Ziervogellexikon|Dieser Artikel gehört zum Dossier: Ziervogellexikon
Forbes Papageiamadine, der Prachtfink mit bezaubernd blauem Gefieder
Die Forbes Papageiamadine wird auch Blaugrüne Papageiamadine genannt. Das weist auf ihr in verschiedenen Nuancen hauptsächlich edel blau schillerndes Gefieder. Eine friedliche und attraktive Papageiamadinen-Art.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Erythrura tricolor
Unterarten: keine
Herkunft: Timor und benachbarte Inseln (West-Timor gehört zu Indonesien, Ost-Timor ist selbständig)
Grösse: 10 cm
Wildfarbe: Dunkelblauer Kopf, aufhellendes Blau im Hals- und Brustbereich, roter Bürzel, grüne Schwingen
Mutationen: unbekannt
Geschlechtsunterschiede: Das Männchen hat intensiv blaues Gefieder, beim Weibchen sind die tiefblauen Gefiederpartien türkisblau. Nur das Männchen trillert mehrfach wiederholt.
Ringgrösse: 2,5 mm
Lebenserwartung: 5 bis 10 Jahre
Platzansprüche: Ideal ist eine Zimmervoliere von ungefähr 2 x 1,5 x 2 Meter, denn die Vögel haben ein grosses Bewegungsbedürfnis und verfetten in Boxenhaltung rasch.
Ausstattung: Zweige, Pflanzen
Stimme: leise zwitschernd, zirpend, das Männchen lässt wiederholtes Trillern erklingen
Haltung: paarweise oder in Gruppen, kann in der warmen Jahreszeit auch Zugang zur Aussenvoliere haben. Im Winter sollten die Vögel aber mindestens 15 °C haben, obwohl Berichte bekannt sind, dass sie bei kälteren Temperaturen überlebt haben.
Herkunft und Geschichte
Forbes Papageiamadinen stammen aus Timor und von umliegenden Inseln. Es ist nicht viel über das Freileben bekannt. Die Art lebt im Bambusdickicht und in Wäldern, wo sich die Vögel gerne in Baumkronen und in Gebüschen aufhalten. Die Forbes Papageiamadine fliegt auch auf offene Flächen und in Plantagen und ist in Höhenlagen bis 1400 Meter über dem Meeresspiegel anzutreffen. Wie häufig die Art vorkommt ist nicht sicher, da es kaum Reisende gibt, die ihnen explizit nachgespürt haben. Auch bei der Ernährung im Freiland gibt es Fragezeichen, da die Forbes Papageiamadine in Baumkronen beobachtet wurde. Hat sie sich dort von Samen oder Früchten ernährt? Unter Menschenobhut zeigt sich diese Papageiamadine allerdings als Grassamenliebhaberin, so dass davon ausgegangen werden kann, dass es sich dabei zu einem grossen Teil auch um die Nahrung im Freiland handelt.
Erste Vögel dieser Art kamen mit einem Import 1958 in die Niederlande. Die Vögel verstarben aber bald in Menschenobhut, und der Eindruck entstand, dass es nicht möglich ist, diesen traumhaften Prachtfinken unter Menschenobhut zu halten. Es dauerte bis Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre, bis wieder Forbes Papageiamadinen importiert wurden. Mit diesen Vögeln gelangen Nachzuchten, so dass sich auch diese Art unter Menschenobhut etablierte. In Deutschland gelang die Erstzucht im Jahr 1991, 1992 wurde sie von Ruedi Wyrsch in der Schweizer Zeitschrift «Gefiederter Freund» beschrieben.
Eignung als Heimtier
Forbes Papageiamadinen eignen sich hervorragend zur Haltung in der bepflanzten Zimmervoliere. Sie sind zurückhaltend und verbergen sich gerne in dichter Vegetation. Darum sind im Sommer frische Zweige aus dem Wald wichtig, die in Wassergläser gestellt werden, damit die Blätter länger frisch bleiben. Zudem kann die Voliere auch mit Pflanzen wie Ficus-Arten, Efeutute und Monstera eingerichtet werden. Die Amadinen zeigen in einem Pflanzendickicht ihr natürliches Verhalten, und es entspricht ihrem Sicherheitsbedürfnis, sich ins Grün zurückziehen zu können. So werden sie auch weniger scheu, denn sie haben ihre Rückzugsbereiche zur Verfügung.
Erwerb
Forbes Papageiamadinen werden nicht häufig angeboten. Es kommt aber vor, dass sie sogar auf Vogelbörsen erworben werden können. Kontakte zu Züchtern von Papageiamadinen findet man über die Vogelzuchtverbände Exotis und Ziervögel Schweiz.
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Ernährung und Pflege
Forbes Papageiamadinen müssen, wie alle Papageiamadinen, eine stetige Badegelegenheit zur Verfügung haben. Die Blattner-Samenmischung für Papageiamadinen wird gerne von ihnen angenommen, ebenso Kolbenhirse und Samen einer Exotenmischung. Auch eine Samenmischung für Zeisigarten kann ihnen offeriert werden. Wichtig sind gekeimte Körner, besonders während der Zuchtzeit. Entweder, es werden gewöhnliche Samen zum Keimen gebracht, die sonst trocken gereicht werden oder sie werden mit einem im Handel als Keimfuttermischung für Prachtfinken erhältlichen Futter vermengt und zum Keimen angesetzt.
Gefrostete Pinkymaden und Buffalos können ausserhalb der Zuchtzeit dosiert einmal wöchentlich gereicht werden, während der Zucht täglich. Während der Zucht sollte auch ein Weichfutter täglich verabreicht werden. Mineral- und Kalkmix sollte zur freien Aufnahme stetig zur Verfügung stehen. Gurke, Apfel, Birne, Erbsen, Rüebli und Traube können in Stücke geschnitten angeboten werden.
Zucht
Wie bei anderen Papageiamadinenarten jagt das Männchen das Weibchen und umgekehrt durch die Voliere. Gleichzeitig wird in einen Wellensittichnistkasten oder in einen halb offenen Nistkasten ein Nest durch beide Paarpartner mit Kokosfasern, Grashalmen und Blättern gebaut. Aus der Natur sind Bruten aus Kronen von Kokospalmen bekannt, wo sie auch ihre Kugelnester im Blattwerk errichten. Meist werden bis zu sechs weisse Eier gelegt und durch beide Partner während 13 bis 15 Tagen bebrütet, wobei das Weibchen den grösseren Anteil am Brüten hat. Oft wird nach Ablage des dritten Eis mit dem Brüten begonnen.
Jetzt ist es wichtig, dass den Altvögeln Aufzucht- und Keimfutter gereicht wird, das sie rasch an ihre Jungen weitergeben können. Die Nestlingszeit beläuft sich auf 17 Tage. Die Jungen werden von beiden Eltern gefüttert. Im Alter von sieben Tagen nach dem Ausfliegen nehmen die Jungen schon selber Nahrung auf und sind mit 18 Tagen selbständig. Nach drei Monaten beginnt bei den Jungen bereits die Jugendmauser, so dass der Umfärbungsprozess sehr schnell abläuft.
Lustig
Die Rachenzeichnung der Jungvögel ist erstaunlich. Wenn sie ihre gelben Schnäbel aufsperren, leuchten wie kleine Perlen je zwei blaue Papillen an den Schnabelenden links und rechts auf. Im Rachen oben befinden sich auf dem Gelb drei schwarze Punkte. Eine solche exquisite Färbung stimuliert die Altvögel zum Füttern.
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Namensgebung
Der französische Ornithologe Louis Pierre Vieillot benannte die Art wissenschaftlich im Jahr 1817. Er ist dafür bekannt, insbesondere Vögel der Karibik und Nordamerikas beschrieben zu haben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Erythrura wurde 1837 durch den englischen Ornithologen William Swainson eingeführt. Die Artbezeichnung weist auf die drei Farben hin. Der deutsche Name ehrt William Alexander Forbes (1855 – 1883). Forbes studierte in Achen Deutsch und sezierte für die Zoological Society of London Tiere.
Besonderheit
Forbes Papageiamadinen hybridisieren mit anderen Arten von Papageiamadinen, beispielsweise mit der Dreifarben-Papageiamadine, vermutlich auch mit der Rotkopf-Papageiamadine. Darum sollten sie nicht mit anderen Papageiamadinen-Arten vergesellschaftet werden. Die Art setzt sehr schnell Fett an und reagiert mit einer Vollmauser auf radikale Volierenänderungen.
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