Ziervogellexikon|Dieser Artikel gehört zum Dossier: Ziervogellexikon
Lauchgrüne Papageiamadine: Kunstwerk der Natur
Alle Papageiamadinen weisen auffallende Gefiederfarben auf. Die Lauchgrüne Papageiamadine tritt dabei besonders hervor. Ihre Federn wirken wie die ineinander verlaufenden Farben eines Malers auf einer Mischtafel. Sie gehen vom Blauen ins Dunkelgelbe über und laufen in einem geschmackvollen Orange aus. Eine prächtige Papageiamadine, die selten gehalten wird.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: (Erythrura prasina)
Unterarten: Erythrura prasina von West- und Nordwest-Laos, Nordthailand, Südtenasserim (Rückgrat der malaysischen Halbinsel), Malaysia, Sumatra und Java; Erythrura prasinae coelica von Borneo. Unter Menschenobhut werden heute kaum noch Unterarten unterschieden.
Herkunft: Südostasien
Grösse: bis 15 cm
Wildfarbe: Oberkopf und Flügeloberseiten grün, Wangen blau, ins Dunkelgelbe und Orange am Buch überlaufend, Unterschwanz rötlich. Es gibt sogar eine gelbbäuchige Variante. Insgesamt ist die Färbung sehr variantenreich und unterschiedlich. Die Unterarten sehen sich sehr ähnlich.
Mutationen: keine
Geschlechtsunterschiede: deutlich zu sehen. Weibchen fehlt das Orangegelbe an der Brust. Sie haben zudem nur matt blaue Wangen. Ebenso ist die Kehlbefiederung matt blau.
Ringgrösse: 2,7 mm
Lebenserwartung: 5 bis 10 Jahre
Platzansprüche: Schwarmhaltung ideal, darum besser Zimmervoliere als Käfig, ungefähre Masse 2 x 1,50 x Zimmerhöhe
Ausstattung: zahlreiche Äste, Pflanzen, ein Bad, natürlicher Boden
Stimme: Männchen singen leise und melodiös.
Haltung: im Schwarm, beispielsweise vier Vögel.
Herkunft und Geschichte
Lauchgrüne Papageiamadinen kommen in ihrer asiatischen Heimat in verschiedenen Biotopen vor. Sie leben an Waldrändern, im Wald, im Bambusdickicht und streifen auch über Felder, wo sie sich beispielsweise an Reis gütlich tun. Die Art wurde bereits von Meereshöhe bis auf 1300 Meter beobachtet. Die Lauchgrüne Papageiamadine lebt im Schwarm und verschwindet zeitweise aus gewissen Gebieten, das heisst, sie zieht ausserhalb der Brutzeit schwarmweise umher auf der Suche nach Nahrung. Die Art wurde bereits 1788 wissenschaftlich beschrieben, doch erst 1878 ist in der Literatur ein grösserer Import nach England erwähnt. Vereinzelt scheint die Art aber schon vorher nach Europa gebracht worden zu sein, denn 1877 hat der Altmeister der Vogelhaltung, Dr. Karl Russ aus Berlin, bereits über eine erfolglose Brut berichtet. Die europäische Erstzucht gelang dann 1880 in England.
Zu Zeiten, als Vogelimporte nach Europa noch erlaubt waren, gehörte die Lauchgrüne Papageiamadine zu den häufig und in grösseren Stückzahlen importierte Art. Danach wurde sie, besonders in der Schweiz, sehr selten in Züchterhand. Ihre Seltenheit dokumentiert auch der Bestand in Zoos. Gemäss der Zootierliste wird sie von keinem europäischen Zoo gehalten, sondern nur von zwei asiatischen Einrichtungen.
[IMG 2]
Eignung als Heimtier
Lauchgrüne Papageiamadinen sollten nicht im Käfig, sondern in einer Zimmervoliere gepflegt werden. Die Haltung nur eines Paars ist zudem wenig erfolgreich. Es sollten mindestens zwei Paare in der gleichen Voliere gepflegt werden. So bestehen eher Brutaussichten. Lauchgrüne Papageiamadinen sind sehr sozial.
Erwerb
Es braucht Geduld, um diese besondere und wunderschöne Prachtfinkenart erwerben zu können. Sie wird nicht häufig gezüchtet. Ein Netzwerk unter Züchterinnen und Züchtern von Prachtfinken ist wichtig. Sie sind Mitglieder der Züchterverbände Exotis und Ziervögel Schweiz. Wie selten die Art gehalten wird zeigt auch die Tatsache, dass sogar bei der IG Prachtfinken nur gerade vier Exemplare gehalten werden.
Ernährung und Pflege
Lauchgrüne Papageiamadinen ernähren sich hauptsächlich von Grassamen. Im Handel gibt es Spezialmischungen für Papageiamadinen, so etwa von Blattner. Auch gekeimt, besonders während der Brutzeit, sollten Grassamen gereicht werden. Weiter sollten Gurke, Apfel, Rüebli, Trauben, probeweise auch Banane, in kleine Stücke geschnitten, angeboten werden. Eine trockene Kräutermischung, ein Kalk- und Mineraliengemisch zur freien Aufnahme und Grit gehören ebenso zum Futterplan. Ausserhalb der Brutzeit können einmal wöchentlich gefrostete Pinkymaden und Buffalos gereicht werden, während der Jungenaufzucht täglich. Frisches Badewasser sollte den Vögeln immer zur Verfügung stehen. Ideal ist, wenn sie ein Bassin haben, dessen Wasser mit einem Aquarienfilter bewegt wird. Das regt sie besonders zum Baden an.
[IMG 3]
Zucht
Wer nur ein Paar in einem Käfig hält, wird die Art voraussichtlich kaum züchten können. Damit die Paarpartner stimuliert werden ist die Anwesenheit verschiedener Paare nötig. Die Lauchgrüne Papageiamadine schreitet eher zur Zucht, wenn mindestens vier Vögel in einer Zimmervoliere gehalten werden. Sie sollte auch mit Pflanzen oder zumindest mit frischen Laubästen bestückt sein. Als Nistmaterial eignen sich Gräser besonders, Kokosfasern und Scharpie können zusätzlich zur Verfügung gestellt werden. Die Nester werden in Nistkästen gebaut. Das Männchen sammelt das Nistmaterial, das Weibchen verbaut es. Wellensittichnistkästen eignen sich gut. Meist werden drei bis sechs Eier gelegt. Mit der Ablage des dritten Eis wird fest gebrütet. Meistens brütet das Weibchen, oft hält sich aber auch das Männchen im Nistkasten auf. Es dauert 13 Tage bis zum Schlupf. Die Altvögel müssen jetzt, zusätzlich zu ihrem herkömmlichen Futter, Aufzuchtfutter, gekeimte Körner und Samen sowie ein Insektenfutter oder gefrostete Pinkymaden und Buffalos zur Verfügung haben. Bis zum etwa 8. Tag werden die Jungen gehudert, dann halten sich die Altvögel ausserhalb des Nests auf. Nach etwa 21 Tagen Nestlingszeit fliegen die Jungen aus. Sie sind zwar noch nicht fertig befiedert, fliegen aber schon recht sicher in der Voliere herum. Temperaturen ab 20 °C sind für diese Art wichtig.
Lustig
Hans Joachim Wöhrmann, der ein Buch über die Papageiamadinen verfasst hat, berichtet, dass die Jungen nach dem Ausfliegen eine Phase von wenigen Tagen durchleben, wo sie sehr zutraulich sind. «Man kann sie zu diesem Zeitpunkt berühren oder über den Rücken streichen, ohne dass sie abfliegen», schreibt Wöhrmann. Das ist aussergewöhnlich, denn normalerweise sind Jungvögel nach dem Ausfliegen sehr scheu.
[IMG 4]
Namensgebung
Die Erstbeschreibung erfolgte 1789 durch den schwedischen Arzt, Botaniker und Ornithologen Anders Sparrman. Er war ein Schüler Linnés, des Begründers der zoologischen Nomenklatur. 1767 bereiste Sparrman als Schiffsarzt an Bord der Stockholms Slott die ostindischen Inseln und erhielt so Kontakt zur Lauchgrünen Papageiamadine. 1775 nahm er an Bord der Resolution an der zweiten Reise von James Cook teil.
Besonderheit
Die gelbbäuchige Variante ist etwas Spezielles. Frühe Autoren gingen davon aus, dass es eine andere Art ist. Es handelt sich aber um eine Form von Farbpolymorphismus. Ob heute noch gelbbäuchige Vögel in Menschenhand auftreten ist nicht bekannt.
Bitte loggen Sie sich ein, um die Kommentarfunktion zu nutzen.
Falls Sie noch kein Agrarmedien-Login besitzen:
Jetzt registrieren