wieder aus der Tiefkühlkammer genommen und präpariert werden.

Marder
Die präparierten Tiere wirken lebensecht und kommen in die Ausstellung.

Speckkäfer als Helferlein

Neben dem Seziertisch, gut versteckt in einem metallenen Kasten, verbergen sich einige tierischen Helfer der Präparatoren. Während Insekten, die Schäden an Tierpräparaten hinterlassen, die wohl grössten Feinde einer Museumssammlung sind, helfen afrikanische Dornspeckkäfer dabei, fein säuberlich Fleischreste von kleinen Tierknochen zu nagen, ohne die Knochen zu beschädigen. Ein strenger Geruch verbreitet sich, als Alwin Probst die Tür des Kastens öffnet. Aktuell kümmern sich die dunkelheitsliebenden, fleissigen Insekten um den Schädel eines jungen Okapis sowie um die Knochen eines Iltisses und eines Schneehasen. In einem weiteren Raum werden die Tierhäute durch die Präparatoren bearbeitet und konserviert. Die Haut eines Schneeleoparden ist über einem Holzgestell gesalzen zum Trocknen aufgehängt. Sie wird anschliessend gereinigt und gegerbt.

Solche exotischen Tiere gelangen durch zoologische Einrichtungen in das Naturhistorische Museum Basel, heimische Wildtiere durch Wildparks, Wildhüter, Jäger und Privatleute. Auch Tiere, die als gewöhnlich erscheinen und häufig vorkommen, werden von den Naturhistorischen Museen gerne angenommen. «Je mehr Vergleichbares man hat, umso interessanter wird es für die Wissenschaft, denn umso repräsentativer wird es für Untersuchungen», erklärt Probst. In den fünf Kellerstockwerken des Naturhistorischen Museums und einem Aussenlager lagern Millionen verschiedenster naturkundlicher Objekte.

Knochen von verschiedensten Tierarten werden gesammelt.
Knochen von verschiedensten Tierarten werden gesammelt.

Ein seltener Beruf

Die Berufsgruppe der zoologischen Präparatoren ist klein, schweizweit gibt es nur rund vier Ausbildungsstätten, die vierjährige Berufsausbildung in der Schweiz ist nicht anerkannt. Um den Berufsabschluss zu erlangen, legen Auszubildende einmal jährlich den weiten Weg nach Wien in die Berufsschule zurück. Das kann eine Vorbereitung darauf sein, was nach der Lehre kommt, denn Stellen sind in der Schweiz rar gesät. Wer Präparator werden möchte, muss sich bewusst sein, dass Flexibilität bei der Stellensuche gefragt ist. Viele Ausgelernte verschlägt es ins Ausland. Aufgrund der komplexen Berufsaussichten ist es von Vorteil, bereits einen Beruf erlernt zu haben. «Bei uns arbeiten ehemalige Pflegefachleute, Bäcker oder Künstler», erklärt Probst. «Es ist ein sehr schöner Beruf, aber man muss dafür brennen.»

Neben dem Beruf des zoologischen Präparators gibt es noch zwei weitere Fachrichtungen mit teils ganz anderen Arbeitstechniken. Die geowissenschaftliche Präparation beschäftigt sich mit fossilem Material, die Humanpräparation mit dem Menschen. Auch diese Berufe sind in der Schweiz sehr selten und für den geologischen Fachbereich existiert in der Schweiz keine Ausbildungsmöglichkeit.

Der zoologische Präparator Alwin Probst erklärt, wie dieses alte Präparat eines Orang-Utans restauriert wird.
Probst erklärt, wie dieses alte Präparat eines Orang-Utans restauriert wird.

In den grosszügigen und offenen Arbeitsräumen des Präparatoriums, in denen die künstlichen Tierkörper und Modelle erstellt werden, ist der Lehrling Lukas Christen gerade dabei, eine Plastik eines Rotfuchses aus PU-Schaum zu bearbeiten. Er ist im dritten Lehrjahr und schafft es bereits, detailgetreu jeden einzelnen Muskel des Hundeartigen darzustellen. Das dazugehörige Fuchsfell ist bereits gegerbt und wird später über den Tierkörper gestülpt.

Die Ausbildung ist anspruchsvoll. Christen erklärt, wie die Lehrabschlussprüfung eines zoologischen Präparators abläuft. «An der Prüfung muss man in acht Stunden einen selbst gewählten Vogel und ein Säugetier präparieren.» Da die Prüfung in der Berufsschule in Wien stattfindet und Lehrlinge die Tierhäute demzufolge mit über die Grenze in die EU nehmen müssen, sei es wichtig, Tiere zu wählen, für die es wenige rechtliche Einschränkungen am Zoll gibt, wie Steinmarder oder Eichhörnchen.

Obwohl er aufgrund des erlernten Berufes sein Heimatland Deutschland verliess, um in die Schweiz zu ziehen, weiss der zoologische Präparator und Berufsbildner Alwin Probst, dass er für sich den richtigen Schritt gemacht hat. «Ich kenne sonst keinen Beruf, der so abwechslungsreich ist wie der des zoologischen Präparators. Wir gehen raus ins Feld, um die Tiere zu sammeln, wir machen Metzgerarbeiten, wir sezieren, wir gerben, wir modellieren, wir arbeiten mit verschiedensten Werkstoffen, wir machen Abgüsse und Modelle, Pflanzenpräparation und vieles mehr.» Das Aufgabengebiet ist äusserst vielfältig und abwechslungsreich, Langeweile für Probst eine Unbekannte. «Und dass ein Tier stirbt, gehört zur Natur dazu. Wenn ich dieses Tier präpariere, kann ich somit Wissen vermitteln. Das ist es, was mich in diesem Beruf motiviert.»

Tierpräparate, aber auch das Herstellen von künstlichem Froschlaich fordern die Kreativität der Präparatoren.
Tierpräparate, aber auch das Herstellen von künstlichem Froschlaich fordern die Kreativität der Präparatoren.

Wie wird man zoologischer Präparator?

Naturwissenschaftliches Interesse, handwerkliches Geschick, künstlerische Begabung sowie ein Sinn für Ästhetik Bereitschaft, den schulischen Teil der Ausbildung in Wien zu absolvieren Mindestalter von 18 Jahren, da mit gefährlichen Chemikalien gearbeitet wird Bereitschaft für grosse Flexibilität bei der Stellensuche Keine Berührungsängste bei toten Tieren Keine Allergien gegenüber Tierhaaren und Kunststoffen Geduld und Ausdauer

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